Hin und her im Streit um einen Namenseintrag: Die freie Online-Enzyklopädie hat nach dem gestrigen Stopp ihrer deutschen Domain-Adresse einen Teilsieg errungen. Mit einem Eilantrag setzten deren Anwälte eine einstweilige Verfügung außer Kraft. Doch die Querelen gehen weiter.
Mit einer einstweiligen Verfügung hatte das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg Wikimedia Deutschland untersagt, mit der .de-Domain auf die deutschsprachige Eingangsseite der Wikipedia Enzyklopädie (de.wikipedia.org) weiterzuleiten. Hintergrund des Streits ist die Namensnennung des auf mysteriöse Weise verstorbenen Computerhackers "Tron".
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Die Rechtsanwälte der freien Online-Enzyklopädie erwirkten nun mit einem Eilantrag bei Gericht, dass die Zwangsvollstreckung gegen eine Kaution von 500 Euro vorerst außer Kraft gesetzt wurde. Anfang Februar soll das Gericht endgültig entscheiden.
"Dies bedeutet, dass die einstweilige Verfügung formaljuristisch zwar noch Bestand hat", heißt es in einer Stellungnahme vom Freitag. Bis endgültig über die Rechtmäßigkeit des Beschlusses entschieden sei, entfalte der Beschluss aber keine Wirkung. "Daher dürfen wir seit dem 20. Januar 2006 wieder auf Wikipedia weiterleiten."
Vereinzelt wurde darüber spekuliert, Wikimedia Deutschland hätte mit der vollständigen Abschaltung der Weiterleitung unter Umständen überreagiert. "Dies ist nicht der Fall, wir haben uns damit lediglich an den Wortlaut der Verfügung gehalten", teilte Wikipedia Deutschland mit.
Die einstweilige Verfügung des Amtsgerichts Berlin-Charlottenburg vom 17. Januar ist nach Angaben eines englischsprachigen Wikipedia-Eintrags von der Familie des unter ungeklärten Umständen zu Tode gekommenen Hackers "Tron" erwirkt worden.
Der bürgerliche Name des Hackers soll nach dem Willen der Familie nicht mehr genannt werden. Wegen des laufenden Verfahrens nennt Wikimedia Deutschland selbst keine Gründe und gibt keine weitere Stellungnahme dazu ab. Unter der Adresse Wikipedia.org war die Enzyklopädie aber auch während der Verfügung weiterhin in deutscher Sprache erreichbar.
"Tron" war im Oktober 1998 in einem Park in Berlin-Kreuzberg erhängt aufgefunden worden. Nach Angaben der Ermittlungsbehörden hat der Hacker Selbstmord begangen. Die offizielle Todesursache wurde jedoch vielfach bezweifelt.
Der unter anderem auf Sprachverschlüsselung und das Entschlüsseln etwa von Fernsehsignalen spezialisierte "Hacker" sei vielmehr Mordopfer des Geheimdienstes oder der organisierten Kriminalität geworden, vermutet unter anderem der Chaos Computer Club.
(sueddeutsche.de/Michael Nienaber)
Brasiliens Präsidentin Roussef