Einige Mitarbeiter hat das ein bisschen enttäuscht. "Die Praktikanten haben sich das am Set ganz anders vorgestellt. Die haben gedacht, wir lachen uns da den ganzen Tag nur kaputt. Wir arbeiten aber, das ist total ernst da", sagt sie und schwärmt von ihrem neuen Spielpartner Charlie Hübner. Der habe am Schluss der Dreharbeiten tatsächlich gesagt, er habe etwas gelernt am Set von Ladykracher. "Charlie Hübner ist eine Sensation", schwärmt sie und wirkt, als könnte sie es immer noch nicht glauben, dass jemand ausgerechnet von ihr etwas lernen kann. "Da kommen Theaterleute, die mal ein anderes Timing, die Straße und Leben spielen wollen. Die wollen alle bei uns mitmachen."

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Dem Affen Zucker

Natürlich gibt sie zwischendrin mal dem Affen Zucker. Da kommt ihre Kunstfigur Ruth, die mit den langen Flechtzöpfen, dem Hippieoutfit und der extrem gedehnten Sprache, zu Wort und schwärmt im besten Ökotrinendeutsch davon, wie prima das bei ihrem Freund mit der Penisverpflanzung geklappt hat. "Ich möchte zwischendurch auch mal einen Schock", sagt Engelke. "Läppisch ist genug Anderes, läppisch will ich nicht. Das sollen andere machen." Sie steht dazu, ihr geht es um die Haltung. "Wenn die Spielfreude da ist, wenn dem Schauspieler bei jedem Wort und in jeder Sekunde bewusst ist, was er da macht, dann bin ich absolut zu haben für puren Quatsch. Mir ist die Ernsthaftigkeit im Spiel ungeheuer wichtig." Viele Menschen, die dieser Tage mit ihr reden, fragen sie, warum sie so lange weg vom Fenster war. Dann wundert sich Engelke oft sehr, weil sie das gar nicht so empfunden hat. "Ich bin eigentlich ständig irgendwo auf Sendung, aber keiner kriegt es mit", sagt sie und nennt den Zustand "so ein Nischendasein."

Arbeit hat sie genug. Sie synchronisiert Mutter Marge bei den Simpsons, sie hat mit Bastian Pastewka die für den Fernsehpreis nominierte Ausnahmeshow Fröhliche Weihnachten aufgezeichnet, wovon es auch in diesem Jahr wieder eine Ausgabe geben wird. Sie tritt in der ARD regelmäßig im Kinderprogramm beim kleinen blauen Elefanten auf und lebt dort ihre pädagogische Seite aus. Dann hat sie im Spielfilm Lippels Traum die böse Haushälterin gespielt, worauf sie stolz ist. Diesen Stolz leistet sie sich einfach. Er ist leichter zu haben, weil sie beim Kino nur eine von vielen ist und nicht die Rampensau geben muss. Anders als beim Fernsehen. "Bei Ladykracher bin ich das Thema. Das ist das Problem. Da klingt das mit dem Stolz doch gleich so angeberisch", sagt sie und offenbart Zweifel.

Wenn man sie lässt

Irgendwann kommt dann das Gespräch wieder auf den Fernsehpreis und die Frage, wie denn wohl Reich-Ranicki die vierte Staffel von Ladykracher beurteilen würde: "Ich glaube nicht, dass der das gut fände", sagt sie und begründet das auch. "Der versteht die Sprache nicht. Die aktuelle, die moderne Sprache kennt der nicht. Und die ist bei Ladykracher extrem wichtig. Das ist ein sehr zeitgenössisches Format."

Obwohl der Fernsehpreis-Eklat ihre Skepsis gegenüber dem eigenen Tun genährt hat, will sie doch auch am gescholtenen Privatfernsehen festhalten. "So viel Freiheit wie bei Sat 1 hatte ich nirgendwo. Da werde ich gut behandelt, da bleibe ich", sagt sie und offenbart, dass es nach den nun angesetzten elf Folgen Ladykracher durchaus noch mehr geben kann. Wenn man sie nur lässt.

Ladykracher, Sat 1, Freitag, 22.15 Uhr.

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(SZ vom 6.11.2008/rus)