Das berühmte Aufnahmestudio der Beatles steht offenbar zum Verkauf. Dem Musikkonzern EMI geht das Geld aus - er leidet unter illegalen Downloads und umstrittenen Geschäften.
"Here comes the sun" (Hier kommt die Sonne), heißt es in dem bekannten Lied von George Harrison. Es ist ein Stück aus dem legendären Album "Abbey Road" der Beatles, benannt nach den gleichnamigen Aufnahmestudios in London. Jetzt könnte allerdings für den britischen Musikkonzern EMI das Licht in der Abbey Road ausgehen.
Die Beatles 1963 in London: Ihr Album "Abbey Road" machte die gleichnamige Straße berühmt. Die dort ansässigen Abbey Road Studios sollen nun offenbar verkauft werden. (© Foto:)
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Nach einem Bericht der britischen Tageszeitung Financial Times will das angeschlagene Unternehmen die Abbey Road Studios verkaufen. EMI sitzt nach der Übernahme durch den Private-Equity-Unternehmer Guy Hands 2007 auf einem riesigen Schuldenberg. "Es geht um den Verkauf des Tafelsilbers, um die Firma vor der Pleite zu retten", meint ein Finanzmanager einer großen Londoner Bank. EMI hat zu den Verkaufsberichten keine Stellung genommen.
Eher musealen Wert
Wie es in Branchenkreisen heißt, könnte die Immobilie in der Abbey Road Nummer 3 im Stadtteil St. John's Wood einen zweistelligen Millionenbetrag auf dem Markt erzielen. Die Studioeinrichtung hat dagegen eher musealen Wert, weil Musik heute mit geringerem technischen Aufwand und dem Einsatz von Computern aufgenommen werden kann. Unklar ist, ob EMI den Markennamen Abbey Road zusammen mit dem Gebäude verkaufen will.
Vor allem Touristen zieht es in die Abbey Road, um Fotos von dem berühmten Zebrastreifen vor den Studios zu schießen, der das Plattencover der Beatles schmückt. EMI kaufte Abbey Road bereits Anfang der 30er Jahre. Während des Zweiten Weltkriegs nutzte die BBC die Studios für Propagandasendungen der britischen Regierung.
Überzogener Kaufpreis
Indes könnte EMI nach Meinung von Branchenexperten vor einer Zerschlagung stehen. Eigentümer Hands prüft offenbar verschiedene Optionen. Eine könnte darin bestehen, den profitablen Musikverlag zu verkaufen, um damit die Schulden des Unternehmens abzubauen.
Im abgelaufenen Geschäftsjahr machte EMI einen Verlust von 1,56 Milliarden Pfund (1,8 Milliarden. Euro). Hands hatte EMI im August 2007 durch seine Finanzfirma Terra Firma übernommen. Der Kaufpreis von 2,4 Milliarden Pfund war aus heutiger Sicht überzogen.
EMI leidet wie die gesamte Branche unter dem sinkenden Absatz von Compact Discs. Vor allem junge Leute laden sich ihre Musik im Internet herunter. Der Branchenverband International Federation of the Phonographic Industry (IFPI) schätzt, dass 95 Prozent aller weltweiten Musik-Downloads illegal sind.
Die Stones verließen das Label
Hinzu kommen aber auch hausgemachte Probleme. Berühmte Künstler wie die Rolling Stones verließen das Label und wechselten zum Konkurrenten Universal Music. Auch die Band Radiohead verließ das Unternehmen. EMI-Eigentümer Hands beklagte sich dagegen darüber, dass viele der unter Vertrag stehenden Musiker faul seien. Im Zuge eines Sparprogramms ließ er 2000 Stellen im Unternehmen streichen.
EMI steht zudem ein Rechtsstreit zwischen Terra Firma und der Citigroup bevor. Terra Firma verlangt eine Entschädigung, weil die Bank dem Investor beim Kauf von EMI angeblich vorgegaukelt hatte, dass es noch einen weiteren Interessenten gebe.
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(SZ vom 17.02.2010/mikö)
Whitney Houstons beste Songs
"EMI leidet wie die gesamte Branche unter dem sinkenden Absatz von Compact Discs. Vor allem junge Leute laden sich ihre Musik im Internet herunter. Der Branchenverband International Federation of the Phonographic Industry (IFPI) schätzt, dass 95 Prozent aller weltweiten Musik-Downloads illegal sind."
Gegenpositionen erwähnen wir im seriösen Journalismus nicht, oder? Ich meine, wie soll ich in den Journalismus vertrauen, wenn offensichtliche Nachplapperei die Seiten nur noch füllt?
..der das verständnis der label-macher wohl auf den punkt bringt.
"EMI-Eigentümer Hands beklagte sich dagegen darüber, dass viele der unter Vertrag stehenden Musiker faul seien."
100% Zustimmung.
EMI leidet, wie viele ähnliche Konzerne, unter antiquierten und künstler- wie abnehmerfeindlichen Geschäftsmodellen - kurz unter Managementfehlern. Ilegale Downloads sind wie die finanziellen Schwierigkeiten Folgen dieses grundsätzlichen Übels. Aber es ist natürlich viel hilfreicher für die eigenen Abfindungen, wenn andere schuld sind.
Und da frag doch einer, weshalb diese Plattenfirmen zu Grunde gehen. Kein Sinn für Geschichte, Tradition oder Kontinuität. Dieses Studio ist unverkäuflich; aber für kurzfristige Rendite werden die paar Pennys genommen. Mal schauen, was der Investor in fünf Jahren verscherbeln möchte.