Alte Klänge in neuen Zeiten: Die Musik der Beatles klingt heute besser als je zuvor. Das ist den Abbey-Road-Studios und der Digitalisierung der Beatles-Alben zu verdanken.
In einer Wirtschaftskrise trennt man sich leichter von liebgewordenen, aber vielleicht nicht unbedingt lebensnotwendigen Dingen. So ist es leicht zu erklären, dass die seit 1991 alljährlich in Liverpool stattfindende "Beatles Memorabilia Auction" am kommenden Samstag mit einer regelrechten Flut von unerwarteten Fab-Four-Souvenirs aufwartet. Unter den Losen ist unter anderem ein bisher unbekanntes Schulfoto, auf dem der zehnjährige Paul McCartney ein Comic-Heft liest, sowie die von McCartney und Beatles-Produzent George Martin signierte Lithographie eines "Yesterday"Arrangements.
Der wohl bekannteste Zebra-Streifen der Welt vor den Abbey Road Studios in London: Er zierte das Cover des vorletzten Albums der "Beatles". (© Foto: dpa)
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Zugleich retten sich viele Menschen gerade in Perioden wirtschaftlicher Unsicherheit in Vertrautes, Geborgenheit Verheißendes, zum Beispiel Songs, die sie durch ihr Leben begleitet haben. Darum gehört auch keine hellseherische Begabung dazu, vorauszusagen, dass die remasterte Neuedition aller Beatles-Alben, die am 9. September erscheint, ein Verkaufserfolg sein wird.
Die erste, und bisher einzige digitale Ausgabe der Platten von "Please Please Me" bis "Let It Be" erschien 1987. "Warum das so lange gedauert hat, weiß ich auch nicht", gesteht Toningenieur Allan Rouse. "Das müsste man die Beatles oder EMI fragen. Ich weiß nur, dass die neuen digitalen Masters besser klingen als die alten." Rouse lehnt sich auf ein Mischpult im EMI-Studio in der Londoner Abbey Road, dem Ort, an dem die Beatles bekanntlich einen Großteil ihrer Platten einspielten, und dessen Name daher gewöhnlich nur unter Beistellung des Wortes "legendär" erwähnt wird.
"Die Leute produzieren Musik jetzt am Laptop im Schlafzimmer."
Draußen auf der Straße fotografieren Touristen einander unablässig beim Überqueren des Zebrastreifens, der das Cover des vorletzten Studioalbums der Beatles ziert. Drinnen im Studio erläutert Rouse, ein graubärtiger Mann mit beeindruckender Löwenmähne, die technischen Einzelheiten eines Remastering-Prozesses, an dem sieben Toningenieure viereinhalb Jahre gearbeitet haben. Er erzählt, wie man allein zwei Wochen damit beschäftigt war, die richtigen Geräte für die Digitalisierung der analogen Tonspuren zu finden, und dass die von alten EMI-Bändern wegen ihrer äußerst haltbaren Oxydbeschichtung im Vergleich zu denen anderer Produktionsfirmen in besonders gutem Zustand seien. Er spricht im Detail davon, wie erstaunlich wenige Klangfehler, wie Mikrofon-Plops oder elektrische Klicks, zu entfernen waren. Und er betont immer wieder, dass es sich hier nicht um eine neue Abmischung handelt, sondern nur um eine neue digitale Übertragung vom Original-Mix.
Genau wie die Abbey-Road-Studios, in denen seit 80 Jahren Musik eingespielt und produziert wird, ist auch Allan Rouse ein Stück EMI-Geschichte. Er arbeitet seit 1971 bei dem Label und hat oft mit dem Beatles-Tontechniker Norman Smith zusammengearbeitet. Vor 18 Jahren digitalisierte er erstmals sämtliche existierenden Beatles-Aufnahmen als Sicherheitskopien und war maßgeblich an diversen Beatles-Fernseh-Projekten und der Neumischung von John-Lennon- und George-Harrison-Alben beteiligt. "Wir Toningenieure sind ja eine aussterbende Art", meint er lakonisch. "Die Leute produzieren ihre Musik jetzt eher am Laptop in ihrem Schlafzimmer." Aber derzeit brauche man, zumindest für ein Projekt vom Umfang der neuen Beatles-Remasters, noch immer ein gut ausgestattetes Studio.
Unverschleierte Songs mit dem Flair der Abbey Road
Die Hörproben (denen der Umstand, dass sie am Entstehungsort in der Abbey Road stattfinden, fraglos ein spezielles Flair verleiht) ergeben tatsächlich einen deutlichen Qualitätsunterschied zwischen der alten und der neuen Digitalfassung. Es ist, als sei ein Klangschleier von den Songs genommen worden, was sich gerade bei den digital bisher nicht verfügbaren Monoversionen bemerkbar macht. Besonders die Gitarren haben profitiert: Bei "Till there was you" hören sie sich nicht nur knackiger an, sondern sind auch deutlicher voneinander abgesetzt; bei "Yesterday" und "Sgt. Pepper" klingen sie nun fast wie eine eigene Singstimme. Spätere, aufwendige Arrangements wie "Good Night" - John Lennon fand, der Song sei "vielleicht etwas zu üppig" - haben deutlich an Tiefe und Transparenz gewonnen.
Natürlich kann man diese Neuausgabe, die am gleichen Tag wie eine Beatles-Version des Videospiels "Rock Band" herauskommen wird, als Geldschneiderei betrachten, als zynisches Abkassieren durch eine angeschlagene Tonträgerfirma. Die beiden verbliebenen Beatles McCartney und Starr waren, abgesehen von der letzten Abnahme, nicht persönlich in das Remastering-Projekt involviert. Und als Download, die mittlerweile gängigste Art des Musikerwerbs, wird es auch diese Version der Beatles-Songs nicht geben. Man muss die CDs kaufen - einzeln, oder gleich als Gesamtedition im Schuber.
Doch anders als etwa "Star-Wars"-Erfinder George Lucas, eine der wenigen popkulturellen Figuren, der sich auch nur annähernd an Einfluss mit dem der Liverpooler Band messen kann, haben EMI und die Beatles-Firma Apple Corps Ltd. wenigstens nicht mythosschädigend am Werk herumgedoktert. Die Songs klingen definitiv besser als auf der alten CD-Ausgabe, und als Dreingabe gibt es zu jedem Album noch eine kleine Making-Of-Dokumentation, inklusive bisher unveröffentlichter Mitschnitte von Unterhaltungen während der Studio-Aufnahmen. Das macht ein bisschen nostalgisch und ist was für's Gemüt in diesen schwierigen Zeiten.
In seinem Roman „Canale Mussolini“ erzählt Antonio Pennachi von der Trockenlegung der pontinischen Sümpfe im italienischen Faschismus. Jetzt lesen ...
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(SZ vom 24.8.2009/jeder)
Und als Download, die mittlerweile gängigste Art des Musikerwerbs, wird es auch diese Version der Beatles-Songs nicht geben. Man muss die CDs kaufen - einzeln, oder gleich als Gesamtedition im Schuber.
Als Downloads wird es diese Stücke sicher geben, oder gibt es sogar schon. Nur halt nicht legal.... (und, nein ich finde es nicht gut, daß es so ist.)
U.