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Von D. Schottner

Alle haben Angst vor Twitter - nur Indierock-Star Amanda Palmer liebt den Online-Dienst. Weil er ihr nach einem ganz entspannten Abend auf der Couch tausende von Dollar einbringt.

twitter dpaGrossbild

"i hereby call THE LOSERS OF FRIDAY NIGHT ON THEIR COMPUTERS to ORDER": Mehrere hundert Fans folgten diesem Aufruf. (Foto: dpa)

Alle haben Angst vor Twitter. Der Bundeswahlleiter und einige Abgeordnete der Großen Koalition, weil sie befürchten, dass die Bundestagswahl über die Kurznachrichten des Online-Dienstes manipuliert werden könnte. Dem Hamburger Sportverein schlackern die Knie, weil man ihm in der sogenannten Twittersphäre andichtete, Michael Ballack verpflichten zu wollen. Und die iranische Regierung fürchtet das sogenannte Microblogging aus Prinzip.

Nur Amanda Palmer, die Sängerin der Dresden Dolls, liebt Twitter. Kein Wunder, hat sie doch damit rund 19 000 Dollar innerhalb von zehn Stunden verdient, ohne sich dabei von ihrer Couch maßgeblich zu entfernen. In einer E-Mail, die derzeit in der Blogosphäre kursiert, schreibt sie: "Diese Geschichte hat Leute umgehauen, also dachte ich, ich schreibe sie mal auf." Die Geschichte geht so: Amanda Palmer ist ein Indierock-Star. Ein Rockstar macht an einem Freitagabend natürlich nichts anderes als faul zu Hause zu sitzen. So auch Palmer: E-Mails checken, Geschirr abspülen, Koffer packen für eine kleine Reise, "eine gewöhnliche Freitagabend-Rockstar-Multitasking-Extravaganz."

Amanda Palmer twittert an diesem Abend vor etwa einem Monat auch, so wie sie es oft tut, um mit ihren Fans in direkten Kontakt zu treten. Manchmal, schreibt sie, organisiere sie auf diesem Weg manchmal sogar Geheimkonzerte. Doch an diesem Abend ist ihr nach Quatschmachen, den rund 37 000 Fans, die ihre Einträge lesen, die sogenannten Follower, befiehlt sie: "i hereby call THE LOSERS OF FRIDAY NIGHT ON THEIR COMPUTERS to ORDER, motherfucker." Innerhalb weniger Minuten sammeln sich, rein virtuell, einige hundert Fans, die just zu dem Zeitpunkt online sind, um Palmer. Ein "virtueller Mob", wie ihre Followerin, die Cellistin Zoe Keating es nennt. Palmer: "So hingen wir an einem Freitagabend auf Twitter herum und rissen Witze."

Ein Tweet kommt zum anderen und am Ende kreiert der Mob, nur über Twitter kommunizierend, ein T-Shirt mit dem Spruch "Don't stand up for what's right, stay in for what's wrong". Schließlich bastelt Palmers Webdesigner, "being a loser with me on friday night", innerhalb von Minuten noch eine Website mit einem Online-Shop, wo das T-Shirt angeboten wird. Alles innerhalb von zwei Stunden. Am Ende des Abends sind 200 T-Shirts zu je 25 Dollar verkauft. Am nächsten Tag schreibt Palmer über die Aktion auf ihrem Blog. Daraufhin gehen weitere 200 T-Shirts raus. Sie resümiert: "total made on twitter in two hours = $11,000. total made from my huge-ass ben-folds produced-major-label solo album this year = $0".

Ein paar Tage später lädt Palmer ihre Follower wieder ein. Ihr Plan diesmal: Eine Online-Auktion, bei der sie via Twitter Müllwürdiges wie zerrupfte Socken (200 Dollar), und Merkwürdiges wie einen Trennungsbrief aus der siebten Klasse (250 Dollar) versteigert. 6000 Dollar kommen so innerhalb von drei Stunden zusammen. Ein weiterer, nur über Twitter kommunizierter Geheimgig bringt Amanda Palmer kurz darauf noch einmal 2 000 Dollar ein. Ihr Fazit: "TOTAL MADE THIS MONTH USING TWITTER = $19,000. TOTAL MADE FROM 30,000 RECORD SALES = ABSOLUTELY NOTHING."

(SZ vom 6.7.2009/jeder)

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Leserkommentare (2)



06.07.2009 12:50:25

trobare:

30 000 verkaufte Platten, und für den Künstler fällt nichts dabei ab? Was sagt denn der Herr Gorny dazu?


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