So gefährlich wie Hitlers Horden?
Götz Aly: "Unser Kampf"
19.02.2008, 09:47
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Rudi Dutschke auf einer demo in Berlin - für Götz Aly propagierten die 68er gefährlichen Extremismus. (Foto: ap )
Die deutsche Vergangenheitsbewältigung ist jetzt im Jahr 1968 angekommen. Anlässlich des Jubiläums wird entsprechend viel publiziert. Der Historiker Götz Aly hält die Achtundsechziger rückblickend für ebenso gefährlich wie die rechten Horden, die zu Hitlers frühen Zeiten durch deutsche Straßen marschierten.
Norbert Frei betrachtet "1968" in internationaler Perspektive und findet viele Gemeinsamkeiten zwischen bundesdeutschen Aktivisten und denen anderer Länder. Reinhard Mohrs Buch ist eine gute Medizin gegen Alys verbissene Generalverdammnis. Albrecht von Lucke erklärt das Tamtam, das heute über 1968 gemacht wird, aus seinem ideologischen Kern.
Reinhard Mohr hat 1968 mitgemischt. In Frankfurt trug er als Student "das Rotbuch 'Wie man gegen Polizei und Justiz die Nerven behält' in der Tasche" in seiner "schweren Lederjacke". Wie fast alle Aktivisten jener Zeit behielt Mohr die Nerven, er wurde nicht Terrorist, sondern Journalist. Seine kurzweilige, bisweilen arg launig erzählte Geschichte der deutschen Achtundsechziger soll nebenbei auch deren Andenken retten.
Götz Aly verachtet alle Historiker, die Druckkostenzuschüsse zur Publikation ihrer Arbeiten erhalten. Er braucht das nicht. Aly schätzt extreme Ansichten. Davon zeugt der Titel seines neuen Buches: "Unser Kampf". Er legt nahe, die Achtundsechziger seien ähnlich fürchterlich gestimmt gewesen wie Adolf Hitler. Aly leidet darunter, dass er nicht Ordinarius geworden ist. Das bringt er auch in "Unser Kampf" aufs Tapet: Den Achtundsechzigern hält er vor, sie hätten einander sowohl beim Ausbau der Universitätslandschaft Ende der sechziger Jahre als auch nach der Eingliederung der DDR ins Bundesgebiet Sinekuren verschafft, lukrative Professuren bis zum Lebensende.
Ungerechte Generalisierungen
Dass eine kommunistische Lehrerin wegen des Radikalenerlasses in den siebziger Jahren Lehrverbot erhielt und dann ohne Reue ihre Bezüge weiterhin eingestrichen habe, findet er umso verwerflicher, als die Frau nach ihrer Freistellung in eine "Landkommune" umzog. Er spricht von "Parasitenstolz". Ihm selbst wurde in den siebziger Jahren wegen seiner linken Umtriebe auch von Staats wegen ein Jahr lang Berufsverbot erteilt, vermutlich nicht bei fortlaufenden Bezügen.
Zweifellos ist es schade, dass Aly nicht Professor geworden ist. Schade ist es aber auch, dass er die Thesen seiner Bücher zunehmend im Hinblick auf das Hühnchen formuliert, das er mit der Gesellschaft, der Welt oder wem auch immer zu rupfen hat. So bleibt zum Beispiel unklar, was er den Achtundsechzigern übler nimmt: Dass sie sich Gewaltphantasien hingaben oder dass sie später einkömmliche Posten einnahmen.
Einerseits hält er ihnen - übrigens zu Unrecht - vor, dass sie gegen den sowjetischen Einmarsch in Prag nicht protestiert hätten, andererseits erbittert es ihn, dass sie sich dem Internationalismus verschrieben und wortreich die Befreiungsbewegungen in fremden Ländern unterstützten. Die Hochschulreform hätte es, so Aly, auch ohne die Achtundsechziger gegeben.
Die Aufarbeitung der NS-Verbrechen hätten fähige Staatsanwälte damals schon längst in die Hand genommen. Fälschlich behauptet Aly, die Studenten jener Zeit hätten sich für diese Prozesse nicht interessiert. Allerlei ungerechte Generalisierungen solcher Art geben seinem Buch den Anschein einer Hasstirade - oder sollte es Selbsthass sein?
Zum Sündenbock
Für die Polizei, die sich in seiner Schilderung der gewalttätigen Studenten kaum erwehren konnte, hat Aly Sympathie. Als der Journalist Kai Hermann damals von einer Pogromstimmung in Berlin sprach, muss er sich in Alys Augen geirrt haben: Die Medien, so schreibt er, seien der Revolte im Großen und Ganzen "neutral oder verständnisvoll" begegnet. Immerhin konzediert er, dass in Berlin die Springerpresse dominierte, die gegen die Studenten hetzte. Weit davon entfernt, sich für die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit zu interessieren, so Aly weiter, hätten die Studenten der späten sechziger und frühen siebziger Jahre sich eskapistisch auf den Vietnamkrieg konzentriert und die Vereinigten Staaten zum Sündenbock erkoren: "Im Antiamerikanismus überschnitten sich die Gedankenwelten der von Goebbels verformten Eltern und ihrer zum harten Contra aufgelegten Kinder."
Lesen Sie auf der nächsten Seite: Warum die 68er-Revolte heute zugunsten Adenauers schlecht gemacht wird.
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![]() 20.02.2008 11:25:55 Wenn jemand schreibt, die RAF würde viel mit den Nazis gemein haben, würd ich ihm nicht so widersprechen. Hier werden aber vollkommen undifferenziert alle über einen Kamm geschoren und dass ist bei einer so heterogenen Bewegung nicht zulässig. ![]()
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