Zum ersten Mal moderiert Caren Miosga die "Tagesthemen": Wenn es ihr gelingt, das Augenzwinkern auf ihre Stimme und den Inhalt ihrer Texte zu übertragen, wird Kollege Tom Buhrow bald noch blasser aussehen.
Es gibt verschiedene Arten von Fernsehzuschauern. Die einen kleben am Bildschirm und saugen jede Bewegung und jedes Geräusch in sich auf, andere hören nur zu und lesen nebenher ein Buch. Wer zur zweiten Kategorie gehört, hat am Montagabend wenig erlebt. Caren Miosga verkündete die "Tagesthemen", als würde sie eine langweilige Geschichte vorlesen.
Caren Miosga erklärt die Entwicklungen bei Airbus. (© Foto: Screenshot)
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Wer jedoch das Fernsehbild genau betrachtete, konnte mehr erkennen. Da saß Caren Miosga in einem Nadelstreifenanzug - sie hatte vor der Sendung mehrere ausprobiert, weil Nadelstreifen gewöhnlich flimmern -, und ihre Haare waren weniger wuschelig, als man es von ihr gewohnt ist. Dann die Begrüßung: "Guten Abend - Herzlich Willkommen!" Unspektakulär, fast schon langweilig. Wer sich aber die Mühe machte, die Augenpartie von Caren Miosga zu betrachten, der sah, dass sich das rechte Auge während der Begrüßung schloss, als wollte sie dem Zuschauer zuzwinkern: "Ich bin die Neue." Dazu schob sich der rechte Mundwinkel nach oben.
Caren Miosga moderierte zum ersten Mal die "Tagesthemen" und trat damit die Nachfolge von Anne Will an. "Sie müssen sich um uns keine Sorgen machen", sagte sie in einem Interview vor wenigen Wochen auf die Frage, ob sie und Kollege Tom Buhrow nicht zu unerfahren seien, um die "Tagesthemen" zu moderieren. Miosga hat zuvor das Kulturmagazin "titel, thesen, temperamente" sowie die Mediensendung "Zapp" moderiert.
Kein journalistisches Leichtgewicht
Die Novizin begann mit einer doppelten Vorstellung - in eigener und fremder Sache. Sie sei die Neue bei den "Tagesthemen" und Thomas Enders werde zum Jahresende Chef bei Airbus. "Aber nur über Letzteren wollen wir heute Abend reden", sagt Miosga.
Nach der Reportage führt die Debütantin ein Interview mit Enders. "Wieviel haben Sie noch zu sagen?", fragt Miosga. Als Enders ausweicht und vom grandiosen Airbus-Tag schwärmt, hakt sie nach: "Nochmal: Wie sind die Machtverhältnisse?" Als Enders sich abermals vor einer klaren Antwort drückt, fragt Miosga ein drittes Mal, ein wenig später provoziert sie Enders gar: "Würde Airbus ohne den politischen Einfluss besser dastehen?" Mit dieser Frage kitzelt sie aus Enders das Geständnis heraus, dass Fehler im Management gemacht wurden. Aber das hat der Manager wiederholt schon gesagt.
Wenn Enders geglaubt hatte, die Fragen von einem journalistischen Leichtgewicht (Miosga: "Ich moderiere nun auch nicht erst seit gestern") gestellt zu bekommen, hatte er sich getäuscht. Das merkte er spätestens bei der letzten Frage. Caren Miosga schob wieder den Mundwinkel nach oben, wieder zwinkerte sie: "Sie sind der fünfte Chef in zwei Jahren. Wie lange werden Sie es aushalten?" Enders war baff und schaffte es gerade noch, erneut die positivste aller möglichen Antworten zu geben.
Der Rest der Sendung ist schnell erzählt. Souverän gibt Miosga an ihren Nachrichtensprecher Marc Bator ab, der die Nachrichten des Tages präsentiert. Sie selbst kann kurz durchschnaufen. Vor wenigen Tagen sagte sie: "Natürlich habe ich Respekt. Aber ich arbeite jetzt seit 15 Jahren als Journalistin. Und selbst wenn ich Ihnen die EU-Verfassung nicht auswendig referieren kann, ich weiß, wie man sie dem Zuschauer vermittelt und einordnet." Das hat sie im ersten Teil geschafft.
