Am Montag warb der Spiegel mit einem Porträtfoto des "Heute-Journal"-Moderators Claus Kleber für das neue Online-Lexikon Spiegel Wissen. "Dieses Angebot des Spiegel nehme ich gerne an", stand dabei. Pikanterweise ist das Gegenteil der Fall.
Werbefigur wider Willen: Claus Kleber Foto: dpa
Die Werber des Nachrichtenmagazins druckten das Motiv ohne die ausdrückliche Genehmigung Klebers.
Weil ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender die Devise ausgegeben hat: Journalisten werben nicht!, durfte auch Kleber nicht werben. Brender musste zwar, wie er sagt, schmunzeln, als ihm von der Aktion berichtet wurde, denn Kleber hatte es am Ende des vergangenen Jahres abgelehnt, Chefredakteur des Spiegel zu werden.
"Wider besseres Wissen"
Doch "wider besseres Wissen", sagte Brender, sei die Anzeige vom Spiegel verbreitet worden. Er habe Kleber die Genehmigung nicht erteilt und Kleber habe sie auch der Spiegel-Werbung nicht erteilt.
"Als ich vom Spiegel angerufen wurde", sagte Claus Kleber am Dienstag, "fand ich das spontan eine sympathische Idee". Allerdings habe er mitgeteilt, dass er dafür die Erlaubnis des ZDF einholen müsse. Er habe es dann nach Brenders Entscheidung versäumt, den Spiegel ausdrücklich über die Absage zu informieren. So sei ein Schwebezustand entstanden, in dem sein "Schweigen für Zustimmung gehalten" wurde.
Inzwischen hat Kleber eine förmliche Entschuldigung des Blattes. Darin heißt es: "Es tut uns leid, dass dieses Motiv erschienen ist, da wir fälscherlicherweise von ihrer Zustimmung ausgegangen sind." Der Spiegel wird deshalb einen Ausgleich leisten und eine "namhafte" (Kleber) Summe in den Rory Peck Trust einzahlen.
Der britische Kameramann Rory Peck kam 1993 als Mitarbeiter der ARD in Russland während eines Feuergefechts vor dem Moskauer Sendezentrum ums Leben. Kleber sagte, er hätte das Honorar für die Werbung ohnehin dem Trust zukommen lassen.


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