Vielleicht liegt es daran, wie überlegen Egon Bahr, einst außenpolitischer Stratege des Kanzlers Willy Brandt, die Lage analysiert. Gorbatschow habe die russischen Truppen nach sieben Jahren wieder rausgeholt aus dem Land am Hindukusch, was aber machen wir nach acht Jahren, fragt der SPD-Veteran. Selbst die Langatmigkeit seiner Ausführungen stört nicht, und irgendwann hört Guttenberg zu wie der kleine Junge am Lagerfeuer den großen alten Häuptlingen.
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"Es ist Krieg, um alles in der Welt", ruft Bahr, "und wir werden ihn nicht gewinnen."
Es ist der Tag der Verleihung des Friedensnobelpreises an den Afghanistan-Kriegsherrn Barack Obama, und deshalb dürfen Bewertungen hierzu nicht fehlen. Bahr glänzt mit der Analyse, der US-Präsident ("Obama, ein Ausdruck der Hoffnung") habe sein Land erstmals aus dem Modell der Konfrontation in die Kooperation geführt, zum Beispiel mit Russland.
Der Bestsellerautor, langjährige Verlagsmanager und einstige CDU-Bundestagsabgeordnete Jürgen Todenhöfer dagegen findet, Obama rede wie alle Kriegsherren. Jeder tote Afghane in diesem Krieg fördere den Terrorismus, und al-Qaida sei schon lange nicht mehr in Afghanistan. Das sei eine "Katastrophe". Erregt geht Todenhöfer den anwesenden Minister an: Es sei mit dem christdemokratischen Weltbild nicht vereinbar, angesichts von mehr als hundert verbrannten Menschen in Kundus überhaupt von "angemessen" zu reden. "Das macht mich krank!"
Aber auch diese Attacke steckt Selbstverteidigungsminister Guttenberg locker weg. Er habe nie von "moralisch angemessen" gesprochen. "Ich bin kein glühender Vertreter von Kriegen." Es gehe jetzt um eine Stabilisierung der ganzen Region. Und auf Todenhöfers Vorhalt, der Minister solle sich bei den Opfern von Kundus entschuldigen, erwidert Guttenberg fast trotzig: "Wer hat denn die Frage der Entschädigung in die Hand genommen?"
Schützenhilfe aus Hollywood
Schützenhilfe kommt von Ralph Moeller, einem jener deutschen Schauspieler, die es in Hollywood irgendwie geschafft haben, in seinemFall mit den Mitteln des Kraftsports. Moeller also ist von den Anti-Kriegs-Tiraden Todenhöfers so aufgebracht, dass es seinen athletischen Körper beinahe nicht auf dem Stuhl hält. Es wird stammtisch-laut im seriösen ZDF. Es sei doch eine Sache, als Journalist durch Kabul zu gehen und den Intellektuellen zu geben, so Moeller, oder als Soldat das Leben zu riskieren. "Das verbitte ich mir!" Dafür gibt es lauten Beifall.
Auch die Einlassungen eines Soldaten, der in Afghanistan war, kommen hörbar gut an. Der Mann lobt Guttenberg für seine Ehrlichkeit, endlich von "Krieg" zu sprechen, und befindet, die Truppe sei ganz auf Seiten jenes Oberst Klein, der den Befehl zum Bombenwurf auf den Tanklaster bei Kundus gab. Es seien ja hochrangige Talibanführer unter den Opfern gewesen, im Krieg müssten in solchen Fällen auch zivile Opfer in Kauf genommen werden. Die Stimmung bei den Soldaten: "Endlich geschieht mal was." Die Landser wollen offenbar den Krieg, den der Minister für nicht gewinnbar hält.
Irgendwie ist die Sache aus dem Ruder gelaufen. Angetreten als Boten der Demokratie, als friedliche Aufbauhelfer, die eine rot-grüne Bundesregierung dem Kriegstreiber George W. Bush zur Seite gestellt hat, erweist sich das Ganze als mörderische Gefahr, der nicht getrotzt werden kann. Das ist ein eher deprimierendes Fazit aus diesem TV-Talk, den Maybrit Illner überaus gekonnt über die Sendezeit bringt und der mit einer erneuten Wortmeldung Moellers endet: "Der Krieg in Afghanistan wird noch Jahre dauern. Wir werden dort keinen Frieden haben."
