Aids, Kondome und der Papst Der Gummi-Paragraph

Sexualität ist nicht durch Enzykliken zu kontrollieren. Das ängstigt den Papst so sehr, dass er das Prinzip über Menschennähe setzt: Kondome bleiben des Teufels, geschehe, was wolle.

Ein Kommentar von M. Drobinski

Der Papst hat recht, auch wenn es notorische Kirchenkritiker noch so ärgert: Der Kampf gegen Aids, eine der Geißeln Afrikas, ist nicht zu gewinnen, indem man möglichst vielen Menschen möglichst viele Kondome in die Hand drückt.

Aids breitet sich in den armen Ländern aus, weil Männer dort Frauen und besonders Jungfrauen als Beute sehen, weil Frauen nicht gelernt haben, sich gegen diese Männer zu wehren, weil Armut, Mangel an Bildung und tägliche Gewalt dazu führen, dass Sexualität nichts mit Liebe, Partnerschaft oder Verantwortung zu tun hat.

Dass sich dies ändert, daran arbeitet auch die katholische Kirche in Afrika, daran arbeiten die christlichen Hilfswerke, oft in bewundernswerter Weise, und wer das Problem aufs Gummi reduziert, der hat nichts kapiert.

Papsttreue Katholiken haben deswegen keinen Grund zum Triumph: Denn Papst Benedikt XVI. irrt, wenn er am kirchlichen Kondomverbot festhält.

Diskussion mit Häme

Kondome lösen nicht die Probleme Afrikas, aber sie retten Leben. Und dass die vatikanische Anti-Kondom-Politik Leben gefährdet, sagen ganz leise auch Kirchenleute, die den ärmsten Kontinent dieser Welt gut kennen.

Es ist verantwortungslos, naivkatholisch, von Paaren Enthaltsamkeit zu fordern, wenn einer der Partner HIV-infiziert ist. Sexualität ist nicht durch die Verkündung von Enzykliken zu kontrollieren.

Das macht dem Papst so sehr Angst, dass er das Prinzip über die Menschennähe setzt: Kondome bleiben des Teufels, geschehe, was wolle.

Und dann diskutieren alle wieder übers Gummi, empört oder hämisch, und alles, was die katholische Kirche über Liebe, Verantwortung und Partnerschaft zu sagen hätte, geht unter.

Auch eine Form der Sexualfixierung.