Mario Frank, der Geschäftsführer des Spiegel, steht vor seiner Ablösung, weil sich das selbstbewusste Magazin von ihm wie ein beliebiges Print-Produkt behandelt fühlte. Ein Nachfolger ist offenbar schon gefunden.
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Am Freitag haben sich die fünf Geschäftsführer der Spiegel-Mitarbeiter-KG, die 50,5 Prozent des Spiegel-Verlages vertreten, offenbar getroffen und abgestimmt. Es ging wohl um Geschäftsführer Mario Frank, der nach Lage der Dinge das Vertrauen der KG verloren hat und damit vor seiner Ablösung steht. Der Grund soll sein: Ein Mangel an Führungsqualitäten.
Noch am Mittwoch dieser Woche hatten die Gesellschafter des Spiegel-Verlages getagt - die KG (50,5 Prozent), Abgesandte des Verlages Gruner + Jahr (25,5) und die Augstein-Erben (24) -, um Frank zu entlasten. Im ehemaligen Büro des 2002 verstorbenen Spiegel-Gründers Rudolf Augstein wurde Franks Geschäftsabschluss, der die Grundlage bildet für die Gewinnausschüttung, unaufgeregt akzeptiert. Sogar die wirtschaftliche Expertise des promovierten Juristen soll grundsätzlich Zustimmung gefunden haben.
Wandel des Kräfteverhältnisses
Trotzdem scheint Frank, der im Januar 2007 angetreten war, um den Spiegel-Verlag strukturell auf eine sich rasant verändernde Medienbranche neu einzustellen, seinen Fünfjahresvertrag nicht mehr erfüllen zu können. Im Stillen vollzog sich ein Wandel des Kräfteverhältnisses in der stimmstarken Mitarbeiter KG. Am Freitag kam heraus, dass von den fünf KG-Geschäftsführern nur noch einer zu Frank stehe. Dem Vernehmen nach soll sich auch KG-Sprecher Armin Mahler, der im Spiegel das Wirtschaftsressort leitet und beteiligt war an der Entscheidung, Frank zum Spiegel-Verlag zu lotsen, von Frank angewendet haben.
Aus dem Umfeld der KG wurde diese Entwicklung weder bestätigt noch dementiert. Ein Sprecher des Verlages Gruner + Jahr wollte am Samstag "keine Stellung zu Spekulationen“ beziehen, betonte aber, dass Frank weiter das Vertrauen von G + J genieße.
Denkbar ist trotzdem, dass es bereits informelle Absprachen zwischen der KG und Gruner + Jahr gegeben hat. Die Entlassung des Verlags-Geschäftsführers kann nur auf Beschluss der Gesellschafter ausgesprochen werden. So ein Beschluss muss vorbereitet werden, treffen brauchen sich die Parteien allerdings nicht. Ihre zirkulierende Zustimmung würde reichen.
Verdächtige Nähe zu Gruner + Jahr
Von Anfang an tat sich der 49-Jährige Frank schwer, in die spezielle Spiegel-Kultur zu finden. Spiegel-Mitarbeiter hatten sehr bald das Gefühl, dass Frank das selbstbewusste deutsche Nachrichtenmagazin wie ein beliebiges Print-Produkt behandelte. Außerdem war vielen verdächtig, dass Frank seit 1987 für Gruner + Jahr tätig war, zuletzt beim Dresdener Druck- und Verlagshaus (Sächsische Zeitung). Im Machtkampf mit dem ehemaligen Chefredakteur Stefan Aust traten über Monate auch Stillosigkeiten zutage, die im Spiegel die Stimmung gegen Frank wendeten. So sei es, berichten Redakteure, einerseits erleichternd gewesen, als Aust im Januar sein Büro räumen musste. Doch wie Frank den Fall behandelt habe, sei mit unprofessionell freundlich beschrieben.
Seit sich die Mitarbeiter KG Franks Plänen widersetzte, 50 Prozent der Financial Times Deutschland (FTD) zuzukaufen, stimmte die Chemie nicht mehr. Dass der Verlagschef in seinem Büro auf Bücher verzichtete, stattdessen in seinem Rücken eine antike Schreibmaschinensammlung an die Wand montieren ließ, wurde symbolisch gedeutet. Eine Liebe zum Zeitschriftengeschäft sei nicht erkennbar.
Fehler in der Kommunikation
In einem SZ-Interview sagte Mario Frank Anfang Februar, dass er die "laute öffentliche Debatte“ in der Auseinandersetzung mit Aust "schwierig" fand. Für ihn sei 2007 "eines der lehrreichsten Jahre" in seinem Berufsleben gewesen. Auch räumte er Fehler "bei den kommunikativen Elementen“ ein.
Doch das verschaffte ihm offensichtlich keine Sympathien mehr. Noch, soll ein KG-Mitglied geäußert haben, gehe es dem Spiegel ja gut. Was aber, wenn sich die ökonomische Wetterlage verschlechtere und man auf einen Geschäftsführer angewiesen sei, der schon bei schönem Wetter alle gegen sich habe? Ein Nachfolger soll angeblich gefunden sein: Franks Stellvertreter Matthias Schmolz, 44. Schmolz wäre eine typische Spiegel-Lösung, denn er durchlief die Spiegelhausschule mit Stationen in der Dokumentation und im Unternehmen. Auch die Chefredaktion wurde im Februar mit internen Kräften besetzt, mit Georg Mascolo, der einer der Berliner-Büro-Leiter war, und Matthias Müller von Blumencron, der Spiegel Online aufgebaut hatte. Es scheint, als fände Augsteins Blatt wieder ein wenig zu sich zurück.

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