Karl-Theodor zu Guttenberg hat sich in dieser Stunde ohne Blessuren selbst verteidigt. Er wartet den Untersuchungsausschuss ab. Und fliegt nach Kundus, um sich um alles selbst zu kümmern. Die Kameras bleiben eingeschaltet.
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(sueddeutsche.de/woja)
Umweltstiftung WWF in der Kritik
Hier ist ein Dokument, das weit mehr aussagt über das schreckliche Wirken der US-AFG-Befreier als noch so viele Regierungserklärungen.
Wer sich für dieses auch für Deutschland wirklich wichtige Thema interessiert, der sollte es lesen obwohl es leider nur in englischer Sprache vorliegt!
http://cursor.org/stories/civilian_deaths.htm
A Dossier on Civilian Victims of United States' Aerial Bombing of Afghanistan:
A Comprehensive Accounting [revised]
"What causes the documented high level of civilian casualties -- 3,000 - 3,400 [October 7, 2001 thru March 2002] civilian deaths -- in the U.S. air war upon Afghanistan? The explanation is the apparent willingness of U.S. military strategists to fire missiles into and drop bombs upon, heavily populated areas of Afghanistan."
Professor Marc W. Herold
Ph.D., M.B.A., B.Sc.
Departments of Economics and Women's Studies
McConnell Hall
Whittemore School of Business & Economics
University of New Hampshire
Durham, N.H. 03824, U.S.A.
FAX : 603 862-3383
Und hier nur dieser eine Absatz daraus:
Phone: 603 862-3375This report sets the record straight: we shall document how Afghanistan has been subjected to a barbarous air bombardment which has killed an average of 41 - 47 civilians per day since that fateful evening of Sunday, October 7th. When the sun set on December 10th, at least 2,700 - 3,000 Afghan civilians had died in U.S bombing attacks [roughly equivalent to about 30,000 U.S. civilian or the equivalent of eleven World Trade Center attacks]. Detailed day-by-day data is presented in Appendix 4. We let the voices of Afghan refugees speak about the U.S. bombings in Appendix 1, which present qualitative corroboration of our figures.
Ob wenigstens der junge deutsche Kriegsminister zu G. so etwas liest oder zu lesen bekommt?
DENN, wer das gelesen hat, der kann in AFG nicht mehr weiter mitmischen, so als ob nichts vorgefallen wäre, bzw. was den Einsatz der fremden Truppen noch einen einzigen Tag länger rechtfertigen könnte!
DAS ist jedenfalls meine Schlussfolgerung!
Wie bei allen sogenannten Polittalkshows mit Livepublikum, findet auch bei denjenigen von Frau Illner - ab Bekanntwerden der Themas - ein Proporzmachtkampf der Parteien/Lobbyisten wegen der Zutrittsberechtigungen statt.
Für diese (Parteien/Interessengruppen) gibt es bei diesen Shows stets ein Kontingent vorab - der geringere Teil kommt "auf den freien Markt".
Für den hier diskutierten Talk bei Frau Illner hatte auch der "Deutsche Bundeswehrverband" ein Kartenkontingent erhalten ...
... vielleicht lässt sich mit dadurch auch der gezielte Beifall erklären, welcher tatsächlich wahrzunehmen war.
... eigentlich nur noch mit Grausen abwenden .
Tun wir aber nicht . Sache der ohnmächtigen Feder bleibt es , den Mächtigen das Lügen schwerer zu machen
Liebe user,
der Artikel wurde versehentlich doppelt angelegt. Es handelt sich um Nachtkritik und findet sich deshalb im Ressort "Kultur".
Wir bitten die Unannehmlichkeiten zu entschuldigen.
Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Moderator
Ach so ...
das mit "Volg" war (böse) Absicht...
Paging