Von Susan Vahabzadeh

Hollywoods Autoren streiken und versuchen, ihre Arbeit übers Internet direkt zu vermarkten. Ob das das beste Rezept ist?

autorenstreik in hollywood, dpaGrossbild

Autorenstreik in Hollywood (Foto: dpa)

Der große Hollywood-Autorenstreik hat die Golden-Globe-Gala zur Pressekonferenz degradiert – und vielleicht sorgt er ja wirklich, so wie der letzte vor fast zwanzig Jahren, für ganz große Umbauarbeiten in der Filmindustrie.

Der Streik von 1988 dauerte fünf Monate, und der lange Ausstand hat die Autoren dazu gezwungen, sich selbst Aufgaben zu suchen. Als er vorüber war, hatten sich die Studios eine neue Kaste von Autoren herangezogen – die plötzlich nicht mehr engagiert wurden für einen Job, sondern für wesentlich mehr Geld selbstentwickelte Drehbücher anboten.

Das Modell hat sich in Hollywood dann durchgesetzt. Der Filmwirtschaftsexperte Thom Taylor vertritt die Theorie, dass auch das gesamte Reality-TV eine Ausgeburt des Streiks von 1988 ist – Fernsehen ohne Drehbuch halt.

Autoren vermarkten sich im Netz


Auch diesmal sieht Taylor große Neuentwicklungen voraus – im Netz natürlich, wo eine ganze Reihe von professionell betriebenen Videoblogs Autoren und Filmemacher locken, ihre Arbeit direkt zu vermarkten. Ohne dass ein Studio dazwischengeschaltet wäre, das Geld abgreift.

Taylor vergleicht die Entwicklung mit der Musikindustrie, prophezeit, dass die Branchenriesen gerade dabei sind, zuzusehen, wie man sie einfach überflüssig macht. MyDamnChannel heißt eines dieser produzentenfreien Projekte, ein anderes FunnyOrDie, und dann gibt’s noch, mit ähnlichem Konzept, Heavy (Allyoucaneatvideo).

FunnyOrDie teilt seine Filme in Sparten ein wie ein Pay-TV-Sender, kann immerhin mit der Sparte "Will Ferrell’s Picks" glänzen und einem furiosen Eva-Longoria-Sexvideo, in dem eine spärlich bekleidete Blondine, die mit Eva Longoria nicht viel Ähnlichkeit hat, ankündigt, der nächste Casting-Termin könne vielleicht ihre Karriere in Gang bringen – die Serie heiße "Desperate Housewives" oder so.

"Heutzutage liest doch keiner mehr"


MyDamnChannel wurde im letzten Sommer von einem ehemaligen MTV-Produzenten gegründet, die Idee war, eine Art Online-Verleih aufzubauen – Mydamnchannel bringt das Produkt unters Volk und gibt dafür die Hälfte der Einnahmen aus Werbung an die Filmemacher ab. Die Seite besteht aus Filmepisoden und Videoblogs, die Selbstdarstellung auf der Seite, die den Erneuerungsgeist ihrer Schöpfer darstellen soll, bricht nach drei Zeilen ab mit den Worten "blahblah – heutzutage liest doch keiner mehr".

Man darf sich dann schon fragen, ob das ihre ausgefeiltesten Arbeiten sind, die die Autoren da ins Netz stellen. Ohne Produzenten hat man natürlich auch nicht das Geld, das ein aufwendiger Film nun mal kostet.

Ein Musikstück ohne finanzstarken Hintergrund einzuspielen, ist dann doch nicht ganz dasselbe. Der einst wirklich mal sehr großen Kunst der Hollywood-Autoren hat die Revolution von 1988 keinen Dienst geleistet; vielleicht ist allzuviel Selbstverwaltung nicht das beste Rezept.

(SZ vom 14.1.2008/bavo)

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