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Ohne Schweiz kein Preis
Raab sucht den Superstar
11.01.2008, 15:13
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Mit Herz und Soul: Stefanie Heinzmann aus dem Wallis und ihr Entdecker. (Fotos: Pro Sieben)
Tief in der Nacht, wenn wir auf den anderen Sendern nur noch Wiederholungen, Sexy Sport-Clips und Telefonistinnenrätsel sehen, zelebriert Stefan Raab die Höhepunkte seiner Abendunterhaltung. Wie zuletzt "Schlag den Raab" endete das Finale der Castingshow "SSDSDSSWEMUGABRTLAD" weit nach Mitternacht, um zwei Uhr am Freitagmorgen, als pflegte Raab diesen vampiresken Kult der Late-Late-Night ganz bewusst.
Die Siegerin heißt Stefanie, kommt aus dem Wallis, ist erst 18 Jahre alt und hat eine außergewöhnlich soulige Stimme. Nicht nur, weil sie Jury- wie Publikumsliebling war, konnte sie nicht verlieren, sie hatte zudem den größten Glücksbringer im Gepäck: ein massives beschriftetes Holzbrett, das sie mit beiden Armen umklammert hielt.
Leckere Boulevardpresswurst
Der Showtitel "SSDSDSSWEMUGABRTLAD" steht für "Stefan sucht den Superstar, der singen soll, was er möchte, und gerne auch bei RTL auftreten darf." Entstanden als ironische Reaktion auf die rigide Personalpolitik von Dieter Bohlens RTL-Show "Deutschland sucht den Superstar", die dem Aussteiger Max Buskohl einen Auftritt bei Raab untersagte, geriet Raabs Castingshow um so seriöser, weil sie die Bedingungen des Genres reflektierte und Distanz zu seinen Exzessen hielt.
So gab es dankenswerterweise keine inszenierten Affären rund um die Kandidaten, deren einziger Zweck darin besteht, sie allmorgendlich in eine besonders leckere Boulevardpresswurst zu stopfen.
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Stefan Raab demonstrierte, wie im privaten Rundfunk Qualitätsfernsehen entsteht: Im Vergleich zu den Castingshows der Herrschaften Geller, Bohlen oder Klum wirkte "SSDS..." wie Hochkultur, eine festlich gestimmte Insel, Pro Siebens Bayreuth. Von der ersten Folge an, als 20 Kandidaten in den Wettbewerb gingen, wurden die Talente vor verfrühten Zurichtungen des Marktes wie vor Freakshow-haften Blamagen geschützt. Raab suchte nach der Qualität im Mainstream und betrieb diese Suche mit seltenem Ernst.
So beschränkten sich die peinlichen Momente auf die adventliche Visite der Gastjurorin Sarah Connor, deren Artikulationsunfähigkeit, verbunden mit einem unkontrollierbaren Drang, sich selbst ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu spielen, allzu sehr mit der Bodenhaftung der Nachwuchssänger kontrastierte.
Weltberühmt im Raab-Kosmos
Ohne den üblichen Rummel also, beinahe still und leise, fand die Show Freitagnacht ihre Siegerin. Steffi, Mario, Stefanie und Gregor, wie vier Freunde traten sie zum finalen Vorsingen an, stets nur mit Vornamen präsent, als zählte die Konkurrenz weniger als der Gruppengedanke. Dass Mario es so weit gebracht hatte, war die größte Überraschung, denn mit Cowboyhut und Countrypoprock kann man sich hierzulande nichtmal in jedem Texas-Saloon blicken lassen.
Zwischen den Auftritten wurde ein Auto angepriesen, das es zu gewinnen gab. Die Shopping-Channel-würdigen Ausführungen der Moderatoren Johanna Klum und Elton quittierte das Saalpublikum mit Lachen: So deplatziert wirkte der unverstellte Kommerz in dieser nahezu perfekten Illusion vom authentischen und harmonischen Künstlertum.
Die Schlussrunde mit auf den Leib geschriebenen Stücken lief auf einen Zweikampf zwischen Stefanie und Gregor hinaus: Der vollbärtige Liedermacher zog einen weiteren seiner deutschsprachigen Songs aus dem Repertoire, durchlitt ihn intensiv und begleitete sich trotz des beim Fußballspielen lädierten Daumens auf der Gitarre. Mit einer Rock-Begleitband könnte er Jeff-Buckley-artige Schrei- und Gitarrenekstasen entfachen. Das sei "genial" gewesen, schwärmte Juror Carl Carlton, es hätte ihm die "Pipi in die Augen" getrieben.
Wenig später hörte er dann "die Supremes in einer Person", denn da stand Stefanie auf der Bühne: Sie macht ab jetzt Amy Winehouse und Joss Stone
mit der Motown-typischen (inklusive Backgroundladys) Nummer "My Man is a Mean Man" Konkurrenz. Von so viel interpretatorischer Präsenz wurde auch Gregor überragt, der jedoch als Songschreiber eine ganz eigene Stimme ist.
Ob Stefanie jemals bei RTL oder einem anderen Sender auftreten wird, ist ungewiss. Realistischerweise wird sie wohl, wie Raabs früheres Eigengewächs Max Mutzke, öfter mal bei Stefan Raab auftreten. Zum Beispiel nächste Woche bei "Schlag den Raab", was neben der Aufnahme des eigenen Albums als elementarer Teil des Siegprämienpakets ausgelobt wurde: So viel Selbstbezogenheit gehört bei einem Entertainer in Raabs Größenordnung inzwischen dazu.
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![]() 14.01.2008 12:02:24 trendsetzer: SSDSDDDNDGEHWG... STEFAN SUCHT DEN SUPERSTAR DER DANN DOCH NICHT DEN GEWÜNSCHTEN ERFOLG HAT WIE GEPLANT. Weil die Charakteristik dieser Shows, ob nun mit flockig-sarkastischen Stefan Raab Einlagen oder solariumverwöhnten Kommentaren aus der Bohlschen Resteverwertung gemastert, immer noch dem Selbstzweck unterliegen. Spaß bis zum Finale und Ende. Dann geht´s nahtlos in die 2. Wertschöpfung mit vorab produziertem Finalsong als Single, dem eilig zusammengeschusterten Longplayer - noch mal kurz durch die Bravo genudelt und nach 4 Wochen latscht jeder Besucher der Möbelhauseröffnung in Herne am "Specialguest aus Funk & Fernsehen" teilnahmslos vorbei...Danach geht es wieder zurück, in die wohlverdiente Mittelmäßigkeit. Die Halbwertzeit der "Superstars" - die entweder mit Dieters Schnulzensosse aus der Dose oder dem etwas frischeren weil zeitgemässeren Blöd-Eyed-Soul von Raab hochgedopt - ist auf maximal 12 Wochen nach Sendepause angelegt. Und da wir nun mittlerweile über 4 (+2) Castingsshows im Jahr verfügen, braucht sich die Zielgruppe um immer neue Nacheifer-Schablonen keine Sorgen zu machen. Die Wegwerfgesellschaft hat nun auch die Spitze der Deutschen Popmusik erreicht. Und das ist den Majorlabels auch recht so. Kaum ist eine Platte draussen, wird sie schon über die Torrents und Filsharehosts gezogen - es bleibt also kaum Zeit zum Geldverdienen. Da brauchts aller 6 Monate ein frisches Eigenblutdoping und ob nun Raab oder Bohlen, Hinz oder Kunz - im Endergebnis gibt es keinen nennenswerten Unterschied... ![]()
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