Noch vor zwölf Monaten kannte kaum jemand seinen Namen. Jetzt hat Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck mit seinem Spielfilmdebüt „Das Leben der Anderen“ auf Anhieb den Sprung in den Kino-Olymp geschafft.

 
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In der Kategorie „Bester nicht englischsprachiger Film“ schlug Florian Henckel von Donnersmarck die Konkurrenten „Pans Labyrinth“ aus Mexiko, „After the Wedding“ aus Dänemark, „Days of Glorys“ aus Algerien und „Water“ aus Kanada.

Es ist in der fast 80-jährigen Geschichte der Oscars erst der dritte große Preis für einen Spielfilm aus Deutschland. Zuletzt brachte Caroline Link vor vier Jahren den Auslands-Oscar für „Nirgendwo in Afrika“ nach Deutschland. Davor nahm Volker Schlöndorff 1980 den „Goldjungen“ für „Die Blechtrommel“ entgegen.

Henckel von Donnersmarck zeigte sich bei seiner Dankesrede tief bewegt über die Auszeichnung. Für ihn werde ein Traum wahr, sagte er. „Diese Auszeichnung ist eine Ehre und das größte Kompliment sowohl für mich als auch für die fantastische Arbeit von so vielen Menschen, die an diesem Film mitgewirkt und ihr Bestes gegeben haben“, sagte von Donnersmarck in einer ersten Reaktion.

"Teil einer Erfolgsgeschichte"

„Der Deutsche Film ist voller Kraft und erlebt in den letzten Jahren einen enormen Aufschwung. Ich bin sehr glücklich und dankbar ein Teil dieser Erfolgsgeschichte zu sein, die sich immer noch wie ein Traum anfühlt.“

 
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Der 33-Jährige hatte bereits den Europäischen und den Deutschen Filmpreis für sein Spielfilmdebüt erhalten. Zur Oscar-Verleihung war er mit seiner Ehefrau und den Hauptdarstellern Sebastian Koch und Ulrich Mühe angereist.

Vom Roten Teppich aus grüßte Donnersmarck über den Sender Pro Sieben seinen Vater, der in Deutschland im Krankenhaus liegt. Es sei herrlich, bei der Oscar-Verleihung zu sein, sagte er.

Der 33-Jährige ist schon seit Wochen in den USA gewesen, um sich und seinen Film bekannt zu machen. Bei der Nominierung Ende Januar hatte Henckel von Donnersmarck erklärt, die Auszeichnung des besten nicht englischsprachigen Film sei der wichtigste aller Oscars: „Der Regisseur bekommt ihn verliehen, aber er bekommt ihn für das Land verliehen. Mit dieser Statue wäre es also wie mit der olympischen Goldmedaille - ich würde sie für Deutschland gewinnen.“

Fünf Jahre Arbeit

Bisher haben allein in Deutschland mehr als 1,7 Millionen Zuschauer den Film über die Wandlung eines Stasi-Hauptmanns beim Observieren eines Künstlerpaares im Kino gesehen, in etwa 30 Länder wurde er verkauft. Preise gab es viele, national und international.

Sieben Lolas holte er bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises, hinzu kamen der Bernhard-Wicki-Filmpreis, vier Bayerische Filmpreise und der Publikumspreis beim Internationalen Filmfestival in Locarno. Zuletzt war der Film in Warschau als bester Film drei Mal mit dem Europäischen Filmpreis ausgezeichnet worden.

„Das Leben der Anderen“ war Donnersmarcks Abschlussfilm. Die Grundidee bezog er aus einem Buch von Maxim Gorki mit dem Titel „Erinnerungen an Zeitgenossen“. Der Film entstand in 38 Drehtagen mit einem Budget von nur 1,8 Millionen Euro. Aber daran gearbeitet hatte er viel länger - nämlich fünf Jahre.

Nach seinem Erfolg habe er zwar einen Stapel von Drehbüchern aus Hollywood erhalten, aber es sei nichts dabei, was er wirklich gerne verfilmen möchte, sagte von Donnersmarck. Vor seinem Spielfilmdebüt hatte der Vater zweier kleiner Kinder nur Kurzfilme gedreht.

Filmpraktikum in England

Der 2 Meter 5 große Filmemacher gehört nicht nur wegen seiner Länge zu den überragenden Gestalten der deutschen Branche. Seine überzeugenden Auftritte in der Öffentlichkeit und auch den Erfolg seiner wochenlangen Oscar-Kampagne in den USA verdankt er einer kosmopolitischen und tatkräftigen Grundeinstellung.

Als Spross einer alten schlesischen Adelsfamilie am 2. Mai 1973 in Köln geboren, verbrachte von Donnersmarck seine Kindheit unter anderem in New York, Berlin und Brüssel. Er studierte in Leningrad, fand eine Karriere als Russischlehrer aber nicht sehr glamourös und widmete sich im feinen Oxford den Sozialwissenschaften.

Den beruflichen Einstieg zum Film suchte er durch ein Praktikum beim Regie-Altmeister Richard Attenborough. Noch ein Studium folgte und zeigte jetzt den richtigen Weg. An der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film lernte Henckel von Donnersmarck sein Handwerk - so gut und gründlich, dass gleich sein erstes langes Werk den Oscar holte.

(AP/dpa)

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