Aber Merkel kehrt ihr christliches Erbe keineswegs heraus. Die einstige DDR-Kirche, aus der sie stammt, erscheint eher als tapfere Diaspora in einer weltpolitischen Sondersituation denn als kulturelles Modell, an das sich anknüpfen ließe. Nur Merkels Nüchternheit, wenn sie nicht aus der Naturwissenschaft kommt, ist irgendwie protestantisch, ihr mangelndes Sendungsbewusstsein nicht. Sie trägt aus Chorälen und Predigten keinerlei gemeinschaftliches Pathos, keinerlei Verkündigung von Kampf und Zuversicht in die politische Arena, nicht einmal in Krisenzeiten.
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Da ist rein gar nichts von "Wach auf, wach auf, du deutsches Land, du hast genug geschlafen!". Und was Merkel gerade mit den Staatsfinanzen treibt, das kann ja nicht gerade protestantisch-demütige Buchführung genannt werden: diese gewagte Wachstumshoffnung braucht vielleicht staunenswertes Gottvertrauen, ist aber doch eher dem politikimmanenten Durchwursteln zuzurechnen.
So ergibt sich ein markantes Gegenüber zur evangelischen Sphäre: während aus der neuen Regierungskoalition hölzerne Zukunftsfloskeln zu vernehmen sind, zeitigen die Reste der Predigtkultur auf der gleichzeitigen Synode in Ulm noch ein höheres rhetorisches Niveau; während in Berlin munter Kinder- und Betreuungsgeld verteilt werden, debattiert die Synode über die Zukunft des Ehrenamts; während in Berlin weitere Schulden gemacht werden, zeigen die kirchlichen Protestanten ihren bereits geübten Umgang mit knappen Kassen.
Die Entleerung des Pfarrhauses aber ist auch beim Gegenüber zu beobachten. Margot Käßmann ist, wie immer mehr Pastoren, geschieden: Das Pfarrhaus verliert seine Funktion als kulturell-pädagogische Keimzelle. Und die neue Chefprotestantin stammt aus der evangelischen Weltverbesserungs-, aus der Kirchentagswelt. Sie wird den tagespolitischen Interventionismus ihrer Kirche fortsetzen und den Eigengehalt religiöser Rede in Talkshows zugunsten von sozialer Zeitgenossenschaft kaschieren. Zwar betont sie jetzt stärker das Geistlich-Pastorale, aber das wirkt eher wie eine Legitimation, ja eine Kompensation des politischen Engagements. Margot Käßmann und Angela Merkel, so scheint es, werden sich gut verstehen.
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(SZ vom 29.10.2009/iko)
Venizelos kritisiert IWF-Chefin
Welche Lobhuddelei für die Neoliberale.
Bischen Obijektivität und kritische Betrachtungsweise würde einem
Zeilen-Schreiber durchaus gut zu Gesichte stehen.
Oder sind alle auf dem Main-Stream-Trip.?
Befinden wir uns etwa auf dem Weg die Realitäten zu verneinen ?
Gegen wir dem Nihilsmus ungehemmt entgegen ?
Frau Merkel in einem Atemzug mit Frau Käßmann zu nennen, ist eine Beleidigung für Frau Käsmann.
Wenn jemandaus dem Pfarrhaus in die Politik wechselt, ist das wirklich von Vorteil?
Wenn ja, für wen ?
Frau Käßmann mit Merkel zu vergleichen geht doch so gar nicht. Dazu sind ihre Betätigungsfelder zu unterschiedlich. Die Kirche ist doch von nichts weiter entfernt als von aktiver Einwirkung auf die Politik. Ihre Mahnungen verhallen doch ungehört.
Das Christliche, das Parteien in Deutschland in ihrem Namen führen, ist doch nur Schamschürzchen, so wie es das Sozialistische im Namen der grössten DDR-Partei war.
"Sie wird den tagespolitischen Interventionismus ihrer Kirche fortsetzen..."
Frau Käßmann soll sich bitte schön um ihre Schäfchen kümmern und die Politik denen überlassen, die dafür gewählt wurden.
Im Pfarrhaus wird der Atheist meinen, wird schlecht erzogen. Aber immerhin, es wird erzogen. Das reicht heutzutage dann für's Leben aus, um im Vergleich zu bestehen.
Paging