Darauf haben wir gewartet, auch wenn es in die Hose geht. Hier ist die Platte zur Debatte: "Blumfeld" ziehen hinaus in die Natur und entdecken "Verbotene Früchte".
Klingt jetzt ein bisschen wie "Das Wandern ist des Müllers Lust", aber nur ganz entfernt.
Oh, Gott, nicht schon wieder eine Debatte! Es gibt doch schon die Wertedebatte und die Demografie-Debatte und die Bildungsdebatte und die Debatte über die Zukunft der sozialen Sicherungssysteme, von der Migrations-Debatte und der Neokonservatismus-Debatte ganz zu schweigen.
Und jetzt also: die Blumfeld-Debatte. Darf ein Popsänger Lieder über Pflanzen und Tiere singen, darf er Nachtigallen feiern und Alpenveilchen, darf er sich mit Schmetterling, Storch und Schnecke solidarisieren? Ist das eskapistisch? Reaktionär? Öffnet er dem Neuen Biedermeier Tür und Tor? Oder revolutioniert Jochen Distelmeyer nur mal wieder die Popmusik, indem er Tabus bricht, Hörgewohnheiten erschüttert, lieb gewonnene Konventionen vom Tisch fegt?
Puh. Schwierige Frage. Zunächst einmal gilt es festzuhalten, dass Blumfeld-Platten immer aufregend und provozierend waren. Man wollte sie sofort am Erscheinungstag kaufen, am besten gleich um 8,30 Uhr, wenn der Plattenladen aufmacht. So wie man eine Tageszeitung ja auch am besten druckfrisch liest. Um zu wissen, was los ist in der Welt. Um mitreden zu können. Wer nun aber losgeht, um sich ¸¸Verbotene Früchte" zu kaufen, die Platte zur Debatte, wird enttäuscht . Das Album ist zutiefst mittelmäßig und über weite Strecken stinklangweilig. Darin besteht der Schock, das ist der eigentliche Skandal. Die Frage, ob sich Jochen Distelmeyer vom linken Gegenkultur-Helden zum unpolitischen Naturschwärmer oder gar Neocon gewandelt hat, ist zweitrangig.
Um begreifen zu können, was da schiefgelaufen ist, muss man kurz zurückblicken.
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In diesem Artikel:
Das Leben der Anderen
Der Louvre des Lachens

