In den USA sagt man konsequent "Super-Dome" zu diesem Typus. Aber auch die neue Kapelle in der Berliner Hertha-Kathedrale lässt sich womöglich religiös motiviert nutzen. In der Arena "auf Schalke", die vor einigen Jahren als erste Spielstätte deutscher WM-Stadien eröffnet worden ist, wurden bereits 120 Menschen getauft: im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Schweißes.

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In Berlin kann man den GMP-Architekten, einigen besonnenen Vertretern der Bauherrenschaft, der Baugeschichte und dem Denkmalschutz also nur dankbar sein. Denn den ehrgeizigen, ja bisweilen geradezu geifernd vorgetragenen ökonomischen Interessen der Berliner Olympia-GmbH wurden durchaus Grenzen gesetzt, in Form von Mauern, Stützen - und einem staunenswerten Dach. Und zwar von vorzüglicher baukünstlerischer und - so gut es eben geht - denkmalsensibler Qualität.

Wie im "Mephisto"

Im Internet ist zu erfahren: "Sie wollen eine Veranstaltung, ein Kunden- oder Mitarbeiterevent, eine Produktpräsentation, ein Gala-Dinner oder einen Workshop im exklusiven Ambiente des Berliner Olympiastadions durchführen? Wir würden uns freuen."

Gut, dass Marg und Nienhoff im Gegensatz zu solchem Vermarktungsgebrüll kein "exklusives Ambiente" entworfen haben. Sonst sähe das neue alte Olympiastadion, das am 1. August vor genau 68 Jahren von Adolf Hitler eröffnet wurde, aus wie jene geschichts- und gesichtslosen Ambiente-Delirien aus Spiegelglas und Plastikmarmor, die in der Provinz in der Nähe der Autobahnzubringer herumlungern.

Wer sich bei Dunkelheit dem gewaltigen Stadion, das immerhin 76.000 Sitzplätze bietet, über den leicht ansteigenden Olympischen Platz nähert, der begreift auf Anhieb die bauliche Veränderung: und zwar als chirurgisch präzisen Eingriff in Form einer die machtvolle Attika abermals krönenden Leuchtspur.

Die Fuge zwischen (alter) Rang- und (neuer) Dachkante wird durch die Illumination dramaturgisch geschickt akzentuiert. Auf diese Weise scheint das gigantische neue Dach über dem schweren, dunklen, 1000-jährig gedachten Muschelkalk-Massiv nahezu zu schweben - dabei umfasst es eine Fläche von 42000 Quadratmeter und allein der darin verbaute Stahl wiegt 3500 Tonnen.

Wer dann durch das Haupttor das halb eingegrabene, halb aufragende Stein-Oval durchschreitet, der fühlt sich im Angesicht des sich abgründig auftuenden Raumes wie einst "Mephisto" im gleichnamigen Film über die NS-Sehnsüchte.

Eine derartige inszenatorische Wucht, eine solche fast schon gewalttätig räumliche Suggestionskraft ist sonst nirgendwo zu erleben.

Denkwürdigerweise ist es den Architekten durch ihr ingeniöses, heiter-transparentes Dachkonstrukt gelungen, die einst schon beabsichtige überwältigende Raumwirkung noch zu steigern; zugleich aber nehmen sie dem Ort das dunkle Pathos der Vergangenheit, um es in ein Staunen über die Wunder der Statik zu transformieren.

Und dies alles zumindest halbwegs im Einklang mit den denkmalpflegerischen Auflagen: Das ist keine geringe Baukunst. Denn implantiert ist dem Baukörper tatsächlich all das, was andernorts als unerträglich aggressive Event-Stadion-Architektur firmieren muss: Lichtregie, VIP-Zufahrt, Gastronomie, Bühnenzauber.

Aber: Man sieht und spürt es nicht. Und das ist auch gut so, könnte man in Berlin sagen. Nur über eines wäre noch nachzudenken: Die Geschichte dieses Ortes will erzählt und dokumentiert sein. Wie und wo: Darüber sollte sich die Stadt Berlin Gedanken machen ? Denn das ist womöglich noch wichtiger als die Wasservögel und die Hertha zusammen.

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  1. Event, Event, ein Lichtlein brennt
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(SZ vom 31.7.2004)