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Produktive Blogger aus dem Jenseits
Nachrichten aus dem Netz (28)
04.11.2007, 19:52
Das Internet verändert bekanntlich die Gehirne nachwachsender Generationen dergestalt, dass die Kulturtechnik des Lesens in größte Gefahr gerät. Für Schriftsteller ist das keine gute Aussicht. Umso erfreulicher, dass einige Vertreter der etwas älteren Autorengeneration mutig die Möglichkeiten nutzen, die ihnen das Netz bietet.
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Annette von Droste-Hülshoff im Netz: Der Blog "Nach 100 Jahren" wurde mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. (Screenshot: sueddeutsche.de)
So hindert die Tatsache, dass er vor 145 Jahren gestorben ist, den amerikanischen Schriftsteller und Philosophen Henry David Thoreau nicht an einer produktiven Bloggerexistenz. Täglich notiert er Betrachtungen aus seinem Eremitendasein am Walden-See in Massachusetts. In der vergangenen Woche reflektierte er über das Muskelspiel der Natur am Novemberanfang, die Kiesel zwischen Eisenbahngleisen und den Lebenszyklus von Kohlpflanzen.
Mehr an ihren Mitmenschen interessiert ist Annette von Droste-Hülshoff. Die Einträge in ihrem Blog "Nach 100 Jahren", der in diesem Jahr einen Grimme-Online-Preis gewann, sind in Form von Briefen an wechselnde Adressaten gehalten.
Über den in einem Gasthof vergessenen Mantel der Mutter werden die Leser ebenso auf dem Laufenden gehalten, wie über die Lektüre der Droste oder ihre ständigen Gesundheitsprobleme ("... ich bin schändlich krank geworden"). Die Freunde und Verwandten der Dichterin machen regen Gebrauch von der Kommentarfunktion.
Franz Kafka scheint der Bloggerei ein wenig müde zu sein. In seinem Online-Tagebuch sind seit einiger Zeit keine neuen Einträge mehr dazugekommen.
Ein im Vergleich zu Kafka vorbildlich aktiver Blogger ist dagegen Samuel Pepys. Wie es sich für den wohl bekanntesten Tagebuchschreiber der englischen Literaturgeschichte ja auch gehört. In seinen täglichen Notizen (zur Zeit aus dem Jahr 1664) verlinkt der Beamte des britischen Marineamts freundlicherweise häufig Google Earth.
Das erleichtert es, Pepys durch das London des 17. Jahrhunderts zu folgen. Wen so viel Alltag nicht zu fesseln vermag, der schaue am besten im nächsten Sommer wieder rein, da bricht in London die Pest aus.
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