Bedeutung des Satzes "Je suis Charlie" "Ich bin Ahmed, der tote Polizist"

Der Satz "Je suis Ahmed" erinnert an den Polizisten und gläubigen Muslim Ahmed Merabet, der von den Charlie-Hebdo Attentätern auf offener Straße exekutiert wurde. Er ist aber nicht nur in der Welt, damit diese nicht vergisst, dass zu den Opfern dieses wie vieler anderer Anschläge auch Muslime zählen. Er ergänzt den Slogan "Je suis Charlie" nicht nur, er schränkt ihn auch ein, bis hin zur Negation, so in der Formulierung: "Ich bin nicht Charlie, ich bin Ahmed der tote Polizist. Charlie hat meinen Glauben und meine Kultur lächerlich gemacht, und ich starb in Verteidigung seines Rechts, das zu tun."

Mit einer Absage an die Pressefreiheit ist dieses "Je ne suis pas Charlie" nicht notwendig gekoppelt. Aber diese Negation der konkreten Adresse Charlie Hebdo ruft den Echoraum in Erinnerung, in dem die aktuellen Ereignisse und Debatten stattfinden: die Diskussionen nach dem Mord an dem niederländischen Regisseur Theo van Gogh 2004 und um die dänischen Mohammed-Karikaturen 2005.

"Soumission", Unterwerfung, heißt nicht nur der aktuelle Roman von Michel Houellebecq, "Submission" hieß auch der islamkritische Film, den Theo van Gogh 2004 nach einem Drehbuch von Ayaan Hirsi Ali drehte. In Reaktion auf ihre 2006 in Berlin gehaltene Rede "Das Recht zu beleidigen" nannte Timothy Garton Ash sie damals eine "Fundamentalistin der Aufklärung". Darauf spielt nun der Charlie-Hebdo-Chefredakteur Gérard Biard an, wenn er sagt: "Ich hoffe, man wird uns nie wieder ,laizistische Fundamentalisten' nennen, und also nie wieder das gleiche Wort - Fundamentalist - für die Mörder und die Opfer verwenden."

"Gegen Islamophobie habe ich nichts - man sollte aber jeden Glauben verachten"

Mit dieser Verwahrung gegen den Fundamentalismus-Vorwurf hat Gérard Biard zweifellos recht. Aber das Problem ist damit nicht vom Tisch. Denn der strikte Laizismus ist nicht die einzige Antwort auf den unter Berufung auf Religionen ausgeübten Terror. Die moderne säkulare Gesellschaft ist säkular unter Einschluss der Religionen. Darum kann auch der deutsche Bundespräsident sagen: "Ich bin Charlie" und die Kanzlerin bekräftigen: "Der Islam gehört zu Deutschland."

"Man darf nicht die Hosen voll haben"

Als Dieter Hanitzsch von den Anschlägen auf "Charlie Hebdo" hörte, wusste er, dass die Tat auch seine Arbeit als Zeichner künftig beeinflussen wird. Ein Gespräch über Angst, künstlerische Freiheit und die angemesse Darstellung von Glaubensbekenntnissen. mehr ... Video

Oliver Maria Schmitt, ehemaliger Chefredakteur der deutschen Satirezeitschrift Titanic, hat im Interview mit der Berliner Zeitung auf die Frage, wie es mit den Karikaturen jetzt weitergeht, so geantwortet: "Wenn Allah tatsächlich groß ist, dann wird er Charlie Hebdo so lange regelmäßig erscheinen lassen, bis auch der letzte Koran, die letzte Bibel und die letzte Thorarolle wegen Menschenfeindlichkeit eingestampft worden sind." Und er fügte hinzu: "Gegen Islamophobie habe ich persönlich nichts - man sollte aber jeden Glauben verachten."

Man tut dieser Position nicht unrecht, wenn man sie als aggressiven Laizismus bezeichnet. Sie ist unter dem Slogan "Je suis Charlie" zwanglos möglich. Aber gnade uns Gott, wenn die Verteidigung der Pressefreiheit als Feldzug gegen jegliche Religiosität geführt wird.

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