Der iPod liebt Überraschungen, heißt es in der Apple-Werbung. Mal sehen, was er von dieser hält: Mixer gegen MP3-Player, wer gewinnt? - "Will it Blend?", das Internetvideo der Woche.
Wer vor Weihnachten ausgiebig geshoppt, dann zwischen den Jahren das geschenkte Geld in materielle Neuheiten verwandelt und in dieser Woche mindestens ein Produkt schon wieder umgetauscht hat, der ist bereit für Chopping, das Gegenteil von Shopping: Gnadenlose Materialzerhäckselung. Bauen Sie jetzt Ihren Küchenmixer neben dem Computer auf und holen Sie Ihren iPod aus der Umhängetasche, denn den brauchen wir später noch...
Im Clip "Will it Blend? - Real Time Compilation" sehen wir einem Mann beim Bedienen seines Mixers zu, doch das ist wesentlich interessanter als zum Beispiel eine Waschmaschine beim Schleudergang zu beobachten. "Will It Blend?" ("Wird es sich vermischen?") – im Titel ist bereits Spannung angelegt: Es wird etwas passieren – oder eben nicht.
Eine formal strenge Laborsituation bildet den Rahmen: Versuchsleiter Tom Dickson trägt Kittel und Schutzbrille. Er will experimentell beweisen, dass "Blendtec-Blender" keine durchschnittlichen Mixer sind.
Dafür befüllt Tom sie nicht wie üblich mit Bananen, Karotten oder Petersilie, sondern erst mal mit Glühbirnen. Der Zuschauer ist mit Erkenntnisinteresse dabei und fragt sich, was jetzt wohl passieren wird: Krachend werden die Glühbirnen zu einem Haufen Staub zermahlen. Jetzt folgen Golfbälle, die zunächst hin und her fliegen wie Lottokugeln. Rasch verwandeln sich die Bälle in eine herrlich frei schwebende Wolke: kein Lotto, sondern ein Abgesang auf kapitalistische Verheißungen.
Die Versuche im Blendtec-Werbeclip zeigen, dass die kleinteilig zerlegten Produkte keine echte Substanz haben, ein kommerzieller Angriff auf kapitalistische Verblendung: In weiteren Clips werden Kreditkarten zerstückelt, eine gefüllte Coladose, ein McDonald’s-Menü in brauner Papiertüte. Seht her, so lautet die Botschaft, in 10 Sekunden zerfällt alles, was euch wichtig ist, zu Staub oder wird zu Matsch.
Was vom Banalen übrigbleibt, sind Haufen unterschiedlicher Couleur. Zu Elementarteilchen atomisiert, verlieren die Markenprodukte ihre unantastbare Aura. Die beschwingte Big-Band-Musik unterstreicht den Showwert und die sendungsbewusste aufklärerische Produktivität der Aktion.
Im zweiten Film, "Will it Blend? - iPod", sagt Tom Dickson, man müsse den Mut haben, sich auch von liebgewonnenen Dingen zu trennen. Also nimmt er sich den aktuellen Zeitgeist-Fetisch des eleganten Konsums vor: den iPod, Apples MP3-Player. Rein in den Mixer damit, krachend wird der iPod ebenfalls zu Staub püriert, während der Versuchsleiter selbstzufrieden in die Kamera grinst.
Alles Irdische ist vergänglich, wir können nichts mitnehmen, alles bleibt auf dieser Welt zurück. Klar, das klingt nach Wort zum Sonntag, aber angesichts des Wahnsinns in den Fußgängerzonen, wo Horden den Elektroschrott der nahen Zukunft aus den Unterhaltungselektronikkaufhäusern schleppen, als gäbe es kein Morgen, kann man ruhig mal dran erinnern.
Der iPod wird auch für seine "shuffle"-Funktion angepriesen, die die Reihenfolge der Songs ständig neu mischt: "Der iPod shuffle liebt Improvisationen und Überraschungen", heißt es in einem Werbetext. Na also, hier wird er endlich mal selbst überrascht.
Indem man die materiellen Bestandteile des iPod, dieser Mischmaschine des Immateriellen, gehörig durchmischt wie die Lyrik des Expressionismus die Welt zerspliss, sie blended, kehrt man eine Frage nach oben, die gemeinhin von der Prosa und den Selbstverständlichkeiten des Alltags verschüttet ist: Nämlich die, ob man auf manche Dinge nicht gut verzichten kann, selbst wenn sie als Must gelten. "Let your boat of life be light”, wie Jerome K. Jerome schrieb.
Man sollte öfter mal zwei Maschinen aufeinander loslassen, demnächst vielleicht Apples iPhone und den neuesten Raclette-Grill, solch eine kleine Unterhaltungselektronik-Apokalypse ist ganz lehrreich: Der Chopping-Channel ist ein Spartenkanal, den wir dringend brauchen.
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