Von Alexander Menden

Von wütenden Protesten begleitet sind die verurteilten Rechtsextremen Irving und Griffin in Oxford aufgetreten - und nutzten die Gelegenheit, Demonstranten als "Pöbel" zu beschimpfen und sich als Märtyrer zu geben.

Proteste in OxfordGrossbild

Proteste in Oxford gegen die Veranstaltung des Debattierklubs. (Foto: Getty Images)

Vor einer Diskussion in der Oxford Union nimmt man normalerweise einen entspannten Drink in der Bar und schlendert dann hinüber in die debating chamber. Doch an diesem Montagabend läuft alles weniger beschaulich ab beim Debattierklub der Universität Oxford. Das Backsteingebäude ist belagert von Hunderten wütender Demonstranten, die trommeln und Plakate schwenken mit Aufschriften wie "Vereint euch gegen die faschistische BNP!" und "Stolz auf ein multikulturelles Britannien". In der Bar stehen Studenten, die einer Veranstaltung zum Thema "Die Grenzen freier Meinungsäußerung" beiwohnen wollen. Sie wirken nicht sehr entspannt.

Grund des Aufruhrs ist der Auftritt von David Irving und Nick Griffin, den beiden vielleicht skandalträchtigsten Gästen in der Geschichte der Oxford Union. Der in den britischen Medien meist als "umstrittener Historiker" titulierte Irving saß vergangenes Jahr in Österreich eine Haftstrafe als Holocaust-Leugner ab. Griffin, Vorsitzender der British National Party, ist in England ebenfalls wegen Aufhetzung zum Rassenhass vorbestraft.

Es hatte vorher harsche Kritik an der Entscheidung der Union gegeben, zwei Rechtsradikalen in einer solch traditionsreichen Institution ein Forum zu bieten, unter anderem von hochrangigen Politikern, Oxforder Studenten, Anti-Rassismus-Vereinigungen sowie den jüdischen und muslimischen Gesellschaften der Universität.

Anwesenheit als Erfolg

Ein großes Polizeiaufgebot und die Security-Leute der Union riegeln die Eingänge lange Zeit derart effizient ab, dass selbst viele Gäste mit Eintrittskarten es gar nicht erst aufs Gelände des Debattierklubs schaffen. BNP-Chef Nick Griffin ist schon lange vor dem Start der Veranstaltung von einer Gruppe glatzköpfiger Leibgardisten hineineskortiert worden; auch David Irving hat sich unauffällig ins Gebäude begeben. Dennoch verzögert sich alles: Rund 30 Demonstranten gelingt es, die Sicherheitssperre zu durchbrechen, in den debating chamber einzudringen und eine Sitzblockade zu organisieren.

Erst mit anderthalb Stunden Verspätung kann die Debatte beginnen. Anders als sonst üblich, sprechen die Gäste in zwei separaten Räumen. Griffin verunglimpft die Demonstranten: "Dieser Pöbel würde töten", sagt er. "Wären sie in Nazi-Deutschland aufgewachsen, wären sie hervorragende Nazis geworden." David Irving gibt derweil den Märtyrer: "Ich weigere mich, dem Druck nachzugeben und zu schreiben, was denen in den Kram passt. Ich schreibe auf, was ich in den Archiven finde."

Schon nach einer Dreiviertelstunde verschwindet Irving in einem wartenden Taxi. Der wegen der Einladung stark in die Kritik geratene Union-Präsident Luke Tryl gibt erleichtert zu Protokoll, Irving habe wie erhofft "eine erbärmliche Figur abgegeben". Es könnte allerdings auch sein, dass Irving allein schon seine Anwesenheit hier als Erfolg verbuchen wird. Sieben Mal hat er in der Vergangenheit bereits auf der Veranstaltungsliste der Oxford Union gestanden. Immer wieder wurde er ausgeladen - bis zu diesem Montag.

(SZ vom 28.11.2007/ihe)

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Leserkommentare (7)



28.11.2007 21:21:55

Parkwächter: Ausgang

Was vorne raus kommt, kann durch einen vornehmen Club geadelt werden, was hinten rauskommt nicht.


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