Britische Schüler haben eine neue Art von Schabernack entdeckt, der oft kein Scherz mehr ist: "Cyber-Bullying". Dahinter steckt, dass sie ihre Mitschüler und auch ihre Lehrer mit peinlichen, oft manipulierten Handy-Videoaufnahmen erpressen, die sie ins Netz stellen.
Der Lehrer stand mit dem Gesicht zur Tafel und merkte nicht, wie ein Schüler sich von hinten an ihn heranschlich. Im nächsten Moment hatte der Schüler ihm die Hose heruntergezogen. Die Szene wurde von einem Mitschüler mit einer Handy-Kamera aufgezeichnet und umgehend auf der Video-Clip-Website YouTube veröffentlicht.
YouTube-Video, das sich gegen Cyber Bullying wendet
Was vor einiger Zeit in einer Schule im schottischen Cumbernauld ereignete, ist nur ein Beispiel für das Phänomen des "Cyber-Bullying", einer Art virtuellen Terrors, der nach Ansicht vieler Beobachter in Großbritannien besorgniserregende Ausmaße angenommen hat. Das Mobiltelefon wird dabei besonders in Schulen zur Erniedrigung missbraucht, zur Erstellung drohender anonymer Textnachrichten an Mitschüler, oder von Handy-Filmen von Lehrern in peinlichen Situationen.
Der britische Bildungsminister Alan Johnson hat jetzt die Betreiber von Websites wie YouTube aufgefordert, die Veröffentlichung von Cyber-Bullying-Videos im Internet zu unterbinden. "Diese Firmen tragen eine gesellschaftliche Verantwortung und sind moralisch verpflichtet, zu handeln", so Johnson. "Ohne die Bestätigung, mit der die Internet-Veröffentlichung solcher Filme den persönlichen Unsicherheiten der Täter schmeichelt, wären solche gemeinen Aktivitäten wesentlich weniger attraktiv."
Laut YouTube ist es nur eine "winzige Minderheit", die den Regeln widersprechende Videos hochlade. Man bemühe sich, Filme zu entfernen, die als Cyber-Bullying gewertet werden könnten. Allerdings ist die Bandbreite der Websites, auf denen es Gelegenheit gibt, Lehrer bloßzustellen, so groß, dass eine effektive Kontrolle schwierig ist.
Dabei ist die Grenze fließend zwischen dem, was noch als Streich durchgeht, und dem, was die Menschenwürde verletzt: So war eine Lehrerin für Monate stressbedingt krank geschrieben, nachdem ihr Gesicht in pornografische Bilder eingebaut und im Internet veröffentlicht worden war. Ein Lehrer in Nordost-England starb an Krebs, bevor der Direktor seiner Schule eine Website dazu bringen konnte, falsche Anschuldigungen aus dem Netz zu nehmen, nach denen der erkrankte Kollege wegen Kindesmissbrauch der Schule ferngeblieben sei. Es habe drei Wochen gedauert, bis die Seitenbetreiber reagiert hätten, so der Schuldirektor.
Die Betreiber der betreffenden Internetseiten haben darauf hingewiesen, eine Möglichkeit der Abschreckung sei es, den betreffenden Schülern klar zu machen, dass jedes Posting zu seiner Quelle zurückverfolgt werden kann. Sie sehen jedoch einen Teil der Verantwortung auch auf Seiten der Schulen selbst. So hat ein Sprecher der Suchmaschinen-Gesellschaft Google die Lehrer dazu aufgefordert, Telefone im Unterricht zu konfiszieren.


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