Bayerische Staatsoper: Generalmusikdirektor Kommt der Opernwundermann?

Es ist eine Personalie, um die es im Vorfeld zu heftigen Verwerfungen gekommen ist: Nun deutet alles darauf hin, dass Kirill Petrenko die Nachfolge von Kent Nagano antritt und neuer Chef der Münchner Staatsoper wird.

Von Reinhard J. Brembeck

Wenn Bayerns Kunstminister Wolfgang Heubisch (CSU) am Mittwochmittag vor die Presse tritt, wird er eine Personalie verkünden, um die es im Vorfeld zu heftigen Verwerfungen gekommen ist. Heubisch wird den neuen Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper und damit den Nachfolger von Kent Nagano vorstellen. Es wird, das gilt in Insiderkreisen als ausgemacht, mit höchster Wahrscheinlichkeit Kirill Petrenko sein.

Der 1972 in Sibirien geborene Kirill Petrenko soll Nachfolger von Kent Nagano werden.

(Foto: ddp)

Der 1972 in Sibirien geborene Petrenko, der 1990 nach Österreich kommt, wird als Opernwundermann gehandelt. Erstmals fällt er deutschlandweit auf, als er vor neun Jahren den "Ring des Nibelungen" an vier aufeinanderfolgenden Tagen dirigiert, in Meiningen, wo er seit 1999 als Generalmusikdirektor angestellt ist. Das Meisterstück eines noch nicht Dreißigjährigen, der die größte Herausforderung der deutschen Romantik elegant, dramatisch gespannt und ohne jeden Pomp hinreißend bewältigt. Es ist zudem Petrenkos Wagner-Debüt.

Im Jahr darauf wechselt er an Berlins Komische Oper und bedient da ein breites Repertoire von Mozart bis zur frühen Moderne. Unüberhörbar setzt sich Petrenko mit der historischen Aufführungstradition auseinander. Was seinem Naturell entgegenkommt, großen emotionalen Entladungen mit strenger Kontrolle und harschem Zugriff zu begegnen. Das macht seinen Mozart aufrührerisch, das verleiht den romantischen Komponisten jene abgründige Schwärze, die sie fernhält von einem allzu seelenvollen Wohlfühlton.

Im Jahr 2007 verlässt Petrenko die Komische Oper, arbeitet frei, wird berühmter und begehrter. Angebote für eine neue Generalmusikdirektur lehnt er ab. Nun aber scheint er doch schwach geworden zu sein. München zählt zu den ganz großen Opernhäusern - so etwas lehnt selbst ein Junggenie nicht ab.

Da spielt es dann auch kaum mehr eine Rolle, dass der Vorgänger Kent Nagano offenbar unter kuriosen und unwürdigen Bedingungen zu einem Amtsverzicht gedrängt wurde.