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Der Klügste gibt nach
DRM: Der Kopierschutz bei Film und Musik
08.02.2007, 08:46
Wie bei jedem Schauspiel geht es auch beim neuesten Drama des Urheberrechts um Hören und Sehen. In diesem Fall aber wird dem, der hören will, eine frohe Botschaft verkündet, die für den, der sehen will, mit aller Entschiedenheit dementiert wird. Es handelt sich um den legalen Konsum von Musik, und es handelt sich um den legalen Konsum von Filmen - die beiden werden sich künftig mit konträrer Logik gegenüberstehen.
Steve Jobs, der Chef von Apple, fordert jetzt in einem spektakulären Aufruf, dass alle Musiktitel, die im Internet von den großen Anbietern wie Apples "iTunes", Microsofts "Zune" und Sonys "Connect" verkauft werden, in Zukunft ohne Kopierschutz - dem so genannten Digital Rights Management (DRM) - auf den Markt kommen. Damit würde eine Barriere fallen, die die Käufer bisher daran hindert, ihre aus dem Netz rechtmäßig heruntergeladenen Titel untereinander auszutauschen und auf Abspielgeräte anderer Hersteller zu kopieren. Bislang kann ein iPod-Besitzer seine Titel nicht mit Besitzern anderer MP3-Player austauschen, nicht einmal mit Besitzern identischer iPod-Geräte.
Umgekehrt wird es auf dem kommenden Markt der auf DVD oder auf Festplatten gespeicherten Filme zugehen. Im neuen Betriebssystem von Microsoft, Vista, mit dem über kurz oder lang weltweit die allermeisten Computer ausgestattet sein werden, ist eine ausgeklügelte technische DRM-Kontrolle eingebaut, die jedes Kopieren nach den äußerst restriktiven Vorgaben der Filmproduzenten reguliert - das heißt im wesentlichen ausschließt. Eiserner Griff der einen Industrie, erwünschte Freigabe der anderen. In der Tat sind, bei identischer Urheberrechtslage, die Interessenunterschiede gewaltig.
Steve Jobs" Argumente belegen, dass die Musikindustrie im Begriff ist, den Anpassungsprozess an die digitale Verfügbarkeit ihrer Titel allmählich zu meistern. Die wilde Zeit des Raubkopierens ist nicht vorbei, aber inzwischen offenbar für die Rechteinhaber kalkulierbar. Die Zahlen sind deutlich: Bis Ende 2006 hat Apple rund 90 Millionen iPods verkauft und 2 Milliarden Musiktitel. Damit kommen auf jedes Gerät im Schnitt 22 über iTunes erworbene Musikstücke. Da jedoch auf jedem iPod durchschnittlich 1000 Songs gespeichert werden, stammen nur weniger als 3 Prozent der Titel von iTunes mitsamt ihrem DRM, die übrigen 97 Prozent stammen aus anderen Quellen, ohne eingebauten Rechtsschutz.
Nun sind es ja die Musikunternehmen, allen voran die großen Vier (Universal, Sony BMG, EMI und Warner, die zusammen 70 Prozent des Musikmarkts beherrschen), die den Musikportalen die Song-Lizenzen nur unter der Auflage erteilen, dass die heruntergeladenen Titel mit digitalem Kopierschutz versehen sind. Doch gerade sie können Steve Jobs" Freigabeforderung wenig entgegensetzen: Im Jahr 2006 wurden von ihren Titeln durch sämtliche legalen Internetportale und Tauschbörsen insgesamt knapp 2 Milliarden Stück verkauft. In derselben Zeit haben sie aber selbst mehr als 20 Milliarden Titel veräußert, in erster Linie auf CD - komplett ungeschützt und DRM-frei.
Welches legitime Interesse kann darum die Musikindustrie an einem fortbestehenden Kopierschutz geltend machen, den sie selbst zu über 90 Prozent außer acht lässt? Die Antwort ist klar. Trotzdem nennt der Vertreter des deutschen Phonoverbandes gegenüber der SZ den Vorschlag von Apple "scheinheilig" - auf das Faktum, dass die Phonoindustrie ihrerseits in neun von zehn Fällen keinen Kopierschutz praktiziert, geht er nicht ein. Allenfalls Konkurrenten von Apple wie Microsoft oder AOL mit ihren Musikportalen werden sich mit dem Optimismus von Jobs schwerer tun. Denn sie verdienen nur an den heruntergeladenen Titeln, während Apple vor allem mit dem Abspielgerät selbst, dem modisch so gelungenen iPod, sein Geld macht - im Zeitalter der digitalen Wildbahn die genialere Geschäftsidee.
Der Filmindustrie, für die eine andere Produktions- und Vertriebsökonomie gilt, bleibt auf absehbare Zeit nur der steinige Weg der technischen Kontrolle über ihre Rechte. Nichts ist legitimer, aber nichts ist auch offener als der Ausgang dieses Hase- und Igel-Spiels, das sie sich mit den Hackern dieser Welt liefert.
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