Ausstellung der Farah-Diba-Sammlung Dialog mit Bildern

Ein Gradmesser für den Stand der Liberalität: Frauen mit Tschador vor einem Jackson Pollock.

(Foto: Stefan Kornelius)

Nach schier endlosen Verhandlungen sind die Bilder aus der Farah-Diba-Sammlung nicht in Berlin, sondern in Teheran zu sehen. Das entfaltet eine gewaltige politische Wirkung.

Von Stefan Kornelius, Teheran

Nouruz ist ein Fest voller Freude in der iranischen Kultur: ein neues Jahr, Frühlingsanfang, Sonnenwende. Und weil bald gewählt wird in Iran und das Atomabkommen trotz Donald Trump immer noch mehr Hoffnung als Enttäuschung produziert, steht Nouruz in diesem Jahr für ein paar sehr entspannte Ferientage. Man fährt aufs Land oder zur Familie, steht in den üblichen Monster-Staus oder besucht wenigstens die Ahnen auf dem Friedhof im Süden der Stadt.

Zu diesem Gefühl relativer Zuversicht hat - wenigstens bei den aufgeklärten und liberalen Hauptstädtern - auch die Ausstellung beigetragen, die seit nunmehr zwei Wochen im Teheraner Museum für Zeitgenössische Kunst zu sehen ist, und die eine beachtliche Anzahl Neugieriger anzieht. Offizielle Statistiken sind nicht zu bekommen, aber Museumsangestellte erzählen mit stolzer Miene von den stets gut gefüllten Sälen, vor allem an den Nachmittagen.

"Berlin-Rome-Travelers" heißt die Schau, die für fiebrige Erregung in der Kultur- und Politikszene Berlins gesorgt hat, die aber nun zunächst einmal und völlig unerwartet in der iranischen Hauptstadt selbst ihren Dienst versieht als Werkzeug der Völkerverständigung und Symbol der Öffnung.

Bilder für eine neue Zeit

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Man kann bereits diese hübsche Nebenwirkung als Erfolg einer über zwei Jahre verhandelten Kulturkooperation verstehen: Bilder machen Politik - und Bilder in Teheran machen bessere Politik als Bilder in Berlin.

Dies ist die Kurzfassung: Die Sammlung moderner Kunst der Schah-Familie - die bedeutendste außerhalb Europas und der USA - lagert seit der Revolution 1979 im Magazin des Museum für Zeitgenössische Kunst in Teheran und wird so gut wie nicht vorgezeigt. Gerne wird von der Farah-Diba-Sammlung gesprochen, weil es die Schah-Gattin war, die mit unbegrenzten Ressourcen Ikonen moderner Kunst kaufte, auch um ihre eigene Modernität zu belegen.

Im Hintergrund: unendlich viel Politik

2015 fädelte der damalige Außenminister Frank-Walter Steinmeier das Projekt ein: 30 westliche und 30 zeitgenössische iranische Werke sollten auf Reisen gehen, nach Berlin und Rom. Die Verhandlungen zogen sich, Termine wurden mehrfach verschoben, am Ende des vergangenen Jahres platzte die Ausstellung für Berlin wegen der nicht erteilten Ausfuhrgenehmigung. Im Hintergrund: unendlich viel Politik, iranische Machtspiele, sehr viel öffentliches Gequatsche und ein paar Mal zu häufig der Name Farah Diba.

Es ist eine Lektion in Selbstbescheidung, die jeder westliche Besucher empfinden muss, wenn er heute die Sammlung in den eigens für sie gebauten Räumen betrachtet. Wie eine Betonschnecke schrauben sich die Ausstellungssäle in den Untergrund hinein, lediglich die Windtürme ragen ein wenig aus der kleinen Parklandschaft im Herzen Teherans heraus.

Wüstenarchitektur für eine neue Zeit. Die Galerien sind spärlich hergerichtet, Sicherheit ist angesichts der ausgestellten Schätze geradezu frivol abwesend, was den Bildern all den Popkult-Status nimmt, der ihnen im Westen anhaftet. Hier hängen keine Millionen-Schätze, hier hängen Dokumente der geistigen Öffnung eines Landes.

Nur in Iran kann die Sammlung ihre volle Kraft entfalten

Der zweite Blick gilt der gewaltige politische Wirkung. Nur in Iran kann die Sammlung ihre volle Kraft entfalten. Die Bilder legen dem Land und seiner Künstlerszene Zumutungen auf, die ein Museumsbesucher in Berlin nur ahnen kann.

Wer heute mit Galeristen oder anderen Leuten aus der Teheraner Kulturszene spricht, der lernt die eigentliche Botschaft: Für einen Iraner wird hier ein wertvolles Symbol nationalen Kulturstolzes vorgezeigt, ein Zeichen der Freiheit und Offenheit auf eigenem Boden. "Wir können auf einmal sehen, was wir besitzen", sagt eine junge Ausstellungsbesucherin stolz, "das sind unsere Bilder, sie gehören zu uns."