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Plitsch, Plopp, Plöpp!
Helden-Hochstabler im deutschen Kulturbetrieb
21.07.2005, 12:42
Kunst ist, wenn alle drauf reinfallen. ()
Markus Lüpertz, Maler und Bildhauer
Auf den ersten Blick: Respekt. Da scheint es also einen zu geben, dem der Zeitgeist völlig wurscht ist. Beim näheren Hinsehen wundert man sich aber schon ein bisschen: Lüpertz, der Kanzlerfreund, ist ein Möchtegerndandy mit Hang zu kruden Allerwelts-Statements.
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Gern sagt er sperriges Zeug wie: »Die Künstler haben Gott geholfen, die Welt zu schaffen« oder »Es fing an, in mir zu adlern«. Kritiker seines Werks nennt er schon mal »Hosenscheißer«. Lüpertz möchte ein Malerfürst und Großkünstler sein, wie im 19. Jahrhundert. Seine jüngsten Werke, ein molliger Bundesadler in Karlsruhe und ein muskulöses Mozart-Denkmal in Salzburg, sagen viel über ihn aus: Da tut jemand so, als könnte Kunst wieder eine nationale Identität aufbauen helfen. An so etwas glauben aber nur noch ein paar versprengte Neokonservative in Berlin.
HOLGER LIEBS
Frank Schirrmacher, Journalist
Früher wob er Legenden, wie er im äthiopischen Bürgerkrieg freischärlerte oder als Student in Harvard über die Hitler-Biografie seines Herausgebers referieren sollte. Damit waren die bei der FAZ leicht zu balbieren und der Herausgeber machte ihn sogleich zu seinem Kronprinzen. Inzwischen ist der Bluff wahr geworden durch die reine Macht. Die Superlative, mit denen er seine Dröhn-Prosa bewaffnet, haben sich erfüllt. Er ist kein Kindkaiser mehr, der sich mit Kreischen bemerkbar machen muss. Wenn er ein Buch zusammenkrakelt, das vage vom Alter handelt und doch bloß die Hände ringt nach alter Weise, dann kann es nicht mehr ohne den Einsatz der größten Glocken im Land erscheinen: Ein Syndikat von Kohlschem Format steht zu Befehl. Der Spiegel preist das Werk und druckt es vorab, Bild preist es und druckt es vorab. (Pressefreiheit heißt, sich in Wort und Bild für dumm verkaufen zu lassen.) Lesen muss das Zeug ja keiner; die Drohung mit der binnen drei oder höchstens vier Tagen fälligen Apokalypse reicht schon für den Sensationserfolg. Gaunerhafter, felixkrulliger hat sich nie einer nach vorn und oben gemogelt. Das kann man nur bewundern. Kunst ist, wenn alle drauf reinfallen.
WILLI WINKLER
Im nächsten Klick:
Christoph Schlingensief, Daniel Brühl, Elfriede Jelinek, Klaus Biesenbach, Bruno Ganz, Hans Magnus Enzensberger, Wim Wenders, Guido Knopp
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