Star-Auflauf in Berlin bei der Eröffnung der Filmfestspiele: Das Geschrei am roten Teppich war wieder vorbildlich - auch wenn es mit der korrekten Aussprache nicht immer so klappte.
Dicht gedrängt, kaum Platz, den roten Teppich fokussiert, alles wartet. Endlich, das erste Auto fährt vor. "Wer is'n das", fragt eine rothaarige Frau. "Kein Ahnung, unspannende Pappnase", ruft der silberhaarige Mann in Motorradkluft neben ihr. Die "Pappnase" ist Dieter Kosslick, der Berlinale-Direktor. Er ist immer der Erste. Um die Gäste der Berlinale-Eröffnung zu begrüßen.
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Mit Tom Tykwers Film "The International" wurde die Berlinale eröffnet. Auf dem roten Teppich grinste der Regisseur lieber für die Kameras als für die Fans. (© Foto: AFP)
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Die 59. Berlinale eröffnet mit Tom Tykwers Wirtschafts-Thriller "The International". Clive Owen und Naomi Watts kämpfen gegen eine mächtige Banken-Mafia. Passt in die Zeit.
Vielleicht wurde deshalb am roten Teppich gespart. Der ist nur knapp 20 Meter lang. Direkt vor ihm halten die Limousinen mit ihrem Glamour-Inhalt. Zwischen Autotür und Eingang zum Berlinale-Palast haben rechts und links des Teppichs nur die Dutzenden von Fotografen und Kamerateams Platz.
Sehr zum Ärger der Hunderten von Fans. "Scheiß-Presse", regt sich ein Mann mit Schnauzer und Brille auf, als Berlinale Jury-Mitglied Tilda Swinton für die Fans nur ein gelächeltes Winken übrig hat. Dann weht sie davon in ihrem Flatter-Kleid, das sich farblich übergangslos an ihren blassen Teint schmiegt.
Also muss eine bessere Taktik her. Eine Blondine mit einem "I love Clive Owen"-Plakat in den Händen heizt ihre Handvoll Freundinnen an: "Tilda-Tilda-Tilda". Immer mehr Fans stimmen mit ein. Es nutzt nichts.
Nicht jeder Star lässt sich so lange erfolglos bitten. Vorbildlich: Nina Hagen. Einer zählt vor: "Eins! Zwei! Drei!". Dann brüllt es der Hagen aus gefühlt Tausend Kehlen entgegen: "NIIIINA!"
Die schrille Punklady grinst mit weit aufgerissenem Mund, was bei ihr eine Kunst an sich ist. "Ick bin doch im Film gar nicht drin", sagt sie. Und unterschreibt auf einem Naomi-Watts-Plakat, dass ihr ein Mann über mehrere Fans hinweg reicht.
Lesen Sie auf Seite zwei: Die Ankunft der Stars.
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Voreiliges Buch "Der Pott ist dahoam"
ZITAT: "Die 59. Berlinale eröffnet mit Tom Tykwers Wirtschafts-Thriller "The International". Clive Owen und Naomi Watts kämpfen gegen eine mächtige Banken-Mafia. Passt in die Zeit."
ZITATENDE
Tykwer Originaltext im Interview: "Wir haben den Kopf in den Sand gesetzt"
Er meint damit, die Mehrheit habe wohl die Bankenhaie unkontrolliert walten lassen. Eine Stellungnahme dazu unter fm-tv.net (Aktuelles). Dass die Berlinale mit so einem Film eröffnet, ist ein Zeichen für all die, die verzagen und versagen. Ein Teil der Filmbranche zieht die Reißleine. Aber was tut der Rest des Volkes? In Frankreich gehen sie zu Millionen auf die Straße. In München fand vorige Woche ein Straßenzug statt: ein Häuflein von einem Hundert. Zu mehr bringen es Deutsche nicht. r.kendel
und Nina Hagen hat nicht alle Tassen im Schrank. Wie wäre es, wenn sie etwas Neues bringen? Schreiben Sie doch über die Jury, und warum sie dieses Jahr rein Englishsprachig ist? Wollte der Kosslick an den Dolmetschern sparen, oder traut er ihnen nicht? Und wenn dem so ist, warum nicht? Eine Frage der Vertraulichkeit? Mangelnde Qualität? Zu teuer? Oder weiss er einfach nicht, was er tut?
@McKiri: Im weitesten Sinne ist das schon Kultur. Man muss nur großzügig urteilen. Ein Schuss Prekariatssoziologie ist auch dabei, zugegeben...
na, berlinale ist kultur. im weitesten. gib' dem affen zucker
Auf der Titelseite steht unter dem Schriftzug "Süddeutsche Zeitung" ferner zu lesen - quasi als Programm: "Aus Politik, Kultur, Wissenschaft und Sport". Von Klatsch steht da nichts.