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Guter Ruf, böser Schrei
Jelinek reagiert auf Amstetten
08.05.2008, 10:30
Irgendwie ist es schon auffällig, dass solche Dinge immer in Österreich passieren. Natascha Kampusch. Oder der Knabenmissbrauch im Priesterseminar St. Pölten. Den heiligen Pölt, der dem zusah, mag man sich gar nicht vorstellen. Er sieht wahrscheinlich aus, wie von Helnwein gemalt. Und nun Amstetten.
Wenn die Öffentlichkeit schon bei Natascha Kampusch aus allen Wolken fiel, so weiß sie nun endgültig nicht mehr, wohin sie fallen soll. Darauf, auf eine so gründlich, zäh, umfassend durchgearbeitete Niedertracht war niemand gefasst.
Außer einer. Elfriede Jelinek verliert keine Zeit damit, Töne des Entsetzens auszustoßen. Das haben inzwischen schon andere hinlänglich getan. Sie beginnt ihren Text "Im Verlassenen", abrufbar auf ihrer Homepage, damit, dass sie das Besondere und das Allgemeine des Falls ins rechte Verhältnis bringt.
Wie von ungefähr
"Österreich ist eine kleine Welt, in der die große ihre Probe hält." Das ist zwar als Prosa gesetzt, tänzelt aber wie von ungefähr in Richtung des gereimten Epigramms.
Der Fall Amstetten muss ihr vom ersten Augenblick nicht nur als möglich, sondern geradezu als notwendig erschienen sein. Das einzig Überraschende liegt für sie vermutlich darin, dass Österreich, dieser amorphe, selbst und gerade vom Hass so schwer zu fassende Koloss, ihr auf einmal seinen gültigen Inbegriff darbietet.
Österreich ist was Spezielles. Während die Autoren, die am Boden anderer deutschsprachiger Regionen hängen, am Rheinland oder Thüringen zum Beispiel, dies für gewöhnlich mit den zarten Fäserchen der Liebe tun, senkt sich in den österreichischen Grund bevorzugt die Pfahlwurzel des Hasses.
Sie genügt, um für ein ganzes Werk und Leben Kraft zu saugen, man denke an Karl Kraus oder Thomas Bernhard. Elfriede Jelinek hat dafür den Nobelpreis erhalten. Es muss also doch was Einleuchtendes an ihrer These sein, dass Österreich sich als Probebühne fürs große Haus empfiehlt.
Ermüdend
Jelinek hat viele, die sie in den letzten Jahren hörten oder lasen, durch die Gleichform ihrer Beschwerde ermüdet. Das mag zum Teil ungerecht gewesen sein, denn wenn das Übel sich nicht ändert, warum sollte es die Beschwerde tun? Es war Jelineks Art, der Welt, ihrer Welt, die Treue zu halten. Und doch liegt im Ermüdenden ein literarisches Problem.
Nun aber ergibt sich am zwar typischen, aber doch herausragenden Anlass die Gelegenheit zu zeigen, dass der fehlende Biss ihrer Texte, den man konstatiert hat, am Brei lag, mit dem sie es zu tun hatte, und nicht an ihren Zähnen. Jetzt hat sie ihren Brocken; und da erweisen sich ihre Zähne auf einmal als scharf.
Lesen Sie auf der zweiten Seite, warum Elfriede Jelineks literarische Tricks nun funktionieren
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![]() 09.05.2008 14:02:43 was die Jelinek betrifft: die hat durchaus ihre Meriten. "Die Ausgesperrten" habe ich seinerzeit verschlungen und "Die Klavierspielerin" ist ein erschütterndes Buch. Aber 80% der Produktion dieser Autorin sind durchweg unlesbar, und ich glaube eigentlich niemandem, auch dir nicht, daß er imstande ist, sich mit geistigem Gewinn und literarischen Genuß durch diesen tristen, spukhaften Sumpf von ideologisch legitimierten Worthülsen und hyperverdünnten Abstraktionen zu wälzen. Ab einem gewissen Punkt sind ihre Texte nur mehr leblose Destillate, Montagen, und Dekonstruktionen, die sich längst von den Dingen ("der Realität"-) selber entfernt haben. Diese Ansammlung greller Zerrbilder und Karikaturen hat etwas Erstickendes, Autistisches. Ein Schmoren im eigenen, immergleichen Komplexesaft, wie er öder nicht mehr sein könnte. Und ihre ebenso ausgefeilten wie abgefeimten Verhunzungen (zB die Heidegger-Demontagen) verwechselt sie dann mit substanzieller Kritik: sich einen Popanz nach Maß zurechtschreiben, und dann sagen: seht mal, was für ein kranker Typ das ist! Wie dumm muß man eigentlich sein, um auf so eine Masche hereinzufallen?? Jelineks Werk ist ein einziges, ungenießbares Bündel aus miesmacherischen, kleinkarierten, und neurotischen Ressentiments, auf denen sie ad nauseam herumreitet, und deren Banalität sie nur dürftig mit ihrem blutleeren Sprachlego kaschieren kann. In diesem Zusammenhang ist es besonders witzig, daß gerade du mit Wischmobs à la "Die Österreicher leben schon lange mit der Lüge" angetanzt kommst, denn gerade ideologische Fossilien wie Jelinek sind die reinsten Konzentrationen, am Rande der Selbstparodie, von Uralt-Neurosen, die in dieser Form, der du applaudierst, als hättest du den Schlüssel zu den Weltgeheimnissen gefunden, wohl nur mehr ein paar Schwafelbarone und Zuspätgekommene ernstnehmen. ![]()
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