Berlinale-Bilanz Im Laufe der Nacht wird jeder ein Berliner

Der goldene Bär ist der begehrteste. Er ging an Jafar Panahi und sein "Taxi".

(Foto: Getty Images)

Mit Rolf Eden Austern schlürfen - auch das ist Berlinale. Während des Filmfests zeigt sich die Hauptstadt von ihrer illustren Seite. Die Prominenten machen sich hier definitiv lockerer als anderswo. Und am Ende gewinnt ein Taxifahrer.

Von Ruth Schneeberger, Berlin

Politisch oder nicht politisch, künstlerisch wertvoll oder eher ein inhaltliches Statement - wie darf er denn sein, der Gewinner des Goldenen Bären? Der Job von Berlinale-Chef und -Jury ist durchaus undankbar. "Man kann froh sein, nicht Dieter Kosslick zu sein", hieß es bei der Abschlussgala am Samstagabend. Gemeint war: Es allen recht machen zu müssen, ist schwer.

Es ist also nachvollziehbar, dass die Jury den iranischen Regisseur Jafar Panahi zum Sieger erklärt hat, der den Preis nicht einmal entgegennehmen konnte. Weil er in seinem Heimatland mit einem Berufsverbot belegt ist und nicht ausreisen darf. Ja, sein Film "Taxi", in dem der Regisseur einen Taxifahrer spielt und seine Fahrgäste die Probleme des Landes diskutieren lässt, ist ein spannendes Stück Filmgeschichte - schon jetzt. Und natürlich lässt es sich die Berlinale nicht nehmen, gerade jetzt ein politisches Statement für Kunstfreiheit und gegen politische sowie religiöse Unterdrückung zu setzen.

Mit dem Taxi durch Teheran

In seiner Heimat Iran hat der Regisseur Jafar Panahi Berufsverbot, ausreisen darf er er nicht. Trotzdem schafft er es immer wieder, Filme aus dem Land zu schmuggeln. Auf der Berlinale ist mit "Taxi" jetzt sein jüngstes Werk zu sehen. Von Anke Sterneborg mehr ... Filmkritik

Aus Gründen der Dramatik

Aber es ist doch auch so: Für Menschen, die in Kinokategorien denken, muss es als eine große Geste erscheinen, wenn das oberste Siegertreppchen leer bleibt. Schon alleine aus Gründen der Dramaturgie. Bereits 2011, als der unabhängige iranische Filmemacher Panahi in die Berlinale-Jury berufen, aber von seiner Regierung an der Ausreise gehindert wurde, wurde in Berlin demonstrativ immer wieder sein leerer Stuhl vorgezeigt.

Anstelle des Regisseurs nahm nun seine kleine Nichte den Preis im Berlinalepalast entgegen, die auch in dem Film mitspielt. Sie reckte den Arm samt Trophäe in die Höhe, um anschließend überwältigt zu schluchzen, dass sie vor Freude gar nichts sagen könne. "Das musst du auch nicht", kam Kosslick schützend zu Hilfe - und führte die junge Dame wieder von der Bühne ab. Kinder, Emotionen, Sensationen, das ist eben der Stoff, aus dem die Träume sind.

"Ich finde das ungerecht", beklagt sich ein anderer Filmemacher nach der Verleihung im Berlinalepalast. Erstens, dass dieser Film überhaupt im Wettbewerb sei. Und zweitens, dass er nun auch noch gewonnen habe. Diese "rein politische Entscheidung" entwerte die Leistung der anderen Künstler und biete keine Anreize für die hiesige Filmförderung. Allerdings müsse man attestieren, dass der Wettbewerb und die insgesamt fast 450 Berlinale-Filme in diesem Jahr schon eine außergewöhnliche Vielfalt gezeigt hätten.

Kidman kann die Stirn runzeln

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