Von Paul Katzenberger

Bei der Charakterisierung des eigenen Werkes scheut der Dichter Tomas Alexander Hartmann vor kaum einem Superlativ zurück. Bei der Literaturmesse Litera in Linz fiel er allerdings durch.

Es ist kein leichter Weg, sich als Schriftsteller einen Namen zu machen. Grundvoraussetzung dafür ist in aller Regel ein Buch, das so gut ist, dass sich ein Lektor aus einem möglichst namhaften Verlag dafür begeistern kann. Wenn das Werk anschließend auf einer der großen Buchmessen in Frankfurt oder Leipzig landet, hat es einen ersten Qualitätscheck bestanden: Die Wege zum Schriftsteller-Dasein könnten geebnet sein.

Doch diesen konventionellen Pfad zu Autorenruhm scheint Tomas Alexander Hartmann zu scheuen. Er macht lieber mit spektakulären Aktionen auf sich aufmerksam: So ließ er unlängst seine 13-seitige philosophische Broschüre "Die Aufgabe“ mit einem Preis von 153 Millionen Euro als teuerstes Buch in das Verzeichnis der lieferbaren Bücher (VLB) aufnehmen (ISBN: 978-3-00-023396-8). Seither bezeichnet sich der selbst als "Autor des teuersten lieferbaren Buches der Welt“.

Verlage bestimmen den Preis

Ein aufsehenerregender Titel, den sich allerdings jeder ans Revers heften könnte. Denn auch nach den strengen Regeln der deutschen Buchpreisbindung obliegt es dem Verlag, einen Preis für sein Buch festzusetzen: "Es besteht absolute Vertragsfreiheit und es gibt keine Zensoren“, stellt Christian Sprang vom Börsenverein des deutschen Buchhandels klar. Da Hartmann im Eigenverlag produziert, konnte er also seinen Preis festlegen, wie er wollte.

Und er wählte ihn wohl mit Absicht so, dass er alles, was bisher auf den Markt ist, turmhoch übersteigt. Der handgeschriebene "Codex Leicester" von Leonardo da Vinci, der im Jahr 1994 für 30,8 Millionen Dollar an Bill Gates verkauft wurde, ist beispielsweise fünf Mal billiger. Und der aufwändig produzierte Bildband "GOAT“ über die Box-Legende Muhammad Ali ist mit 3000 Euro im Vergleich geradezu spottbillig. Während es für "GOAT“ zu diesem Preis allerdings auch eine echte Nachfrage gibt, besteht diese für "Die Aufgabe“ bislang nicht. Das Buch, von dem es nur ein einziges Exemplar geben soll, wird auf der Luxusmesse "Millionaire Fair“ in München vom 15. bis 18. Mai 2008 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Hartmann begründet den hohen Preis damit, dass er 30 Jahre lang an diesem Buch gearbeitet habe. Es beantworte die Fragen: "Wo kommen wir her?", "Wo gehen wir hin?" und benenne "die eigentliche Aufgabe, die auf uns wartet", so Hartmann.

Unterdessen rührt der "Autor des teuersten lieferbaren Buches“ weiter die Werbetrommel in eigener Sache. Bei der Literaturmesse Litera, die am vergangenen Wochenende in Linz auslief, war er mit "Ein philosophisches Handbuch für Weise und Narren“ für den Lyrikpreis nominiert.

Pressemitteilung mit Sensationscharakter

Noch vor der Bekanntgabe des Preisträgers veröffentlichte Hartmann eine weitere Pressemitteilung mit Sensationscharakter: Der "Autor des teuersten lieferbaren Buches“ hieß es da, gebe nun auch das erste Gratisbuch der Welt heraus: Im Verzeichnis der Lieferbaren Bücher ( VLB ) werde "Ein philosophisches Handbuch für Weise und Narren“ als erstes Buch der Welt mit "kostenlos“ aufgeführt und könne auf der Seite des Autors (www.tah.ch ) heruntergeladen und weiterverwertet werden.

So ganz verabschiedete sich Hartmann, der sich selbst als größten Philosophen aller Zeiten betrachtet, von seinen bisherigen Preisvorstellungen allerdings nicht: Denn Käufer, die das Werk vom Autor direkt erwerben wollen, müssen weiterhin tief in die Tasche greifen. Die Preise für die insgesamt 13 Exemplare bewegten sich je nach Buchnummer zwischen 150.000 Euro und 1,53 Millionen Euro, so Hartmann in seiner Pressemeldung.

Es bleibt die Frage, wer diese Bücher kaufen will. Bei der Litera wurde "Ein philosophisches Handbuch für Weise und Narren“ für nicht preiswürdig befunden. Der Mehrheit der Jury-Mitglieder beschloss, den Preis – mangels Qualität – gar nicht zu verleihen.

(sueddeutsche.de/rus)

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Leserkommentare (4)



29.04.2008 14:42:18

rheinelbe: Das teuerste Buch der Welt, das kleinste Buch der Welt

Ja, so ist er halt, unser (?) Kulturbetrieb. Da muss provoziert werden, um Kasse zu machen, eben Kasse statt Klasse. Seriosität ist kaum noch gefragt. Bei F. Nietzsche hieß das "Nihilismus". Alles nichts, oder - die Kulturshow. Sie läuft jeden Tag auf allen Kanälen bis zum Überdruss. Übrigens schreibe ich demnächst das kleinste Buch der Welt - man kann es gar nicht sehen. Komme ich jetzt auch in die Zeitung? Oder sogar ins Fernsehen?


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