Von Christopher Keil und Viola Schenz

Movers & Shakers da draußen, Ihr müsst jetzt ganz stark sein: Ulf Poschardt verlässt Vanity Fair - Deutschland ist einfach zu klein für seine visionären Ideen.

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Abschied aus dem weißen Traumbüro: Ulf Poschardt. (Foto: dpa)

Um 10 Uhr trifft sich das Redaktionsteam bei Vanity Fair auch freitags gewöhnlich, um mit Chefredakteur Ulf Poschardt, 40, darüber zu reden, was die "Movers and Shakers" im Land wohl als nächstes bewegen könnte. Movers and Shakers stammt natürlich von Poschardt. Für die einen ist so eine Sprache verquast, für andere cool. Zwischen cool und verquast gab sich das Magazin aus dem Hause Condé Nast dann oft, das den Eisbären Knut und die Hausfrau Liz Hurley in den Stand der Stil-Ikonen hob.

Am Freitagmorgen dieser Woche erschien zur große Konferenz Bernd Runge, Poschardt erschien nicht. Runge, 47, ist Deutschland-Boss bei Condé Nast. "Auf eigenen Wunsch", formulierte er vor dem offenbar ahnungslosen Auditorium, habe Poschardt nicht mehr verantwortlich sein wollen für den ehrgeizigen Aufbau einer glamourösen Wochenzeitschrift mit Qualitätsanspruch.

Die wichtige Startphase sei von Poschardt erfolgreich mitgestaltet worden. Übergangsweise werde nun Glamour-Chefredakteur Nikolaus Albrecht, 39, führen. Albrechts kommissarische Einmischung, ließ Runge später verbreiten, werde dem "Titel neue, gute Impulse verleihen".

Dass ein Glamour-Mann Impulse liefern soll, bis eine neue Nummer 1 für das Blatt mit dem klingenden Namen gefunden ist, kann man interpretieren. Tritt Poschardt wirklich auf eigenen Wunsch zurück? Weder er noch Runge waren am Freitag zu sprechen.

Das Editorial der vierten Ausgabe, die am 17. Januar erscheint, soll Poschardt noch geschrieben haben. Bis zu Runges Auftritt wusste Poschardts Stellvertreter Rainer Schmidt nichts von der Ablösung. Kam es in einem Gespräch über die weitere Ausrichtung des Kurses zum Zerwürfnis? Poschardt trat am Donnerstagabend noch in einer ORF-Talkshow auf - als Vanity Fair-Chefredakteur, und er wurde dort von einer Rapperin mit Wasser bespritzt.

50 Millionen Euro hatte Condé Nast vorab in das Prestigeprojekt investiert. Die Notlösung mit Albrecht könnte ein Indiz dafür sein, dass sich Runge die deutsche Ausgabe von Vanity Fair (3.Quartal 2007: knapp 30.000 Abos, 107.000 Einzelverkauf) mehr wie Glamour, mehr wie die italienische Vanity Fair wünscht (ca. 250.000, vierzehntägig), die eine große Rendite abwirft, weiblicher, tratschiger, modischer ist.

Die Versuche Poschardts, sein Produkt jenseits von Gala und Bunte zu platzieren, gab es. Im Konferenzraum hingen die besten Titel deutscher Magazine. Doch fast nie vermittelte er gesellschaftlich relevante Titel. Der Papst wurde zum "Popstar", Musiker Herbert Grönemeyer gestaltete das Blatt zum G-8-Gipfel - ohne in der Redaktion zu gestalten. Der Sänger war auf Tour unterwegs, es wurde telefoniert, gefaxt und gemailt.

Poschardt wusste, dass der Mythos des Originals, der amerikanischen Vanity Fair - diesem exquisiten Zirkus aus High Society, Journalismus und Analyse - von Berlin aus nie zu erreichen ist. Er wollte amerikanische Mentalität nach Deutschland transportieren. Das hat nicht funktioniert. Modell gescheitert.

"Wie klein Deutschland geworden ist und wie neidisch", schreibt er in der aktuellen Nummer 3, die Carla Bruni zeigt, die Geliebte des französischen Präsidenten Sarkozy. Zum Beweis erwähnt er, dass Angela Merkel im Skiurlaub bei St. Moritz zu Fuß den Weg auf die Loipe suchte. "Auf dem Gipfel" wähnte er die Kanzlerin in einer Vanity Fair-Story 2007. Sich selbst wohl auch.

(SZ v. 12./13.1.2008)

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Leserkommentare (3)



11.01.2008 18:53:34

MC756: Vollprofis

Was für ein sympathisches und großmütiges Wesen anscheinend doch die SZ-Redaktion durchweht. Mobbing und Nachtreten? Ihr doch nicht!


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