Ein altes Lied - Glanz und Elend der Berliner Filmfestspiele Es war tough dieses Jahr auf der Berlinale, im Schneetreiben, im Matsch, in der Kälte, in einem Wettbewerb, der schon nach ein, zwei Tagen jedes Profil und jede Dramaturgie vermissen ließ und in dem das traurigste der Kinogefühle sich auszubreiten begann, die Gleichgültigkeit.
Das Ganze hatte eine starke Tendenz zur self-fulfilling prophecy. Viele Tage vor Beginn bereits war man verunsichert, beunruhigt, vorgewarnt - in vielen Interviews hatte Festival-Chef Dieter Kosslick verkündet, wie schwierig es mit der Berlinale gerade sei:
Julia Jentsch gewann den Silbernen Bären für "Sophie Scholl". (© Foto: AP)
Anzeige
Welche Probleme es im Innern gebe - das Festival hat in den drei Kosslick-Jahrgängen so gewaltig expandiert, der Filmmarkt, der Talent Campus sind so gewachsen, dass man nun von dieser Entwicklung überlaufen zu werden droht -, und draußen, wo es gilt, sich gegen die anderen beiden europäischen Megafestivals von Cannes und Venedig zu behaupten und sich mit den amerikanischen Major Studios herumzuschlagen, die sowieso ihre eigenen Pläne mit dem Filmmarkt Europa haben.
Ohne Stars kein Eröffnungsfilm
Hollywood ist in der Tat das Hauptproblem - man braucht es, um den nötigen Glamour für den roten Teppich heranzuschaffen, aber der darf dann bloß nicht zu üppig sein, damit die Kritik nicht wieder die Dominanz des US-Kinos beklagt. Manches von dem, was Kosslick zu dieser Quadratur des Kreises anbrachte, klang ziemlich verwunderlich, irgendwie abstrus.
Man hätte durchaus die Chance gehabt, erklärte er, "Million Dollar Baby" von Clint Eastwood als Eröffnungsfilm zu zeigen - allerdings ohne Garantie, dass der Meister persönlich in Berlin auftreten würde, oder Hilary Swank, die in dem Film als aggressive junge Boxerin mit höchsten Ambitionen brilliert. Einen Eastwoodfilm aber ohne Eastwood will sich die Berlinale nicht antun.
Bei der schönen Komödie "In Good Company" mögen ähnliche Gedanken im Spiel gewesen sein - kam der Film womöglich ins Programm, weil man auf das Kommen von Scarlett Johansson gehofft hatte?
Ein anderer Film, "Heights" von Chris Terrio, rutschte plötzlich wieder heraus, weil Glenn Close ihr Erscheinen absagte. Der Film ist seitdem verschollen, sein Verschwinden wurde von der Berlinale-Leitung keiner Erklärung für würdig gefunden, statt dessen wurde als Ersatzfilm der vielgescholtene "Fateless" von Lajos Koltai vorgeschickt.
Die Oscar-Tour
Natürlich kann man es Eastwood oder Swank nicht verdenken, wenn sie in diesen Tagen lieber noch ein paar Extratouren einlegen, um ihre Oscar-Nominierungen zu stützen, anstatt sich einen Tripp ins feuchte Berlin zuzumuten. Auch wenn Kosslick es herunterspielt - die frühe Oscarnacht, die dieses Jahr bereits am kommenden Sonntag ansteht, wird der Berlinale und ihrem Star-Bedarf auch in Zukunft größte Probleme machen.
Statt Eastwood gab es dieses Jahr als Eröffnungsfilm "Man to Man", der sich durch gute Absichten und den Verzicht auf gestalterische Kühnheiten auszeichnete - Stars: Kristin Scott Thomas und Joseph Fiennes, Regie: Régis Wargnier, Botschaft: Pygmäen sind auch Menschen.
Dem Film haftete ein Aroma von "Ersatz" an, und unwillkürlich blitzten Erinnerungen auf ans Vorjahr, als "Cold Mountain" schwerfällig durch den Eröffnungsabend schlingerte, zu dem die Stars Nicole Kidman und Jude Law nicht erscheinen wollten.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
Umweltstiftung WWF in der Kritik