Auszeichnung des "Time"-Magazins Maler des Merkel-Covers: "Künstlerisch frustrierend"

Das Time-Magazin macht Angela Merkel zur "Person of the Year", dafür, "dass sie ihrem Land mehr abverlangt hat, als es die meisten Politiker wagen würden".

(Foto: REUTERS)

Colin Davidson hat Angela Merkel für das "Time"-Titelblatt in Öl gemalt. Beim Mann auf Platz zwei hätte er abgelehnt.

Interview von Martin Zips

Das US-Magazin Time hat Bundeskanzlerin Angela Merkel zur "Persönlichkeit des Jahres" gewählt. Merkel habe sich den Titel durch ihre Reaktion auf die Griechenlandkrise, die Flüchtlingskrise und die Bedrohung durch die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) verdient, hieß es. Die Time-Redaktion würdigt seit 1927 einflussreiche Persönlichkeiten. Als Deutsche wurden vor ihr die Bundeskanzler Konrad Adenauer (1953) und Willy Brandt (1970) gewählt.

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Merkel erhalte den Titel dafür, "dass sie ihrem Land mehr abverlangt hat, als es die meisten Politiker wagen würden, für ihren Einsatz gegen Tyrannei und Opportunismus und für ihre standhafte moralische Führung in einer Welt, in der es an einer solchen mangelt", begründete Chefredakteurin Nancy Gibbs die Entscheidung. Geschaffen hat das als Time-Titel mehr als fünf Millionen mal gedruckte Porträt der irische Maler Colin Davidson, 47.

SZ: Mister Davidson, wie kamen Sie zu dem Auftrag?

Colin Davidson: Vor einigen Monaten hatte mich der Kreativdirektor des Magazins gebeten, die Kanzlerin zu malen. Damals wusste ich natürlich noch nicht, dass sie mal als Persönlichkeit des Jahres mit meinem Porträt auf der Titelseite landet.

Wie sind Sie beim Malen vorgegangen?

Normalerweise bestehe ich darauf, dass die von mir porträtierten Personen viel Zeit mit mir in Belfast verbringen. Ich möchte die ja kennenlernen. Mit Brad Pitt traf ich mich über einen längeren Zeitraum immer wieder. Das ging bei Merkel nicht, was künstlerisch frustrierend war.

Also haben Sie Fotos genommen?

Ja, und auch mit einem Gesichts-Double in meinem Atelier gearbeitet, um die Schatten und den 3-D-Effekt gut hinzubekommen. Was man beim Betrachten meines Bildes in jedem Fall spüren sollte, ist, dass ich die Kanzlerin wegen ihres Mitgefühls, ihrer Würde und ihrer Menschlichkeit sehr schätze. Auch mein Land diskutiert ja gerade, wie viele syrische Flüchtlinge es aufnehmen soll.

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In Deutschland musste Merkel auch viel Kritik einstecken.

Wegen "Wir schaffen das"? Ich habe das mitbekommen. Der Satz zeigt meines Erachtens nur ihre besonders humanitäre Einstellung. Mitgefühl ist etwas, das ich sehr schätze. Wissen Sie, ich bin in Belfast aufgewachsen, während der Unruhen. Da habe ich auch Anderes erlebt.

Gleich hinter Merkel landeten Abu Bakr al-Bagdadi, Anführer der IS-Miliz, und der republikanische US-Präsidentschaftsanwärter Donald Trump. Mussten Sie die denn auch malen?

Nein. Ich wurde nur für Merkel angefragt. Dass da auch al-Bagdadi auf der Liste auftaucht, finde ich interessant.

Das Magazin unterscheidet eben nicht zwischen Gut und Böse. Hitler und Stalin wurden auch schon gewählt.

Jedenfalls hätte ich diesen IS-Mann sicher nicht gemalt.

Und was machen Sie jetzt mit dem Bild?

Wenn ich das nur wüsste. Wie alle meiner Porträts ist auch dieses ziemlich groß. 1,27 Meter mal 1,17 Meter. Da braucht man ganz schön Platz an der Wand.

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