Im zweiten Teil der Sendung, als das eher softe Thema "Urlaub auf dem Bauernhof" präsentiert wird, bleibt Miosgas Stimme nachrichtlich. Sie erklärt die Sehnsucht von Großstädtern, das Leben auf dem Land kennenzulernen, so leidenschaftlich, als würde sie die Börsenzahlen vorlesen. Keine Ironie, kein Sarkasmus. Aber gut, einen Spruch Wickertscher Güte kann man in der ersten Sendung wahrlich nicht erwarten. Und für die ärgerliche, gar nicht mehr schleichende ARD-Werbung in eigener Sache ("Die Tagesschau aufs Handy") kann sie nun wirklich nichts.
Man freut sich lieber, dass sich die seriös angezogene, etwas brav gekämmte Frau am Ende der Sendung einen kleinen Versprecher leistet. Sonst wäre es wirklich allzu perfekt gewesen.
Wenn es Caren Miosga gelingt, das Augenzwinkern ihrer Mimik auf ihre Stimme und den Inhalt ihrer Texte zu übertragen, wird Tom Buhrow bald noch blasser aussehen. Caren Miosga kann der Farbtupfer der "Tagesthemen" werden.
In seinem Roman „Canale Mussolini“ erzählt Antonio Pennachi von der Trockenlegung der pontinischen Sümpfe im italienischen Faschismus. Jetzt lesen ...
(sueddeutsche.de)
67. Jahrestag der Bombardierung
Dass Frau Miosga hart zupacken kann, bewies sie bereits im Gespräch mit hochkarätigen, teils umstrittenen Gästen beim allwöchentlichen Medienmagazin "Zapp" (NDR). Warum sollte Tom Buhrow neben Miosga verblassen, etwa wegen seines hellen Teints? Buhrow macht seine Arbeit ausgezeichnet, er agiert hochprofessionell und ist überaus sympathisch. Im Vergleich zu den ewigen Versprechern und Konzentrationsmängeln seines Vorgängers ein echter Gewinn für die Sendung. Aber lassen wir ihn erst mal zehn Jahre gewähren - dann ist Buhrow längst zur unangefochtenen Institution geworden und niemand will mehr auf den Anchorman verzichten. Die absolut unangebrachte Kritik an Buhrow hängt wahrscheinlich mit dem ungeheuren Gewöhnungseffekt zusammen, den 15 Jahre Wickert hinterlassen haben. Naja, bei Hajo Friedrichs war's nicht anders.
Lieber SZ-Leser darf ich fragen was sie auf der Internetseite einer Redaktion liberal-sozialer Coleur machen? Gibt es hier etwa Nachrichten aus 1. Hand, objektiv, jungfräulich und unaufbereitet zur eigenen Meinungsbildung also bestens geeignet? Natürlich nicht. Und das ist auch gut so. Denn die Vielfalt neuer Medien ist trügerisch. Wer verbirgt sich hinter den ins Netz gestellten Nachrichten? Das ist nicht immer eindeutig herauszulesen. Diese Recherche kann Zeit kosten. Zeit die ich leider nicht habe. Deshalb greife ich gerne auf aufbereitete Nachrichten zurück. Ich gebe zu, ich gehe bei der Auswahl nach meinem persönlichen Vorlieben vor, d.h. SZ und nicht Welt, Tagesthemen und nicht Pro7 News etc. Und - Asche auf mein Haupt - ich vergleiche nicht verschiedene Quellen miteinander, arbeite das kleinste gemeinsame Vielfache heraus um mir dann eine eigene Meinung bilden zu können. Aber vielleicht in meinem nächsten Leben: als Philosphiestudent, eingeschrieben im 35. Semester ;-)
Ich empfinde als zunehmend überholt, überhaupt diese Sendungen wie Tagesschau, Tagesthemen, heute usw. selbst noch als Gegenstand von Nachrichten zu behandeln.
