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Der italienische Hausfreund
Espresso-Maschine
13.01.2006, 19:19
(Foto: TruePixel/ Achim Meissner)
Sie ist klein, schwer und heißblütig: Bei Außenmaßen von 28 x 30 x 13,5 Zentimetern bringt sie ein Kampfgewicht von 6,5 Kilo auf die Waage. Und obwohl ihre Attribute eher männliche sind, hört sie auf den Frauennamen Mia. Gerade mal drei Minuten benötigt Mias eisernes Herz, um 12 Atmosphären Druck aufzubauen – das ist das Sechsfache dessen, was ein Stahlgürtelreifen aushalten muss. Eine druckgegossene Aluminiumstruktur sorgt dafür, die Kräfte so zu zähmen, dass auf Temperaturen von mindestens 91 Grad erhitztes Wasser mit einem Druck von 8,5 bar innerhalb von 25 Sekunden absolut gleichmäßig durch etwa 8 Gramm Kaffee gepresst wird und jene von einer haselfarbigen Crema gekrönte Pfütze von 25 Millilitern erzeugt, die den Namen Espresso verdient.
Ein Gerät, das zu so etwas in der Lage ist, darf verlangen, von einem Maschinisten bedient zu werden. Barista heißt der Virtuose hinterm Tresen, und Barista, das ist in seiner Heimat ein Lehrberuf. La macchina wurde nicht zufällig in Italien erfunden, dem Land der Vulkane und der Sportwagen, sie ist das stolze Zeugnis lateinischer Ingenieurkunst. Seine Verwandtschaft mit schnellen Autos bringt beim Espresso-Boliden Mia allein schon die Lackierung seiner Vorder- und Rückfront in Ferrari-Rot zum Ausdruck, aber auch die brutale Eleganz des Designs. Im Leerlauf erzeugt ihre pompa elettrovibrante nur ein potentes Blubbern, aber wenn sie unter Vollbelastung galoppiert, faucht und wiehert sie wie eine Herde von Wildpferden bei der Stampede. Was man da hört, sind die Urschreie der entfesselten Maschine, noch nicht gedämmt und gedrosselt von Akustikdesignern, die das sonore Klangbild heutiger Geräte entwerfen. Denn Mia stammt noch aus einer anderen Zeit, einer Zeit, die abgelaufen ist.
Dass sie überhaupt noch bis vor kurzem in geringen Stückzahlen gefertigt wurde, ist nur der Standhaftigkeit ihrer deutschen Verehrer zu verdanken. Unter ihnen ein kleiner Kreis von Liebhabern, die in München ein kleines Café betreiben und die Maschine über den Tresen verkauften. Mittlerweile ist die Produktion vollends eingestellt worden, einzelne Exemplare sind noch im Umlauf, die Preise steigen ständig.
Der Kult um die Mia ist eine extreme Ausformung des Wandels in der deutschen Kaffeekultur. Immer größer wird der Platz, den die Haushaltsabteilungen dem Fuhrpark verschiedenster Kaffee- automaten einräumen. „Immer mehr Deutsche sind bereit, ohne mit der Wimper zu zucken, 700 oder 800 Euro für ein Gerät auf den Tisch zu blättern“, sagt Werner Scholz, Geschäftsführer für Elektrohausgeräte im Zentralverband Elektrotechnik- und Elektroindustrie (ZVEI) in Frankfurt. Nach bereits sehr guten Ergebnissen in den konsumschwachen Vorjahren, verzeichnet der Verband mit 15 Prozent Steigerung „eine Umsatzexplosion“, beflügelt vor allem vom Siegeszug der so genannten Pad- oder Kapselmaschinen. Damit ist dieser Bereich der einzige bei den Elektro-Hausgeräten, der überhaupt zugelegt hat.
Den Trend bestätigt Hans-Ulrich Finck von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Nürnberg, deren Erhebungen ein ziemlich genaues Verbraucherprofil ergeben. Demnach ist der typische Käufer einer hochpreisigen Maschine bis 2800 Euro männlich, unter 40, verfügt über ein monatliches Einkommen von über 2500 Euro und lebt in Süddeutschland. Während Baden-Württemberg und Bayern sich 41 Prozent des Marktes teilen, entfallen nur zehn Prozent auf den Norden – ein signifikantes Nord-Süd-Gefälle. Hochburg ist die nördlichste Stadt Italiens: München.
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