"Horst Schimanski steht für den Einzug des Proletariates in das Bildungsinstitut Fernsehen", meinen die WDR-Verantwortlichen. Heute Abend lassen sie den Duisburger "Tatort"-Kommissar noch einmal ermitteln. Es ist ein Jubiläum.
Vor ein paar Wochen lud der Westdeutsche Rundfunk (WDR) in eine Duisburger Kneipe. Monika Piel, die gerade gewählte Intendantin, war gekommen, auch Ulrich Deppendorf, der gerade bestimmte künftige Leiter des ARD-Hauptstadtstudios und bisherige Fernsehspielchef des WDR.
Deppendorf sprach ein bisschen über Duisburg und sagte über Schimanski, den Duisburger Tatort-Kommissar: "Er steht für den Einzug des Proletariats in das Bildungsinstitut Fernsehen." Er sagte auch: "Schimanski ist politischer geworden. Er wandelt sich wie Duisburg."
Dann sprach der frühere Duisburger Oberbürgermeister Josef Krings den Satz: "Die Menschen verstanden ihn."
Am Ende sprach auch der Schauspieler Götz George, 68, der Schimanski seit 1981 darstellt, weshalb mit Verspätung sein 25-jähriger Einsatz in dieser Rolle gefeiert wurde. Und George sagte es so, wie es Schimanski gesagt hätte: Ach. Ja. "Heute wird doch jeder zweite Kommissar, früher war das mal 'ne Auszeichnung." Mensch. Schatzl. "Das war, das ist 'ne schöne Zeit. Ich weiß doch nicht, wie lange ich noch lebe."
Das hat George, der bei weitem mehr Humor besitzt, als man vermuten würde, offen gelassen: Ob er an sein eigenes Leben oder an das seiner Figur dachte.
Solange Fritz Pleitgen WDR-Intendant war, hatte Schimanski Stammplatzgarantie am Sonntag als Ausnahme der Tatort-Reihe. Dass George und Schimanski älter geworden sind, thematisiert der Regisseur Torsten C. Fischer jetzt meisterhaft beiläufig.
Der neue Fall ist leise in einen der besten Schimanski-Filme gekleidet, dabei helfen Darsteller wie Katharina Schüttler und Matthias Brandt sehr. Es geht um: Menschen in Duisburg, um Schimanskis Seele und rohe Eier.
Schimanski - Tod in der Siedlung, ARD, Sonntag, 20.15 Uhr.
(SZ vom 21.4.2007)


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