Von Ruth Schneeberger

Wie kann es sein, dass die Preisträger zitiert werden, bevor die angebliche Live-Show für Deutschlands Musikpreis startet? Der Echo, seine Pannen, seine Tränen - und seine Gewinner.

 
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Was für ein irrer Sonntag: Erstens beschert uns das Wetter einen echten Frühlingstag, obwohl Schnee angesagt war. Zweitens wurden die Uhren für die Sommerzeit eine Stunde vorgestellt - nur damit RTL sie drittens schon am Abend wieder zwei Stunden zurückdrehte. Mit einer angeblichen Live-Übertragung, die offenbar gar keine war.

Zumindest liefen die Meldungen über die Gewinner des Echo-Preises und die Reaktionen der Geehrten - inklusive Zitaten - erheblich früher über den Nachrichten-Ticker als die Übertragung im Fernsehen. Bei RTL blieb man auf Nachfrage dabei: Man verstehe das nicht, die Show sei ,,auf jeden Fall live‘‘.

Den Tränen nahe

Wie dem auch sei: 23 Gewinner hat der Echo hervorgebracht, der als deutsches Pendant zum amerikanischen Musikpreis Grammy gilt. Allen voran die erst 16-jährige Sängerin LaFee (,,Virus‘‘), die aus der Nähe von Aachen stammt und gleich zwei Preise mit nach Hause nahm, einen als beste Nachwuchskünstlerin und einen als beste Künstlerin der Kategorie Rock/Pop. Sie dankte auf der Bühne ihren Eltern, der Bravo und dem lieben Gott und war im lindgrünen bodenlangen Rüschenkleid den Tränen nahe.

Ebenfalls zwei Preise bekam die Band ,,Silbermond‘‘ - einen davon als bester nationaler Live Act und einen für den Hit des Jahres mit dem programmatischen Titel ,,Das Beste‘‘. Beinahe hätte es noch für einen dritten Preis gereicht, denn Silbermond war auch noch für die Kategorie der besten nationalen Gruppe nominiert. Dieser Titel ging aber an die Band ,,Rosenstolz‘‘. Als die Sportfreunde Stiller als beste deutsche Rock-Gruppe geehrt wurden, kam der ganze Saal in WM-Stimmung und sang den Fußball-Hit ,,54,74,90...‘‘.

Für Empörung hatte schon im Vorfeld die Nominierung von Yusuf Islam gesorgt. Der einst unter dem Namen Cat Stevens berühmte Sänger hatte Sympathie für die iranische Fatwa gegen den Autor Salman Rushdie gezeigt. Dass Yusuf Islam nun in Berlin trotzdem für sein Lebenswerk geehrt werden sollte, sorgte für Verärgerung unter Musikmanagern.

Ausgerechnet ihn, der zum Islam konvertiert war, als ,,Brückenbauer zwischen dem Westen und der islamischen Welt‘‘ auszuzeichnen, sei absurd. Es half nichts: Thomas Gottschalk hielt eine Verteidigungsrede und überreichte den Preis. ,,Nehmen Sie das, was Popstars sagen, nicht so ernst‘‘, sagte Gottschalk.

Weitere Berichterstattung folgt.

(sueddeutsche.de/SZ vom 26.3.2007)

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