Wolverine, ein mutmaßlicher Blockbuster, landet einen Monat zu früh im Netz, ein Angestellter des Hauses rezensiert diese Raubkopie. Wird der Mann dafür entlassen?
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Dieses Foto ist schrecklich, aber wenigstens legal. Foto: 20th Century Fox
Wie es halt so geht: Tausende haben bereits eine Version des heiß erwartetet Films „X-Men Origins: Wolverine“ gesehen – einen Monat, bevor er ins Kino kommt. Das liegt daran, dass zu Beginn der letzten Woche eine unfertige Kopie dieser Comic-Verfilmung ins Internet gelangt ist und von dort massenhaft herunter geladen wurde.
Der Filmverleiher, 20th Century Fox, ist ratlos, wie das passieren konnte. Zudem sei der dort kursierende Film völlig unfertig: Musik und Special Effects seinen allenfalls rudimentär eingesetzt - das Ding sei alles andere als in akzeptabler Kino(ver)fassung.
Dennoch: der Film grassiert schlimmer als eine Pestepidemie. Eric Garland, der Chef von BigChampagne, einer Firma, die Filesharing-Sites und das Nutzerverhalten dort beobachtet, nennt Wolverine schon einen „beispiellosen Vorgang.“
Das Studio, eine Abteilung der „News Corporation“ von Rupert Murdoch, mühte sich zwar um Schadensbegrenzung, nachdem man die Nachricht von der Frühkopie zuerst für einen verfrühten Aprilscherz gehalten hatte. Doch es war nichts mehr zu machen: BigChampage schätzt, dass „Wolverine“ inzwischen im unteren hunderttausender Bereich heruntergeladen wurde, „torrentfreak“ behauptet hingegen, dass wenigstens 900000 illegale Downloads stattgefunden haben. Fox stellt jedenfalls fest, dass man das FBI und die Motion Picture Association of America eingeschaltet habe. Sie ermittelten angeblich nun gemeinsam, wo die undichte Stelle im Unternehmen zu finden ist.
Draußen passierte nun zweierlei – nicht minder erstaunlich: Einerseits erregen sich Fachblogger wie Nikki Finke von „Deadline Hollywood Daily“ und Brad Brevet von „Rope of Silicon“ über das „Albtraum-Szenario für Fox“ und über die undichte Stelle. Sie wünschen fast im Wortlaut, dass „die Verantwortlichen gefunden und bis zur äußersten Grenze des gesetzlich Möglichen bestraft“ werden mögen.
Denn „die gesamte Filmindustrie bis hin zu den Zuschauern“ sei durch die unerlaubte Vorveröffentlichung „hart getroffen worden. Und nur die Zeit wird zeigen, wie sehr.“ (http://www.ropeofsilicon.com/article/lets-finally-address-the-leaking-of-x-men-origins-wolverine) Blogger sind es auch, die sich selber darauf einschwören , den Frühfilm nicht zu besprechen: „Wer, um Himmels willen, will diesen Film auch nur sehen?“, schreibt etwa Clint Morris von Moviehole, „Er ist ja nicht einmal fertig! Ihr beraubt euch selbst einer Erfahrung, Kinder!“
Andererseits tat genau das ein Filmkritiker der News Corp. Es ist ein absurder Vorgang: Roger Friedman, Kolumnist von Foxnews.com besprach wohl recht launig den illegal ins Netz gestellten Film in seiner Rubrik „Fox 411“ – und wie er an ihn heran gekommen ist. Eine Anstiftung zu illegalem Tun gewissermaßen. Deadline Hollywood Daily zitiert das inzwischen entfernte Posting Friedmans: „Auf der Webseite war alles, was derzeit in Kino und Fernsehen angesagt ist,“ hieß es angeblich in dem inzwischen vom Netz genommen Posting Friedmans, „In weniger als einer Sekunde begann das Streaming, ich hätte auch den gesamten Film downloaden können. Aber, Mann, wer hat dazu schon die Zeit und den Festplattenspeicher? Aber insgesamt: Es ist so viel angenehmer, als nach draußen in den Regen zu gehen.“
Diese Kurzkritik und die Umstände ihrer Erstellung wiederum brachte Arbeitgeber Foxnews.com auf den Plan. Informiert vom hauseigenen Filmstudio, das Friedmans Kritik unter anderem „tadelnswert“ nannte, ließt Foxnews.com die Kolumne löschen und – feuerte wohl Friedman. „Wir wurden darauf aufmerksam gemacht, dass Roger Friedman, ein Freier Mitarbeiter für Fox 411 on Foxnews.com, nicht nur einen unfertigen und illegal ins Netz gestellten Film angeschaut, sondern auch rezensiert hat. Das können wir auf keinen Fall tolerieren, ganz gleich, ob seine Kritik nun gut oder schlecht ausgefallen ist.“
Goutieren konnten das auch nicht die sowieso schon kritischen Blogger, die Variety.com zufolge, gemeinschaftlich die Entlassung des Kritikers forderten: „Wie kann Foxnews.com die Eier haben, einen unfertigen, illegal ins Netz gestellten Film zu rezensieren, dessen Existenz die eigene Firmenschwester so bald wie möglich vernichtet sehen möchte?“, fragt denn auch Rope of Silicon.com. (http://www.ropeofsilicon.com/article/how-is-fox-news-roger-friedman-not-fined-for-reviewing-wolverine)
Was denn die von Rupert Murdoch ausgegebene Losung von der „Null-Toleranz gegenüber Raubkopien“ tatsächlich im Fall Friedman bedeutet, ist indes noch unklar: Zwar wurde das Posting Friedmans, der seit 10 Jahren für Foxnews.com als Kolumnist tätig ist, recht bald entfernt.
Über seine Demission gibt es indes widersprüchliche und letztendlich nur vage Aussagen. So heißt es, nach Darstellung von Variety.com bei der News Corporation am Sonntag: „Roger Friedmans Ansichten werden in keinster Weise von News Corp. Geteilt. Wir sind – zusammen mit der 20th Century Fox Film Corp. – die erbittertsten Gegner und Bekämpfer von Raubkopien und zeigen Null-Toleranz für jedwede Handlung, die zu Piraterie ermutigt. Als wir FoxNews.com mit den Fakten konfrontierten, wurde Mr. Friedman sofort entlassen.“ FoxNews.com selber hält sich bedeckter und spricht hingegen nur von „internen Angelegenheiten, die zum gegebenen Zeitpunkt noch nicht öffentlich diskutiert werden können.“





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