Von Andrian Kreye

Wasser predigen, Wein trinken: Die Welle der US-Politskandale erwischt auch liberale Moralisten wie Michael Moore.

Der besondere Kitzel von Politskandalen liegt meist in der Genugtuung, dass dabei Persönlichkeiten demontiert werden, deren Laufbahn auf moralischen Positionen gründen, die sie mit einem enormen Maß an Selbstgerechtigkeit vertreten.

Der Niedergang der Bush-Regierung, die sich in einem Geflecht aus Lügen und Inkompetenz verstrickt hat, wird in den USA derzeit mit ausgesprochener Häme kommentiert. Aber es müssen nicht gleich historische Regierungskrisen sein. Gerade konservative Moralhüter wurden über die Jahre hinweg immer wieder in schwachen Momenten erwischt.

Da waren die Prostituiertenbesuche des Fernsehpfarrers Jimmy Swaggart oder die Spielsucht des ehemaligen Bildungsministers und Feldherrn des Antidrogenkriegs William Bennett.

In Wahlkampfzeiten wird die Skandalisierung der Politik sogar professionell betrieben: Die „Opposition Researchers“ sind inzwischen ein eigener Berufsstand. Die Bloßstellung von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens hat in den USA nicht nur System, sondern auch eine rechtliche Grundlage.

Der „Freedom of Information Act“ von 1966 erlaubt es jedem Bürger, Akten einzusehen, die in Europa oft noch unter den Datenschutz oder das Amtsgeheimnis fallen. In Deutschland tritt mit dem ersten Informationsfreiheitsgesetz erst zum 1. Januar 2006 eine vergleichbare Regelung auf Bundesebene in Kraft.

Moore und Bush, Reuters

Vom Medienhelden der Arbeiterklasse zum Haliburton-Aktionär: Michael Moore. (Foto: Reuters)

Informationsfreiheit ist jedoch die Grundlage für eine der wichtigsten Säulen der Demokratie – die Transparenz. Und die ist ganz und gar unparteiisch. Das zeigt das amüsante Bändchen „Do As I Say (Not as I do) – Profiles in Liberal Hypocrisy“ des Publizisten Peter Schweizer.

Der Mitarbeiter des konservativen Hoover Institute hat sich den gesetzlich garantierten Zugang zu Steuerunterlagen und Vermögensaufstellungen zu Nutze gemacht und pikante Details über die Bannerträger des amerikanischen Liberalismus zusammengestellt.

Klasse Feind

Das Buch beginnt mit Noam Chomsky, der die Heuchelei der großen Politik seit Jahrzehnten am heftigsten anprangert. Der Linguistikprofessor am Massachusetts Institute of Technology begann seine Laufbahn als politischer Intellektueller mit einem Essay für die New York Review of Books mit dem Titel „Die Verantwortung der Intellektuellen“, in dem er den Begriff vom „heuchlerischen Moralismus“ prägte. In den folgenden Jahrzehnten etablierte sich Chomsky als führender Sprecher der Friedensbewegung und der amerikanischen Linken.

Schweizers Nachforschungen ergaben, dass Chomsky sich seine wissenschaftlichen Arbeiten jedoch über Jahre hinweg direkt und indirekt vom Pentagon finanzieren ließ, während er gleichzeitig zur Verweigerung von Wehrdiensten und Steuerzahlungen aufrief.

Auch seine persönlichen Finanzen hat er weitgehend von jener Utopie der „postkapitalistischen Gesellschaft“ ausgenommen, für die seine Anhänger kämpfen sollen. Chomsky lebt in einem stattlichen Eigenheim, das rund 850.000 Dollar wert ist, und besitzt zudem noch ein Ferienhaus im Wert von 1,2 Millionen Dollar.

Lesereise im Privatjet

Vor allem, wenn es um das Zahlen von Steuern geht, sind die Vorkämpfer für die Umverteilung der Vermögensverhältnisse nicht ganz so kämpferisch wie in ihren Forderungen an das System. So versuchte die Chefredakteurin der linken Wochenzeitung The Nation, Katrina Vandenheuvel, auf dem Gerichtsweg um die Zahlung von zwei Millionen Dollar Erbschaftssteuer herumzukommen.

John Kerry, der während seines Präsidentschaftswahlkampfes nicht müde wurde, die klassenfeindliche Steuerpolitik von George W.Bush zu geißeln, bezahlte zusammen mit seiner schwerreichen Frau Teresa lediglich auf 15 Prozent des gemeinsamen Einkommens Steuern.

Strafbar machen sich die liberalen Moralisten dabei nicht. Treuhandfonds etwa eignen sich dafür hervorragend als Steuernischen – weswegen die Kennedy-Familie, zu der mit Ted Kennedy auch der führende Linke im Senat gehört, seit dem Ableben ihres Patriarchen Joe im Jahr 1969 nicht einmal ein halbes Prozent Erbschaftssteuer auf das Erbe bezahlt hat, das auf 300 bis 500 Millionen Dollar geschätzt wird.

Dankbarstes Ziel der Schweizerschen Nachforschungen ist jedoch der Filmemacher Michael Moore.

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