Von Senta Krasser

Suche jugendliches Sendeformat, biete Fallobst: Der so genannte "ZDF-Kreativitätsfonds" will innovative TV-Konzepte fördern und bringt doch nur recyceltes Privatfernsehen hervor - ab damit in die Nacht.

Südtiroler WilliamsbirneGrossbild

Die "Kreative Birne" verleiht das ZDF an besonders helle Köpfe - dazu gibt's einen tollen Ausflug zu einer Fachtagung. (Foto: ddp)

Vor fünf Jahren, im November 2003, nahm der so genannte Kreativitätsfonds des ZDF seine Arbeit auf. Sein Ausschuss ist besetzt mit Vertretern des Senders wie der Gewerkschaften und soll innovative Programmideen aus dem eigenen Haus fördern. Fördern heißt auch finanzieren, wobei die Mittel nicht aus dem Gebührentopf geschöpft werden, sondern aus der Urheberrechte-Kasse der festangestellten ZDF-Mitarbeiter.

Die Kreativen im Sender sollen also sorglos arbeiten dürfen. Besonders hellen Köpfen wird der Preis "Kreative Birne" verliehen, womit dann ein Ausflug zu einer schönen Fachtagung verbunden ist.

Ferdinand Utner, in der Hauptredaktion Aktuelles zuständig für Projekte im Bereich Online und Neue Medien, ist noch nicht Träger der "Kreativen Birne". Der KFA sponserte indes voll seine Idee "MySpleen.de", die es nun zum Piloten im Nachtprogramm gebracht hat, was schon bemerkenswert ist.

Kreative Freiheit

Denn vom Kreativitätsfonds geförderte Formate "müssen" nicht zwangsläufig gesendet werden, sie "können", sagt Eva Appel, die dem Fondsausschuss vorsitzt: "Zweck ist, dass sich unsere Mitarbeiter ohne Druck ausprobieren."

Freitagnacht kurz vor vier ist also die Zeit für Spleens. Die nicht völlig unbekannten Moderatoren Achim Winter ("hallo deutschland", ZDF) und Tanja Mairhofer ("Die Sendung mit dem Elefanten", KiKa) stellen in ihrer Viertelstunden-Sendung Menschen vor, die ihre Freizeit mit bizarren Hobbys verbringen - wie Ehefrauenweittragen, Runkelrübenweitschießen und Arschbombenspringen.

Dem deutschen Meister im Luftgitarrespielen zum Beispiel bereitet Winter in Berlin vor dem Brandenburger Tor die Bühne, wo dann in die imaginierte Klampfe hauen. Weil Glatzkopf Winter die Haare zum obligatorischen Headbanging fehlen, hat das schon irgendwie lauwarmen Spleen.

Abgeschobene Experimente

Aber was an diesem kreativen Output besonders innovativ sein soll, bleibt rätselhaft. Dass es im Fernsehen, von den Boulevardmagazinen bis zu den Supertalenten (RTL), genug Beklopptes und Bekloppte gibt, ist nichts Neues.

Das Innovative an "MySpleen.de" sei nun, erklärt ZDF-Förderin Appel, "dass der Zuschauer als User in den Vordergrund gestellt wird". Damit ist schlicht gemeint, dass das ZDF seit dem Sommer auf der eigenen Homepage, aber auch in Portalen wie YouTube spinnerte Talente aufruft.

Mit "MySpleen.de" verfolgt das ZDF das alte Ziel, jüngere Zuschauer zu erreichen. Die ersten MySpleen.de-Talente (bei Quoten-Erfolg könnten weitere folgen) kommen nach der Erstausstrahlung in tiefer Nacht auch bald auf den Programmschleifen der digitalen ZDF-Kanäle Info oder Doku. Dort laufen im Übrigen die meisten der nunmehr 46 KFA-geförderten Experimentalbeiträge.

MySpleen.de, ZDF, Nacht zu Samstag, 3.50 Uhr.

(SZ vom 21.11.2008/jb)

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Leserkommentare (1)



21.11.2008 14:16:47

Rhinelander:

Ist "KFA" dieser Fonds?


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