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"Sie ist die Projektion von uns allen"

ARD: Romy

10.11.2009, 17:26

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  1. "Sie ist die Projektion von uns allen"
  2. Ein Chamäleon-Genre

Interview: C. Keil

Regisseur Torsten C. Fischer spricht über sein Melodram "Romy" und den Lebenskampf einer Frau, die ihrer Zeit voraus und am Ende von allen verlassen war.

Romy Schneider, Jessica SchwarzGrossbild

Jessica Schwarz spielt Romy Schneider im ARD-Film "Romy" am Mittwoch, 11.11., um 20.15 Uhr in der ARD. (Foto: ap)

Die Entdeckung dieses Dramas ist nicht Jessica Schwarz, die schon bei Dominik Graf (Kalter Frühling, 2003) oder in Inszenierungen für den Theaterkanal (Lulu, 2006) aufgefallen ist als kraftvolle Darstellerin vielschichtiger Persönlichkeiten. Thomas Kretschmann ist die Entdeckung der filmischen Biografie Romy Schneiders. Kretschmann spielt Schneiders ersten Ehemann, den Dramatiker und Darsteller Harry Meyen. Meyen war Jude, er überlebte das KZ, an der Seite Romy Schneiders fühlte er sich klein. Sie, der Star, der häuslich werden wollte in West-Berlin, vermittelte ihm Engagments als Regisseur. Keines hatte Erfolg. Diese Zeit, der Versuch Romy Schneiders, sich mit den Deutschen zu versöhnen, bildet den Schwerpunkt des ARD-Fernsehspiels Romy.

Regisseur Torsten C. Fischer, 46, versucht nicht, mit dem Original zu konkurrieren, aber das tut sein Film natürlich. Schneiders Leben hängt einem zu vertraut im Kopf: die rebellische Sissi, die enttäuschte Liebe zu Delon, ständig die falschen Männer, ständig Ängste, Alkohol, Tabletten, ihr Ende ein letzter Strich auf einem Blatt Papier. Gekonnt spielen Fischer und sein Kamermann Holly Fink mit bekannten Motiven und mit Materialien. Ihr Film ist gut, vor allem handwerklich. Aber reicht das an kreativem Input? Filmische Biografien sind Bilderbögen, man muss sie mögen. Sie beginnen meist in der Kindheit und enden meist mit dem Tod. Jedenfalls Kretschmann wirkt fabelhaft einsam, kalt und zerstört als Meyen. Die Trennung von seinem Sohn beschleunigt seinen Zerfall. 1979 erhängt sich Meyen, drei Jahre später stirbt Romy Schneider.

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SZ: Herr Fischer, wie dreht man einen Film, der Juristen als Cutter hat, weil die Frage des Persönlichkeitsrechts genauso wichtig war wie die Frage nach der künstlerischen Umsetzung des Stoffes?

Torsten C. Fischer: Die Frage des Persönlichkeitsrechts spielte für mich sekundär eine Rolle - mir war es wichtig, Romy Schneider mit Würde, aber nicht unkritisch zu begegnen. Wenn man genau recherchiert, braucht man Juristen nicht zu fürchten. Der Drehbuchautor, Benedikt Röskau, hat lange geforscht und ist durch seine Erfahrungen mit Contergan für so eine Aufgabe sehr profiliert.

SZ: Der WDR-Zweiteiler Contergan konnte 2007 erst nach einem monatelangen Rechtsstreit mit dem Pharmakonzern Grünenthal ausgestrahlt werden. Das bleibt Ihnen erspart . . .

Fischer: . . . obwohl wir oft an juristische Grenzen gestoßen sind. Es war nicht immer einfach, Lösungen zu finden.

SZ: Romy Schneider ist 1982 gestorben, 27 Jahre lang hat sich niemand eine Inszenierung ihrer Biografie zugetraut. Warum war es plötzlich doch so einfach? Im vergangenen Jahr gab es kurzfristig drei, vier, fünf Romy-Schneider-Projekte fürs Fernsehen und das Kino.

Fischer: Der Anlass war sicher ihr bevorstehender 70. Geburtstag im September 2008. Gescheitert sind die meisten Projekte, weil versucht wurde, sich mit Romy Schneider früher nahestehenden Personen einzulassen. Das sind überwiegend Menschen, deren Leben sich ebenfalls durch eine gewisse Berühmtheit auszeichnet. Sie legen großen Wert darauf, in der Öffentlichkeit gut auszusehen.

SZ: Mit wem haben Sie gesprochen?

Fischer: Es gab Kontakte zu Daniel Biasini, Romy Schneiders zweitem Ehemann. Wir haben schnell gemerkt, wie das Bild von Romy Schneider verfälscht worden wäre, hätten wir uns auf seine Vorstellungen eingelassen. Es wäre wie eine Zensur gewesen.

SZ: Folglich haben Sie sich an veröffentlichtes Material gehalten. Wurden die Inhalte des Films auch mit Alain Delon geklärt?

Fischer: In Frankreich gilt ein anderes Persönlichkeitsrecht als in Deutschland. Es reicht, wenn einer sagt: Ich möchte nicht vorkommen. Man kann dann nur Material verwenden, das öffentlich dokumentiert ist. Privates, Dialoge in den eigenen vier Wänden, sind ja nicht verifizierbar und deshalb nicht darstellbar.

SZ: Das heißt, alles, was Delon betrifft, ist ebenfalls belegt?

Fischer:
Das heißt zunächst, eine französische Filmproduktion wird immer darauf angewiesen sein, mit Delon zu kooperieren. Der SWR hat Signale von Delon erhalten, dass er sich nicht gegen seine Darstellung in unserem Film wenden würde.

Magda Schneider, die Mutter, war das größte Problem



SZ:
Probleme hatten Sie mit den Erben Magda Schneiders, Romy Schneiders Mutter.

Fischer: Eine Erbengemeinschaft sorgt sich um ihren Persönlichkeitsschutz. Tatsächlich war Magda Schneider die schwierigste Aufgabe, die wir lösen mussten.

SZ: Weil sie als Mitläuferin der Nazis gilt, was die Erbengemeinschaft ganz anders sieht, vermutlich?

Fischer: Wir haben versucht, ein ambivalentes Bild von ihr zu zeichnen, und wir sind gegen das Klischee angegangen, dass sie ihre Tochter nur unterdrückt und ausgebeutet habe. In Gesprächen mit einer Lebensfreundin Romy Schneiders, die ich glücklicherweise führen durfte, hat sich das Bild über Magda Schneider gewandelt.

Lesen Sie auf Seite 2, warum Torsten C. Fischer Romys Leben unbedingt verfilmen wollte.

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Leserkommentare (1)



12.11.2009 13:02:39

schnarchstop: Interessant

Interessant finde ich, dass viele Menschen von Romy und diesem Film berührt sind, obwohl der gezeigte Lebensstil nicht nachahmenswert ist.

Während über Heidi Klum, die im gleichen Alter erfolgreiche Mutter von 4 Kindern ist, oft kritische Töne zu lesen sind.

Neben Romy sieht man eben immer noch irgendwie gut aus, scheint mir und das Tragische in ihrem Leben lässt Tiefe ahnen, an der man sich wohlig beteiligt, wohlwissend auf der sicheren Seite zu sein.


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