Von Viola Schenz
Es soll weder um nackte Frauen, noch um anzügliche Witze, noch um Geld gehen - die Frage ist, wovon Großbritanniens neues Männermagazin leben will. Kosten soll es jedenfalls nichts.
Keine nackten Frauen, keine anzüglichen Witze - was bleibt also? Möglicherweise das große Thema, warum der Kühlschrank immer leer ist. Foto: ddp
Neuer Lesestoff für Großbritanniens Männer: Im September soll das Magazin Short List in London und fünf anderen Großstädten auf den Markt kommen. Ungewöhnlich ist das Vertriebssystem.
Kioskbesitzer müssen für den neuen Titel keinen Platz freiräumen, denn Short List soll an auserwählten U-Bahn-Stationen und in Fitness-Studios sowie an anderen Orten, an denen mit gutverdienenden Herren zwischen 20 und 40 Jahren zu rechnen ist, verteilt werden - und zwar kostenlos. Verleger Mike Soutar, ein ehemaliger Manager des zu Time Warner gehörenden britischen Zeitschriftenverlags IPC, will damit die Idee der Gratiszeitung in den Magazinmarkt tragen.
"Nicht in Verlegenheit bringen"
Die handlichen, kleinformatigen Blätter wie 20 Minuten oder Metro, die vor allem an Bahnhöfen verteilt werden oder in Pendlerzügen ausliegen, erfreuen sich weltweit wachsender Beliebtheit - vor allem bei Lesern. Soutar, der die Riege der Short List-Investoren anführt, versucht das jetzt mit einem wöchentlichen Hochglanz-Magazin und mit einer ehrgeizigen Startauflage von 500.000.
Vorbild ist die Zeitschrift Sport, die vor drei Jahren in Paris auf den Markt kam und inzwischen auch in Großbritannien zu haben ist. Die Gesamtauflage liegt bei 700.000 Exemplaren, der Großteil wird jede Woche in französischen Städten kostenlos verteilt. Zudem gibt es eine englische Ausgabe für London, schreibt die New York Times. Die französische Ausgabe ist laut dem britischen Verlagsdirektor Greg Miall profitabel.
Anders als von Männermagazinen gewohnt, soll Short List außerdem auf weibliche Nacktheit und anzügliche Witze verzichten. ,"Wir wollen unsere Leser nicht in Verlegenheit bringen", meint Verleger Soutar. Er will vor allem Konkurrenten wie GQ oder Esquire Anzeigenkunden abjagen. Dabei müsste er sehr erfolgreich sein, denn Anzeigen sollten auch diejenigen 30 bis 40 Prozent Erlöse decken, die Magazine in diesem Segment üblicherweise über den Verkaufspreis erzielen.
(SZ vom 21.8.2007)