Everett ist ein grumpy young man, ein misanthropischer Einzelgänger, aber er findet in seiner merkwürdigen Kindheit, umgeben von spießigen CIA-Familien, plötzlich, überraschend, ebenso betörend schöne Momente wie in der totalen Einsamkeit am Anfang seiner Karriere, jahrelang demütigende Jobs und abends, nachts, an den Wochenenden, das Komponieren, ein manisches Anrennen, ein Graben durch den Schmerztunnel, das ihn als Einziges am Leben hält.

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Das Buch endet mit der Beschreibung, wie unangenehm es ihm ist, wenn er beim Arzt das Anmeldeformular ausfüllen muss, weil er nicht weiß, was er eintragen soll in der Spalte Im Notfall zu kontaktieren. "Keine Familie zu haben ist das einsamste Gefühl. Feiertage sind einfach ekelhaft, ich tu immer so, als fänden sie nicht statt. Wenn ich morgen sterben würde, könnte man auf meinen Grabstein schreiben: ,Merkwürdigerweise betitelte Everett, der zum Zeitpunkt seines Todes keine Kinder hatte, ganz zu schweigen von Enkelkindern, seine Autobiographie 'Dinge, die die Enkel wissen sollten.' "

Akustisches Pendant zum Bart

Womit wir endlich bei Everetts Musik wären. "Things The Grandchildren Should Know" ist nicht nur der Titel seiner Autobiographie sondern auch der letzte Song auf seinem großen Album "Blinking Lights", an dem er sieben Jahre gearbeitet hat. Und dieses Album, das ist nun das Wunder an Everett, ist, genau wie seine Autobiographie, am Ende eine Hymne an das Leben, gerade weil sie sich so am Schmerz abarbeiten.

Ja, "Blinking Lights" ist eines dieser Kunstwerke, die wie ein Schlag auf den Kopf wirken, als würden sie einem jäh das ganze Leben von außen zeigen, schau doch endlich hin, bevor es vorbei ist. Oder wie er es in dem Song "Hey Man" mit dieser aggressiven Stimme, die das akustische Pendant ist zu seinem filzig-struwweligen Bart, selbst ausdrückt: "Do you know what it's like to fall on the floor / And cry your guts out 'til you got no more/ Hey man now you're really living."

Man kann dieses Lied jetzt neu hören. Beziehungsweise dabei zuschauen, wie Everett es singt: Parallel zu seiner Autobiographie hat Everett zwei Doppel-CDs herausgebracht, "Meet The Eels". und "Useless Trinkets" (beide bei Geffen erschienen). Das erste ist eine Art Best of Eels, von ihm selbst zusammengestellt, inklusive Video-DVD.

Das zweite, das man mit "Nutzlose Wertlosigkeiten" übersetzen könnte, enthält 50 Auskopplungen, B-Seiten, Neuinterpretationen, Remixes und es zeigt, was für ein fulminant vielseitiger Musiker Everett ist, teils hat er alte Songs alleine nochmal aufgenommen, teils mit Freunden neu interpretiert, und so ziehen die fünf wichtigsten Alben nochmal in komprimierter Form an einem vorüber.

In mehreren parallelen Klanguniversen

Er sagt in seiner Biographie, dass er in theoretischer Hinsicht keinen Schimmer davon habe, was es mit den Paralleluniversen seines Vaters auf sich habe. Rein praktisch aber, das merkt man beim Hören der "Useless Trinkets" nochmal, ist Mark Oliver Everett seit vielen Jahren in mehreren parallelen Klanguniversen unterwegs.

So komponierte er zeitgleich die Stücke des lauten, rockgeschrubbten Albums "Souljacker", der melancholischen "Daisies of the Galaxy" und einige Songs des Gesamtkunstwerks "Blinking Lights". Und warum, so fragt er sich auf der letzten Seite seines Buches, "warum, wenn ich doch so ein ausgesprochener Atheist bin, erwische ich mich immer wieder dabei, wie ich im Hinterhof sitze, in den Nachthimmel schaue und mit Mom, Liz und Dad spreche?"

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(SZ vom 11.3.2008/ihe)