Von Caspar Busse

Der Umbau des Berliner Verlagskonzerns Axel Springer geht voran: Offenbar will sich das Unternehmen von Regionalzeitungen trennen - zugunsten eines verstärkten Engagements im Online- und Auslandsgeschäft.

Springer-Chef Mathias Döpfner treibt den Umbau des Berliner Verlagskonzerns voran. Wie aus dem Umfeld des Unternehmens verlautete, sollen nun die Beteiligungen an verschiedenen Regionalzeitungen verkauft werden.

Es gebe dazu bereits konkrete Sondierungsgespräche mit der Verlagsgruppe Madsack. Entscheidungen stünden aber nicht unmittelbar bevor. Auch der Aufsichtsrat habe noch nicht darüber beschlossen, hieß es. Springer wollte dazu am Dienstag keinen Kommentar abgeben.

Springer hält eine ganze Reihe von Minderheitsbeteiligungen an großen Regionalzeitungen. So ist der Konzern mit 50 Prozent an der Leipziger Volkszeitung (LVZ) beteiligt, die anderen 50 Prozent liegen bereits bei Madsack. Zudem hält Springer 50 Prozent an der Ostsee-Zeitung in Rostock, 49 Prozent an den Lübecker Nachrichten und 24,5 Prozent an den Kieler Nachrichten.

Die LVZ kommt derzeit auf eine Auflage von 230.000 Exemplaren und ist einer der wichtigsten Titel in den neuen Ländern, die Ostsee-Zeitung erreichte zuletzt 158.000 Exemplare täglich. Madsack mit Sitz in Hannover und einem Umsatz von rund 500 Millionen Euro verlegt unter anderem die Hannoversche Allgemeine Zeitung.

Die Verhandlungen seien kompliziert, heißt es weiter, da an den einzelnen Verlagshäusern meist weitere Gesellschafter beteiligt sind, die über teilweise weitreichende Veto- oder Vorkaufsrechte verfügen. Relativ einfach sei die Lage noch bei der LVZ.

Künftig mehr auf das Online- und Auslandsgeschäft konzentrieren

Dazu kommt, dass derzeit mit einer Verschlechterung der Werbekonjunktur im Zeitungsmarkt gerechnet werde. Madsack könnte mit einem Erwerb der Titel das eigene Zeitungsgeschäft deutlich stärken. Wie hoch der Kaufpreis für das ganze Paket sein wird, ist offen. Er dürfte sich im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich bewegen.

Springer ist unter anderem mit der Bild- und Welt-Gruppe einer der größten Verlagskonzerne Europas, will sich künftig stärker auf das Online- und Auslandsgeschäft konzentrieren. Minderheitsbeteiligungen sollen bereinigt werden. Döpfner propagiert immer wieder die Expansion in andere Bereiche, der Ausflug in die Postdienstleistungen wurde aber mit hohen Verlusten Ende 2007 schnell wieder beendet. Auch im Ausland, etwa in Polen, besteht Interesse an Zukäufen, etwa an dem Verlag Presspublica, der die drittgrößte Tageszeitung Rzeczpospolita publiziert.

(SZ vom 22.10.2008/ihe)

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