Von S. Speicher

Der Berliner Aufbau-Verlag gehört nun Matthias Koch - zur programmatischen Ausrichtung gibt er sich noch zurückhaltend.

Der Berliner Aufbau-Verlag hat wieder eine Zukunft. Welche es ist, das lässt sich aber noch nicht sagen. Denn die bis dato Verfügungsberechtigten, der alte Verleger Bernd Lunkewitz und der Insolvenzverwalter Joachim Voigt-Salus als Vertreter der Gläubiger haben den Verlag an den Kaufmann Matthias Koch verkauft, der im Verlagsgeschäft noch nicht sichtbar hervorgetreten ist.

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Matthias Koch: Bisher im Immobiliengeschäft tätig, doch es zog ihn in die "Kreativbranche". (© Foto: dpa)

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Koch, soviel kann man nach einer kleinen Pressekonferenz in der Kanzlei des Insolvenzverwalters sagen, ist ein nicht dicker, aber schwerer Mann mit wuchtigem Schädel. 1943 in Dresden geboren, hat er Germanistik und Romanistik studiert und als Lehrer für Deutsch und Französisch an einem Duisburger Gymnasium und einer Gesamtschule in Mühlheim/Ruhr unterrichtet. Wie er selbst mitteilt, hat er seine Anteile an einem Familienunternehmen verkauft und investiert mit seiner Familie die Erlöse nun in Berlin, wo er inzwischen auch wohnt.

Bisher war er wohl vor allem im Immobiliengeschäft tätig, doch es zog ihn in die "Kreativbranche", so kamen er und Aufbau zusammen.

Millionenschwere Investitionsmittel stehen bereit

Vom "Kreativen" war auf der Pressekonferenz des öfteren die Rede. So wird der Verlag aus dem Gebäude am Hackeschen Markt in Berlin Mitte in die "autonome kreative Republik Kreuzberg" umziehen, in das Bechstein-Haus am Moritzplatz.

Den betont ungewinnenden Waschbeton-Klotz mit bronzierten Scheiben will Koch umbauen, um dort ein "Kreativ-Kaufhaus" zu ermöglichen; dabei wird er sich mit der Firma "modulor. material total" zusammentun, die mit Zeichen-, Graphik- und Präsentationsbedarf sowie Materialien für professionellen Modellbau handelt.

Die Finanzkrise, so erklärte Koch, störe seine Pläne nicht, er finanziere alle Investitionen zunächst aus dem Eigenkapital, erst später ersetze er einen Teil davon durch Kredite, um mit den freigewordenen Mitteln neue Geschäfte zu beginnen.

Die Summen, die die Geschäftsführer des Aufbau-Verlags für die Fortführung des Geschäfts für nötig halten, zwei bis drei Millionen Euro, stehen bereit, davon hat sich der Insolvenzverwalter überzeugt.

Das Personal wird weitgehend übernommen, von den 64 Arbeitsplätzen werden acht wegfallen; weniger als in den Plänen anderer möglicher Investoren.

Zur programmatischen Ausrichtung wollte sich Koch nicht äußern, diese Enthüllungen sollen einer Pressekonferenz auf der Buchmesse vorbehalten bleiben.

Rechtsfragen geklärt

Koch gab aber zu verstehen, dass er die Tradition des Hauses schätzt, namentlich die antifaschistische und die Exil-Literatur und die der DDR; auch die Bücher Gabriele Wohmanns hob er hervor. Im übrigen gab er sich zurückhaltend. "Verleger muss ich erst noch werden."

Den größten Wert legen alle Beteiligten darauf, dass nun zum ersten Mal in der Geschichte des Aufbau-Verlags seit 1990 die Rechtsfragen geklärt seien.

Der Verlag mit allen erdenklichen Rechten sei an Koch, genauer: an eine von diesem gründeten Gesellschaft verkauft worden. Um dies und damit das Weiterbestehen Aufbaus zu ermöglichen, hatten sich Lunkewitz und der Insolvenzverwalter über die offenen Rechtsfragen verglichen.

Der Verkaufserlös, über den Stillschweigen bewahrt wurde, wird nach einem gleichfalls geheimen Schlüssel auf Lunkewitz und die Gläubigergemeinschaft aufgeteilt.

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(SZ vom 15.10.2008/pak)