Überraschende Wendung in der umstrittenen niederländischen TV-Organspendeshow: Bei der Ausstrahlung am Freitagabend hat die Show sich als Inszenierung mit einer Schauspielerin entpuppt.
Die umstrittene Organspende-Show im niederländischen Fernsehen war ein Scherz. "Wir werden hier keine Niere vergeben, das geht selbst uns zu weit“, sagte der Moderator Patrick Lodiers am Freitagabend im Fernsehsender BNN.
Die als todkranke "Lisa“ präsentierte Frau sei eine Schauspielerin, die drei "Kandidaten“ für ihre angebliche Spenderniere warteten allerdings auf ein Spenderorgan.
Sie seien darüber informiert gewesen, dass in der Sendung nicht wirklich Organe vergeben werden sollten. "Wir wollten Aufmerksamkeit auf ihre Leben und ihre Probleme lenken“, sagte Lodiers. Die Enthüllung machte der Moderator in dem Moment, als sich "Lisa“ für einen der drei Kandidaten für ihre Niere entscheiden sollte.
Kandidaten waren die 36-jährige Esther-Claire, der 19 Jahre alte Vincent und die 29-jährige Charlotte. Den Darstellungen in der Sendung zufolge sind sie seit ihrer Kindheit beziehungsweise Jugend nierenkrank. Demnach haben sie alle bereits Transplantationen hinter sich, die jedoch nicht erfolgreich waren.
"Medienminister Ronald Plasterk, der die Sendung vor einigen Tagen als "unangemessen und unethisch wegen des Wettbewerbselements“ bezeichnet hatte, nannte den Scherz nach seiner Offenlegung einen "sagenhaften Trick“. BNN habe einen "intelligenten Weg“ gewählt, um Aufmerksamkeit auf den Mangel an Spenderorganen in den Niederlanden zu lenken.
BNN hatte ursprünglich angekündigt, in der Show werde die 37-jährige todkranke "Lisa“ entscheiden, wer von drei Kandidaten ihre Niere bekomme. Die Frau leide an einem Hirntumor, ihre anderen Organe seien gesund, deshalb habe sie entschieden, eine Niere zu spenden.
Die Ankündigung der Show hatte in den Niederlanden und in Europa für heftige Diskussionen um ethische Standards in den Medien geführt. Der Fernsehsender hatte die Sendung mit dem Argument verteidigt, der Mangel an Spenderorganen müsse als Problem thematisiert werden. "Das ist nicht grausig, das ist das wirkliche Leben. Jedes Jahr sterben hunderte Menschen, weil es nicht genug Spender gibt.“ Die Chance der drei Kandidaten, eine Niere zu erhalten, sei mit einer Wahrscheinlichkeit von einem Drittel deutlich höher als für Patienten auf Wartelisten.
BNN-Gründer Bart de Graaff war vor fünf Jahren gestorben, nachdem er jahrelang vergeblich auf eine Spenderniere gewartet hatte. Der Sender war schon früher durch ungewöhnliche Formate aufgefallen. So strahlte er im vergangenen Jahr eine Reihe über junge Menschen mit tödlichen Erkrankungen aus.
Die Nierenspende-Show hat bei Bürgern und Politikern in den Niederlanden für heftige Empörung gesorgt. Neben Medienminister Plasterk kritisierte auch Gesundheitsminister Ab Klink die Sendung als ethisch bedenklich. Ein Verbot lehnten beide Minister jedoch als unangemessene Zensur ab. Ein EU-Kommissionssprecher in Brüssel sprach mit Blick auf die Sendung von "ziemlich schlechtem Geschmack“.
Der niederländische Ärzteverband KNMG hatte kritisiert, das Leiden der Menschen dürfe niemals Gegenstand einer Unterhaltungssendung sein. Eine über eine Fernsehsendung entschiedene Transplantation drohe schon aufgrund der "medizinischen, juristischen und ethischen Probleme“ zu scheitern. Darüber, wer operiert werde, müssten Mediziner entscheiden und nicht die Produzenten des Senders BNN.





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