Sexualität ist nicht durch Enzykliken zu kontrollieren. Das ängstigt den Papst so sehr, dass er das Prinzip über Menschennähe setzt: Kondome bleiben des Teufels, geschehe, was wolle.
Der Papst hat recht, auch wenn es notorische Kirchenkritiker noch so ärgert: Der Kampf gegen Aids, eine der Geißeln Afrikas, ist nicht zu gewinnen, indem man möglichst vielen Menschen möglichst viele Kondome in die Hand drückt.
Papst Benedikt XVI. küsst ein Kind. Die Aufnahme entstand im Oktober 2008 in Rom (© Foto: Reuters)
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Aids breitet sich in den armen Ländern aus, weil Männer dort Frauen und besonders Jungfrauen als Beute sehen, weil Frauen nicht gelernt haben, sich gegen diese Männer zu wehren, weil Armut, Mangel an Bildung und tägliche Gewalt dazu führen, dass Sexualität nichts mit Liebe, Partnerschaft oder Verantwortung zu tun hat.
Dass sich dies ändert, daran arbeitet auch die katholische Kirche in Afrika, daran arbeiten die christlichen Hilfswerke, oft in bewundernswerter Weise, und wer das Problem aufs Gummi reduziert, der hat nichts kapiert.
Papsttreue Katholiken haben deswegen keinen Grund zum Triumph: Denn Papst Benedikt XVI. irrt, wenn er am kirchlichen Kondomverbot festhält.
Diskussion mit Häme
Kondome lösen nicht die Probleme Afrikas, aber sie retten Leben. Und dass die vatikanische Anti-Kondom-Politik Leben gefährdet, sagen ganz leise auch Kirchenleute, die den ärmsten Kontinent dieser Welt gut kennen.
Es ist verantwortungslos, naivkatholisch, von Paaren Enthaltsamkeit zu fordern, wenn einer der Partner HIV-infiziert ist. Sexualität ist nicht durch die Verkündung von Enzykliken zu kontrollieren.
Das macht dem Papst so sehr Angst, dass er das Prinzip über die Menschennähe setzt: Kondome bleiben des Teufels, geschehe, was wolle.
Und dann diskutieren alle wieder übers Gummi, empört oder hämisch, und alles, was die katholische Kirche über Liebe, Verantwortung und Partnerschaft zu sagen hätte, geht unter.
Auch eine Form der Sexualfixierung.
(SZ vom 18. März 2009/odg)
Konsequenz der Loveparade-Katastrophe
.. der meiner Auffassung nach die ganze Kruzifix der katholischen Kirche mit wenigen Worten deutlich beschreibt. Auch möchte ich hier gerne des Papstes Advokat spielen, da er ja anscheinend nicht besonders viele Medienvertreter, Politiker, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens oder sonstige Leute hat, die sich bemühen, seine Ausführungen aus spiritueller und reliogiöser Sicht zu verstehen.
Das ausgeuferter Aids-Problem als auch die gegenwärtige wirtschaftliche Krise sei Folge eines Ethikdefizits, sagte der Papst. Ein jeder, der mit einem gewissen Abstand, ob gläubig oder nicht, intensiver darüber nachdenkt, kann Benedikt XVI nur zustimmen. Diese Feststellung alleine löst aber natürlich nicht alle Probleme in der Welt. Die Einsicht in einem grössern Teil der Weltbevölkerung, dass sich moralische Werte nicht unbedingt überall positiv entwickelt haben in den letzten Jahrzehnten allerdings ein unverzichtbares Gerüst für eine jede Zivilsation und das humane Zusammenleben darstellen, könnte aber der Beginn eines Umdenkens sein.
Zu recht erregt sich die Öffentlichkeit über die Nachlässigkeit von Herrn Kretschmer, der durch mangelnde Sicherheit bei der Aufbewahrung seiner Waffe den Amoklauf seines Sohnes ermöglicht hat.
Zu recht wird dieses Verhalten von deutschen Gerichten untersucht und möglicherweise als fahrlässige Tötung geahndet werden.
Wenn nun Herr Ratzinger durch seine Äußerungen den Gebrauch von Kondomen verhindert und damit AIDS-Infektionen (in Afrika fast immer tödlich) begünstigt, ist dies qualitativ nicht vergleichbar? Die Zahl der Opfer könnte in diesem Fall weitaus höher liegen, wobei natürlich die Kausalität im Einzelfall schwer nachweisbar sein wird (was aber Herrn Ratzinger nicht entlasten sollte). Oder müsste man hier nicht sogar von Vorsatz ausgehen, denn im Gegensatz zu Herrn Kretschmer sollte Herr Ratzinger die Folgen seiner Handlung recht genau abschätzen können?
Unklar, ob dies ein Thema für die deutsche Justiz wäre. Die Opfer befinden sich vorwiegend im Ausland, doch besitzt Herr Ratzinger meines Wissens weiterhin die deutsche Staatsbürgerschaft. Als ebenfalls deutscher Staatsbürger finde ich es äußerst bedenklich, wenn mutwillige Äußerungen mit Todesfolge ohne jegliche juristische Untersuchung einfach hingenommen werden.
Zitat:"Der Papst hat recht, auch wenn es notorische Kirchenkritiker noch so ärgert: Der Kampf gegen Aids, eine der Geißeln Afrikas, ist nicht zu gewinnen, indem man möglichst vielen Menschen möglichst viele Kondome in die Hand drückt."
Natürlich hat er damit recht. Denn es gehört auch die nötige Sexualaufklärung dazu die den Menschen klar macht wozu die komischen "Luftballons" gut sind. Aber gerade Sexualaufklärung fürchtet die katholische Kirche fast noch mehr als Kondome. Und deshalb findet sie in den kirchlichen Sozial- und sonstigen Stationen in Afrika auch nicht statt.
Zitat:"Aids breitet sich in den armen Ländern aus, weil Männer dort Frauen und besonders Jungfrauen als Beute sehen, weil Frauen nicht gelernt haben, sich gegen diese Männer zu wehren, weil Armut, Mangel an Bildung und tägliche Gewalt dazu führen, dass Sexualität nichts mit Liebe, Partnerschaft oder Verantwortung zu tun hat."
Selten stelle ich mir bei Autoren, die ihren Vornamen abkürzen, die Frage, ob dieser Artikel von einem Autor oder Autorin geschrieben wurde. Wirklich. In diesen Äusserungen schwingen aber auch so viele Vorurteile gegenüber Afrika und seinen unterschiedlichen Gesellschaftsformen mit, dass die Beantwortung dieser Frage schon interessant wäre.
Zitat:"Dass sich dies ändert, daran arbeitet auch die katholische Kirche in Afrika, daran arbeiten die christlichen Hilfswerke, oft in bewundernswerter Weise,... "
Eben das stimmt nicht. Die Katholischen Hilfswerke versuchen immer noch die Afrikaner zu missionieren. Ihnen eine Lebensweis auf zu oktroyieren die weder ihrer Kultur noch ihrem Moralverständnis entspricht. Das Ergebnis ist ein Haufen treuer Kirchgänger die beim ersten Wehwehchen dann doch zum Hexendoktor rennen.
Dieser Artikel hinterlässt den Eindruck wie tiefer Zerrissenheit zwischen Treue zur Kirche und Verzeiflung über die Rückständigkeit ihres Oberhauptes.