Ist Texas oder Michigan schon erobert, oder müssen die Anstrengungen noch erhöht werden? Exklusiv für Buchautoren bietet Amazon in den USA nun eine Funktion an, die nicht nur die Rangliste eines Buches darstellt, sondern Verkaufszahlen geografisch aufschlüsselt. Der Verkaufserfolg wird so zu einem Schicksal, das herausgefordert werden kann.
In manchen Wörtern stecken ganze Romane. In "Rundumbetreuung" zum Beispiel steckt der Roman einer fürsorglichen Belagerung, die am Objekt ihrer Fürsorge jedes noch unbetreute Fitzelchen so entschlossen in Besitz nimmt wie früher die Entdecker die letzten weißen Flecken auf ihren Landkarten.
Bild vergrößern
Versanddienst Amazon: Wo werden meine Bücher wie oft verkauft? (© vario-images)
Anzeige
Der Internet-Buchhändler Amazon hat in den letzten Jahren erstaunliche Fortschritte nicht nur bei der Rundumbetreuung seiner Kunden, sondern auch bei der Rundumbetreuung der Autoren gemacht.
Sie können sich, in den Vereinigten Staaten, im Programm "Author Central" ein öffentlich einsehbares Konto anlegen, in das sie Videos, Fotos, Blogs und dergleichen einstellen können, damit ihre Bücher nicht ohne Rundumbetreuung alleine auf dem Markt unterwegs sind. Und während sie damit beschäftigt sind, ihr Konto auszubauen, können sie zwischendurch immer mal wieder im allgemeinen Online-Shop nach den Ranking-Zahlen schauen. Denn es ist natürlich sehr ermutigend, von Rang 287.322 auf Rang 287.223 geklettert zu sein. Aber es ist überhaupt nicht ermutigend, bei der Frage, was man dagegen tun kann, wenn man von Rang 287.223 auf Rang 287.322 abgestürzt ist, im Nebel stochern zu müssen.
Darum ist es ein echter Fortschritt in der Rundumbetreuung, dass Autoren in den Vereinigten Staaten sich seit kurzem von Amazon darüber informieren lassen können, wo in der vergangenen Woche ihre Bücher wie oft gekauft wurden. Denn das ist nicht nur für Bestsellerautoren von Vorteil, die nun auf Landkarten, die denen in der Nacht einer Präsidentenwahl nachgebildet sind, verfolgen können, ob sie Texas oder Massachusetts schon erobert haben.
Es ist auch und gerade für Autoren überaus erfreulich, die von Rang 287.322 aus operieren. Sie können nachprüfen, ob die Verwandtschaft in North Dakota ihr Kauf-Versprechen wahr gemacht hat, oder aktiv werden, wenn im Nahbereich um sie herum die Verkaufszahlen zu wünschen übrig lassen. War das Ranking bisher ein eher diffuses Schicksal, so erhält es jetzt ein regionales Profil. Es wird zu einem Schicksal, das man herausfordern kann.
Oder zu einer unerschöpflichen Quelle von Tagträumereien: Wer mögen die zwölf Leute sein, die in Phoenix, Arizona meinen Roman über den Schneesturm in Minnesota geordert haben, welche sieben Aufrechten aus Oregon haben mein Epos über den Bürgerkrieg in South Carolina verschlungen? Von Träumen aber kann man nicht leben. Es wäre der Rundumbetreuung der Leser durch die Autoren sehr dienlich, wenn letztere künftig auch erführen, wer ihr Buch wo gekauft hat.
- Netz-Depeschen Wer bist du und wenn ja, wie viele? 28.03.2011
- Amazon liest mit Was einen anspringt 28.10.2010
- Machtkampf ums E-Book Die Schlacht des Schakals 26.08.2010
- Ein Autor und sein Amazon-Verkaufsrang Platz 5228 16.03.2010
- Amazons E-Book-Reader im Test Das kann der 99-Euro-Kindle 20.11.2011
- Kindle Fire Amazons Ruckel-Tablet erhält durchwachsene Kritiken 14.11.2011
- Kritik an Arbeitsbedingungen bei Amazon Weihnachtselfen im Praktikum 11.11.2011
(SZ vom 17.08.2011/js/pak)
Partyzone Flußufer
Lieber californian63,
vielen Dank für Ihren Hinweis. Wir haben Ihren ersten Kommentar zunächst gesperrt, da es sich nicht um sachliche Kritik, sondern nur um eine Unterstellung handelt. Wir haben ihn nun wieder online gestellt, um darauf Bezug zu nehmen.
Selbstverständlich gehen beide Autoren von der gleichen Meldung aus, bearbeiten diese aber völlig unterschiedlich. In einem solchen Fall von Plagiat zu sprechen ist aus diesem Grund völlig abwegig.
Dennoch möchten wir uns über den Link bedanken, der zeigt, wie die amerikanischen Kollegen mit dem Thema umgehen.
Mit freundlichen Grüßen,
Ihr sueddeutsche.de-Team
vielleicht geht es ja so: Dieser Artikel ist ein direktes Plagiat eines Artikels aus der New York Times.
Tja, Herr Müller, da haben Sie wohl einen Artikel aus der New York Times gelesen (http://www.nytimes.com/2011/08/14/sunday-review/obsessing-over-amazons-book-sale-statistics.html?_r=1&ref=books) und beschlossen, einfach mal so zu tun, als sei das auf ihrem eigenen Mist gewachsen?? Die SZ lässt sich ja gerne mal thematisch von US-Medien "inspirieren", hat aber bis jetzt immerhin noch in den Artikeln auf die Quelle verwiesen. Was Sie hier hingegen machen, ist schlicht und einfach ein Plagiat. Peinlicher geht's nicht mehr!!