Nach meinem Eindruck werden diese Sendungen - zumindest aus Sicht der vielen, die das Internet und die sonstige Medienvielfalt nutzen - gerade für eine anspruchsvolle, politisch interessierte Information und Meinungsbildung immer unbedeutender. Vor allem verlieren sie - was zu begrüßen ist - ihren Nimbus als quasi staatlich/gesellschaftliche Institutionen. (Was in der Vergangenheit zu solchen Absurditäten beitragen konnte wie einer - versuchten - Wandlungen eines besseren Tagesthemen-Sprechers zu einem Moral-Autor oder Literaturexperten und was ansonsten eine - milde, aber dennoch unschöne - Form der Staatshörigkeit des deutsch Fernsehpublikums war.)
Während es noch vor 10 Jahren zu einer anspruchsvoll-interessierten Selbstinformation über das, was in der Politik und sonst in der Welt vorgeht, gehörte, diese Sendungen zu sehen, tue ich das heute eigentlich gar nicht mehr. Die Informations- und Meinungsvielfalt und die Aktualität im Internet ermöglichen es ja, sich vielseitiger, gezielter und schneller zu informieren.
Wenn man doch mal Tagesthemen usw. sieht, erscheinen sie mir vor allem als langweilig-langsam und angesichts der sonst gewohnten Vielfalt und eigenen Meinungsbildung immer wieder politisch und in der Bewertung einseitig. Und wen interessieren schon die "Moderatoren" und deren eigene Meinungen und Standpunkte, die sie bloß als (letztlich irrelevante) Beobachter abgeben und die immer wieder durchscheinen - wo heute jeder Interessierte selbst Beobachter der Geschehnisse aus erster Hand sein kann?
ich weiß ja, dass buhrow-bashing schon normal geworden ist für die journaille. aber warum? weil er nicht so ironisch zwinkert wie will? oder nicht so lange haare hat, wie miosga sie bekommen soll?
nene, leute, jetzt mal butter bei die fische: worüber reden wir? über die tagesthemen! in einem meer an entertainment mit allenfalls seichter unterhaltung sollen nun also auch "news" gemacht statt nachrichten aufbereitet werden?
die tagesthemen sind für mich eines der letzten top-formate in unserem land. gerade die tatsache, dass die nachricht (und deren höchstqualifizierte aufbereitung) zuerst einmal sachlich richtig sein sollte, spricht dafür, dass die "anchormen" und "-women" dies nicht vortanzen, sondern vorlesen. gewisse nuancierungen bei der präsentation sind das, was die tagesthemen ausmacht - aber wichtig ist, dass jede nuancierung ihre eigene berechtigung hat. dennoch: das gesprochene wort ist wichtiger als die mimik. und wenn man von tom buhrow sagen kann, dass er genau das beherzigt, macht er den perfekten job. und vergessen wir bitte nicht, dass die moderatoren auch die journalistische arbeit im team mitmachen. wer würde die qualität buhrows darin bezweifeln?
deshalb: schön, dass es miosga gibt, und schön, dass es buhrow gibt. beide zusammen sind ein starkes paar.
Die Lady war sehr gut.
Sie hatte zwar in ihrem letzten Satz einen Versprecher, aber sowas ist verzeihlich.
Ich würde mir wünschen, dass sie ihr Haar etwas länger trägt. Auch wäre es schön, wenn sie ab und zu mal winken würde. Aber das darf sie wohl nicht :-).
Was Buhrow betrifft:
Er wirkte in seinen ersten Sendungen wie jemand, der Börsenkurse vorliest.
Seit kurzer Zeit versucht er sich darin, lustig und heiter rüberzukommen. Das geht regelmäßig in die Hose, weil zu gekünstelt.
Buhrow muss sich ändern, sonst bleibt neben Miosga nur noch ein "Buuuuuuuuuhhhhh".