Furcht vor dem "Silbertsunami": Der Schriftsteller Martin Amis schlägt "Euthanasiehäuschen" gegen die Überalterung der Gesellschaft vor.
Sein Talent für ebenso kontroverse wie PR-wirksame Meinungsäußerungen hat der britische Schriftsteller Martin Amis in den letzten Jahren immer wieder bewiesen. Vor ein paar Jahren lieferte er sich mit dem nicht weniger zeigefreudigen Christopher Hitchens einen Schlagabtausch über dessen trotzkistische Vergangenheit. Später geriet er wegen seiner überaus scharf formulierten Islamkritik mit dem Literaturwissenschaftler Terry Eagleton aneinander.
Autor Martin Amis plädiert für eine Lockerung der Euthanasiegesetze: "Es sollte einen Ausweg für Menschen mit klarem Verstand geben, die entscheiden, dass sie im Minus sind." (© Foto: dpa)
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Jetzt hat er die britischen Senioren aufs Korn genommen. In einem Interview mit der Sunday Times regt der Autor von "Koba der Schreckliche" an, "Euthanasiehäuschen" an jeder Straßenecke aufzustellen, wo sich alte Menschen "mit einem Martini und einem Orden" verabschieden könnten.
"Wie eine Invasion schrecklicher Immigranten"
Großbritannien müsse sich dem "Silbertsunami" stellen, der auf das Land zu rolle, so Amis: "Es wird eine Bevölkerung aus dementen, sehr alten Menschen geben, wie eine Invasion schrecklicher Immigranten, die Restaurants und Cafés und Läden vollstinken." Er könne sich in zehn bis 15 Jahren einen "Bürgerkrieg zwischen Alt und Jung" vorstellen.
Die einzige Lösung ist nach Meinung des 60-jährigen Großvaters Amis, die Euthanasiegesetze zu lockern: "Es sollte einen Ausweg für Menschen mit klarem Verstand geben, die entscheiden, dass sie im Minus sind."
Die empörten Reaktionen haben nicht lange auf sich warten lassen. So hat Alistair Thompson von der "Care Not Killing Alliance" im Guardian gefragt: "Was sind das für Todeszellen? Sollen sie so eine Art Superklo sein, wo man ein paar Pfund einwirft und dafür einen tödlichen Cocktail bekommt?"
Mit dem Verstand geht die Würde
Amis hat seine Bemerkungen mittlerweile als "satirisch" verteidigt. Aber er beharrt auf seiner Ansicht, dass es "keinen Grund" gebe, das Leben zu verlängern, wenn der Verstand verschwunden sei: "Man hat dann keine Würde mehr."
Der Anstoß zu dieser Euthanasiedebatte durch Martin Amis erfolgt anderthalb Wochen vor der Veröffentlichung seines neuen Romans "The Pregnant Widow". Dieser wird in der gleichen Sunday-Times-Ausgabe, in der das Interview erschien, als "lang erwartet" bezeichnet.
Wer nicht mehr bis zum Erscheinungstermin am 4. Februar warten will, kann übrigens am kommenden Wochenende einen "exklusiven Auszug" lesen - ebenfalls in der Sunday Times.
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(SZ vom 26.01.2010/jobr)
Debatte über Urheberrecht
@Nächstenliebe
Ich habe ja nicht gesagt, dass ich es tun würde. Aber die Option würde ich mir schon gern offenhalten und das von allem dann, wenn am Ende wirklich Soylent Green stünde, was ja, schaut man sich die menschenverachtende Entwicklung an, nicht mehr auszuschließen ist.
Wer hätte z.B. vor 30 Jahren gedacht, dass sich die Menschen einmal derartig schikanieren lassen müssen, wie es heute wieder der Fall ist in den Betrieben?
Die bessere Möglichkeit wäre natürlich die, dass wir, die Alten von bald, augenblicklich auf die Straße gehen und dafür sorgen, dass es so schlimm nicht kommen wird.
"MIR, die nicht mehr so weit davon entfernt ist, wäre da ein kleiner Vorrat an geeigneten Mittel zum eigenverantwortlichen Schlussmachen eine echte Beruhigung." (ZE)
Also ehrlich, Tante Polly!!!!
Für Dich folgendes Kästner-Gedicht:
Warnung vor Selbstmord
Diesen Rat will ich dir geben:
Wenn du zur Pistole greifst
und den Kopf hinhältst und kneifst,
kannst du was von mir erleben.
Weißt wohl wieder mal geläufig,
was die Professoren lehren?
Dass die Guten selten wären
und die Schweinehunde häufig?
Ist die Walze wieder dran,
dass es Arme gibt und Reiche?
Mensch, ich böte deiner Leiche
noch im Sarge Prügel an!
Lass doch deine Neuigkeiten!
Lass doch diesen alten Mist!
Dass die Welt zum Schießen ist,
wird kein Konfirmand bestreiten.
War dein Plan nicht: irgendwie
alle Menschen gut zu machen?
Morgen wirst du drüber lachen.
Aber, bessern kann man sie.
Ja, die Bösen und Beschränkten
sind die Meisten und die Stärkern.
Aber spiel nicht den Gekränkten.
Bleib am Leben, sie zu ärgern!
Ich kenne den Typen nicht. Zwei Möglichkeiten:
1) Dieser Mensch ist ein krankhafter Wichtigtuer.
2) Es handelt sich um einen ernsthaften, weitsichtigen Zeitgenossen, der durch satirische Überspitzung die schon jetzt zu beobachtende weitgehende Einteilung von Menschen in "nützlich" und "unnütz" anprangern will. Wobei sich die "Nützlichkeit" natürlich ausschließlich auf die finanzielle Verwertbarkeit stützt.
Korrektur
Muss natürlich "Uns, die wir noch nicht davon betroffen sind, wird es..." heißen.
So ist das, wenn man die Sätze beim Schreiben dauernd wieder umstellt.
es am besten gleich bei sich selbst versuchen. Na denn Prost zu Martinin und Orden!
Paging