Noch einmal, ein letztes Mal, hatte Sabine Christiansen der Berliner Republik eine Bühne bereitet. Noch einmal war sie die Spinne im Netz der Hauptstadt, bot sie ein Gewebe für die Schlagwortführer des Gewerbes. Zuvor schon hatte die Bundeskanzlerin höchstselbst zum Finale kondoliert und befunden: "Auch wenn mancher es nicht so gern zugegeben möchte, aber wer mitreden und informiert sein wollte, der musste am Sonntagabend ganz einfach mal bei Christiansen reinschalten". Wahrscheinlich hatte Horst Köhler das zweimal gelesen.
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Zwei Freidemokraten vorn
Zugegeben werden muss, dass Merkels goldener Satz am Sonntag in einer Zeitung von Friede Springer erschien, die sich mit Sabine Christiansen seinerzeit im Herbst 2005 auf der Bühne des Bundestags sehr gefreut hatte, als Angela Merkel zur Kanzlerin vereidigt wurde. Zugegeben werden muss auch, dass Frau Merkel in der seit Januar 1998 laufenden Christiansen-Show 23-mal aufgetreten ist - nur die politischen Freischwinger Wolfgang Gerhardt (24-mal) sowie Guido Westerwelle (31-mal) durften sich öfter in ihrem Kameralicht sonnen.
Dass Merkel und Westerwelle einst in einem Wohnzimmer-Pakt erst den umstrittenen Kandidaten Köhler zum Bundespräsidenten ersonnen hatten, passt ins Bild einer schwarz-gelben Koalition, die hier im Fernsehen subtil hochgehalten wurde.
Manche Talkgäste haben sich über die konfuse Fragerei geärgert, doch bei der Aftershow-Party waren sie alle glücklich, als Bier und Wein floss, Häppchen gereicht wurden und Christiansens Hund Futter bekam. Der Kulissenzauber nährte die Illusion, ganz nah am Herz der Macht zu sein.
Dabei war es mit der Blondgranaten-Wirkung der Gastgeberin schon seit einigen Jahren vorbei - spätestens als der WDR-Autor Walter von Rossum 2004 in seinem Buch "Meine Sonntage mit Sabine Christiansen" das substanzlose Debattieren als "Orgie des Geschwätz" dokumentierte und den "Geier der Apokalpyse im Flug" sah. Tatsächlich ging es mehr oder weniger oft darum, ob Deutschland noch zu retten sei und ob sich der "Reformstau" auflöse. Das konnte so verwirren, dass Edmund Stoiber die Moderatorin einmal mit "Frau Merkel" ansprach.
Geiers Sturzflug: Sabine Christiansen war ein letzter Gruß der New Economy, einer Zeit, in der ein Holzkopf mit dem richtigen Aktien-Insidertipp Millionär werden konnte und Internet-Buden richtig viel wert waren, wenn sie nur genug Geld verbrannten. In diese Welt des Talmi war Gerhard Schröder geplatzt, der Kanzler, der von ganz unten kam. Er trug Brioni, rauchte Cohiba und ließ jede Woche ein anderes Thema kreisen. Solch ein Thema drehte dann seine Schleifen am Sonntagabend in der ARD.
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Voreiliges Buch "Der Pott ist dahoam"
Ein Glück das es vorbei ist! Anne Will wird es allerdings nicht besser machen wollen und können. Deutsche lieben halt das Seichte. Was fehlt ist ein Mensch der nicht in dem Raumschiff Medien zu Hause ist, welches sich nur um die eigenen inszenierten Themen dreht.
Macht weiter mit dieser Schmusesendung; denn wenn ich nicht einschlafen kann, wirkte und warscheinlich wirkt, diese Sendung für mich wie eine bessere Schlaftablette.
Die "altersmilde" Frau Christiansen kritisierte in ihrer letzten Sendung die stagnierenden und zurückgehenden Einkommen aus Arbeit und die explodierenden Gewinne, Managergehälter und Wertschöpfungen aus Kapitalerträgen.
Sie weicht den Folgen dieser Entwicklung allerdings aus und lebt fürderhin in Paris.
Das der-Wirtschaft-nach-dem-Mund-reden kam wohl nicht aus dem Innersten dieser Frau sondern war von Sachzwängen gesteuert. Wohl wie in allen Medien - der werfe den ersten Stein!!
Sympathisch war die Auswahl und ihre Reaktion zum Höhepunkt der Sendung: Ditsche, der mit Doppelklebeband seine Nachbarin mit "Merkel-Beinen" den Christiansen'schen -Beinüberschlag nachspielen ließ. Ein absolutes Highlight bei dem nur die laufende Christiansen-Reaktion in einem Split gefehlt hat. Sie hat sich sicher gebogen vor Lachen.
Chapeau Madam!
Schade, SZ. Nachdem Ihr euch jahrelang bemüht an Christiansen abgearbeitet habt, voller Neid ob ihrer Nähe zu den wichtigsten Politikern und ihrer Reichweite ins Land, müsst Ihr euch nun ein neues Hassobjekt suchen. Einziges Kriterium: Fernsehjournalist mit CDU-Bekenntnis.
mit Prof. Falter?
Egal welche Talkshow , egal welcher Politiker es ist trash geworden! Langsam gibt es keine schranken mehr für Politiker. Warum unterscheidet niemand mehr zwischen Amtsträgern und Politikern. Es ist ein Unterscjied , ob ich ein demokratisches Amt innehabe und im Namen sieses Amtes mich äußere oder ob ich Wahlkampf mache. Politiker sind schon lange keine Respektspersonen mehr. Kann mir jemand einen nennen?
im Übrigen: Gibt es irgendwelche Konsequenzen aus dem Gasjob von Putin an schröder ?
Warum meldet sich da keine Aufsicht bei ihm? Bei allen andern stehen die Behörden sofort vor der Tür.
Paging