Von Susan Vahabzadeh

Robert DeNiro erklärt sich eigentlich nicht gern. In Berlin spricht er aber doch über seinen Film "Der gute Hirte", der zu Zeiten des kalten Krieges spielt: Kann man als Geheimdienstler psychisch überleben? Mit Video.

Wie gegenwärtig sein Wettbewerbsbeitrag "Der gute Hirte" sein würde, hätte sich Robert DeNiro anfangs nicht gedacht - eine Geschichte aus den Jahren des Kalten Kriegs. Er strickt das Porträt eines Agenten zur Gründerzeit der CIA.

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Matt Damon als Geheimagent Edward Wilson in Robert DeNiros Film "The Good Shepherd". (© Foto: AP)

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Edward Wilson (Matt Damon) ist schon ein hohes Tier dort, als er nach Miami fliegt, um die Fäden zu ziehen rund um die Kubakrise. Das Drehbuch stammt von Eric Roth, der zusammen mit Tony Kushner für Spielberg "Munich" geschrieben hat, die Fragestellung - kann man Geheimdienstarbeit leisten und dabei psychisch überleben? - ist ähnlich.

"Vor Deiner Tür steht dieses Stück Dreck"

Rückblenden vollziehen nach, wie Wilson zu dem Mann wurde, der er nun ist - seine Leidenschaft für die Suche nach Wahrheiten ist eigentlich neurotisch, ein Kindheitstrauma, und das bisschen Vertrauen in die anderen, die Fähigkeit zur Nähe, hat ihm der Geheimdienst mit den Jahren endgültig abtrainiert. DeNiro ist großartig darin, Schauspieler zu führen - neben Damon spielen Angelina Jolie, Alec Baldwin, William Hurt, Martina Gedeck, die alle großartige Szenen haben.

In der American Academy hat DeNiro am Morgen nach der Premiere im Wettbewerb mit Volker Schlöndorff über den Film diskutiert, und auch ein wenig von seinen Anfängen erzählt - vom Schaupielunterricht bei Erwin Piscator und wie das dazu führte, dass er 1964 durch Deutschland trampte und am Ende nach Ostberlin fuhr.

Aber ansonsten erklärt er sich, dafür ist er bekannt, nicht gern - Matt Damon war mitgekommen und steuerte ein paar Anekdoten bei, beispielsweise jene, wie DeNiro ihn und Joe Pesci für eine Szene heißmachte, dem einen sagte: "Du triffst auf eine Kakerlake", und dem anderen: "Vor deiner Tür steht plötzlich dieses Stück Dreck".

Und schon schleuderte DeNiros Weggefährte Pesci Damon seine ganze Verachtung entgegen: Wir Italiener haben die Familie und das Essen, die Iren haben ihr Mutterland, und sogar die Neger haben ihre Musik. Was habt ihr eigentlich? "Wir", antwortet Wilson kalt, "haben die Vereinigten Staaten. Ihr andern seid hier bloß zu Gast."

Dies, hat DeNiro in der Academy gesagt, ist für ihn die zentrale Szene, an der Stelle hätte er gern noch ein bisschen tiefer gegraben. Das ist für seine Verhältnisse eine ziemlich präzise Ansage. Natürlich gab es am Ende von den Gästen noch ein paar Fragen, die es gern genauer gewusst hätten - passt ein CIA-Film zu all den Mafia-Geschichten, die der Schauspieler DeNiro gemacht hat?

"Es gibt Ähnlichkeiten, ja." Hat das mit der Rolle der CIA heute zu tun? "Der Film ist das, was Sie darin sehen." Er findet eben, sagte er am Ende, dass man seine politische Meinung als Filmemacher nicht breittreten sollte. "Der politische Ansatz des Films ist alles, was ihr kriegt." "Der gute Hirte" wäre also, frei nach Godard, kein politischer, sondern ein politisch gemachter Film.

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(SZ vom 12.2.2007)