Architektur von Stuttgart 21 Spiegelung der Trostlosigkeit

Ganz anders ist zu beurteilen, was auf den riesigen freiwerdenden Bahnflächen zwischen Hauptbahnhof und Rosensteinpark und auf dem Rangiergelände am Nordbahnhof geplant ist, wenn der gesamte Bahnverkehr in ein kompliziertes System von Tunneln verbannt ist. In den ersten Simulationen nach der Erarbeitung des Grundkonzepts hat sich die Bahn noch eine üppige Maximalbebauung des wertvollen Grundes erträumt. Direkt hinter dem tiefliegenden Querriegel des neuen Hauptbahnhof sollte sich das klotzige "Europaviertel" erheben, eine Massierung austauschbarer Bürohochhäuser, die sich unversöhnlich hart am gesamten Mittleren Schlossgarten entlanggezogen hätte.

Landschaftsschutz vs. Investoreninteressen

Höchst spekulativ wäre es mit "höherwertigem Wohnen" in pompösen Stadthäusern entlang dem Unteren Schlossgarten im geplanten "Rosensteinviertel" und im Nordbahnhofviertel weiter gegangen. Doch inzwischen hat die Stadt das gesamte Spekulationsgelände erworben; und seither wird wenigstens an einigen Stellen der Versuch gemacht, die privaten Interessen der herbeigelockten Investoren mit den öffentlichen Interessen des Landschaftsschutzes zu versöhnen.

Im Europaviertel setzt die Stadt zwar, wie unsere Abbildung aus der Ausstellung im Rathaus zeigt, noch ganz auf maximalen Ertrag. Die Bauverantwortlichen der Stadt scheinen also damit einverstanden zu sein, dass die architektonischen Trostlosigkeiten, die sich nach dem Krieg vor dem Hauptbahnhof angesammelt haben, quasi gespiegelt hinter dem Bahnhof wiederkehren. Doch weiter draußen wagen sie nicht mehr so dreist gegen die umgebende Parklandschaft vorzugehen.

Dass die Geländestufe zwischen dem Schlossgarten und dem Bahngelände künftig eingeebnet werden könnte, ist durchaus verlockend, doch wenn man sich vorstellt, dass sich an dieser Kante eine ähnliche Unzahl banalster Spekulationsobjekte erhebt wie neuerdings entlang der Einfahrt in den Münchner Hauptbahnhof, dann wünscht man sich sofort die Brückenbauten zurück, auf denen die Züge derzeit in den Stuttgarter Hauptbahnhof einlaufen.

Zunächst muss sich Stuttgart auf die schrecklichste Baustelle seiner Geschichte einstellen. Wenn am Bahnhof demnächst die Bahnsteige provisorisch ins weichendurchsetzte Gleisvorfeld hinausgeschoben werden und die Fahrgäste 100 Meter lange Notbrücken überqueren müssen, dürften, zumindest was den öffentlichen Frust angeht, neue Maßstäbe gesetzt werden.

"Rambo zeigt sein Gesicht"

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